Prof. Dr. Jürgen Beckmann
Prof. Dr. Jürgen Beckmann

Prof. Dr. Jürgen Beckmann

Fußball / Dekan der Fakultät für Sportwissenschaft der Technischen Universität München, Lehrstuhlinhaber für Sportpsychologie an der TUM, Direktor Sportpsychologisches Zentrum TU München

Prof. Dr. Beckmann promovierte in Psychologie an der Universität Mannheim 1984. Er habilitierte mit venia legendi für Psychologie in Mannheim 1987 und München (LMU) 1992. Er war Gastprofessor am Center for Complex Systems der Florida Atlantic University; Boca Raton, USA 1993; Von 1997 – 2006 war er Professor für Sportpsychologie an der Universität Potsdam. Er war Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie von 2005-2009.

Interview mit Prof. Dr. Jürgen Beckmann – Depressionen und Leistungssport

Interview mit Prof. Dr. Jürgen Beckmann – Depressionen und Leistungssport

Prof. Dr. Beckmann, Sportpsychologe von der TU München, spricht über den Fall Robert Enke und über die Krankheit „Depression“. Prof. Beckmann erklärt, wie Depressionen im Zusammenhang mit dem Leistungsport zu sehen sind und welche Auswirkungen die Krankheit auf den Menschen haben kann.

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Der Suizid vom Fußballnational-Torwart Robert Enke hat ganz Deutschland bestürzt und traurig gestimmt. Obwohl der Fall des 32 jährigen Enke in unserer Gesellschaft kein Einzelfall ist, ist man immer wieder gleichermaßen schockiert und ohnmächtig. Der Nationalspieler hinterlässt nach seinem Freitod seine Ehefrau Teresa Enke und die kleine Adoptivtochter Leila.

Sah man die junge Witwe bei der Pressekonferenz zu Robert Enkes Suizid, wie sie zwischen Selbstbeherrschung, Verzweiflung und vollkommener Trauer schwankte, überkam selbst dem Unbeteiligten Kummer und Mitgefühl. Bei Teresa Enkes Erklärungsversuchen fiel ein signifikantes Wort: Depression.

„Depression“ ist im Sprachgebrauch ein gängiges Wort. Man benutzt es, um eine negative Stimmung oder eine schwere Zeit, die man gerade durchmacht, zu beschreiben. Was jedoch die Krankheit „Depression“ ist, was sie für den Betroffenen und seine Angehörigen bedeutet und inwiefern im Fall Robert Enke der Leistungssport ein Katalysator für sein Schicksal war, wollen wir an dieser Stelle mit Professor Doktor Beckmann, Sportpsychologe an der TU München, klären.

netzathleten:
Prof. Dr. Beckmann, Sie sind Experte im Bereich Sportpsychologie, können Sie uns erklären, warum Leistungssportler besonders anfällig für Depressionen sind?
Prof. Dr. Beckmann: Leistungssportler stehen naturgemäß unter einem starken Leistungsdruck. Damit sind einerseits Versagensängste verbunden und natürlich auch tatsächliche Misserfolge. Angemessene Bewältigungsstrategien sind hier entscheidend dafür, in wieweit dies zu einer erhöhten Anfälligkeit führt. Ferner führt die Trainings- und Wettkampfbelastung leicht in einen Zustand des Burnout, der die Entstehung einer Depression begünstigen kann.

netzathleten: Was genau beinhalten diese besagten Bewältigungsstrategien?
Prof. Dr. Beckmann: Bei den Bewältigungsstrategien geht es um die Frage „wie bewältige ich den Misserfolg für mich“. Unter Misserfolg versteht man, dass die eigene Leistung hinter der persönlichen Erwartung zurücksteht. Zur Bewältigung solcher Erlebnisse kann man angemessene und unangemessene Strategien entwickeln. Unangemessene Strategien sind dabei solche, die vom eigentlichen Problem ablenken zum Beispiel Rauchen oder Alkohol. Eine angemessene Bewältigungsstrategie ist es durch kognitive Arbeit dem Misserfolg auf konstruktiver Ebene zu begegnen. Der Depressive muss lernen, Misserfolge nicht dauernd auf seine eigene Unzulänglichkeit zurückzuführen. Man spricht also von kognitiver Verhaltenstherapie.

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Seite 3: Wie erkannt man eine Depression, wie geht man mit ihr um?

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