Wie gefährlich ist tauchen?

Wie gefährlich ist tauchen?

Tauchen ist eigentlich kein gefährlicher Sport, solange man weiß, was man tut. Tauchmediziner Dr. med Markus Klingenberg klärt auf, wo unter Wasser die größten Gefahren liegen und wer besser nicht ins Wasser gehen sollte.

netzathleten: Wie gefährlich ist tauchen? ... oder weniger reißerisch: Für wen ist Tauchen ein geeigneter Sport?
Dr. Markus Klingenberg: Richtig betrieben ist Tauchen ein sehr sicherer Sport, der beginnend ab etwa dem 10. Lebensjahr bis ins hohe Alter von Männern und Frauen betrieben werden kann. Mitte des letzten Jahrhunderts galt Tauchen noch ein Sport für kräftige und sportliche Männer, meistens Soldaten. Geschichtlich betrachtet tauchen Frauen in professionellem Maße am Beispiel der japanischen Perlentaucherinnen allerdings schon sehr viel länger als Männer.

netzathleten: Welche gesundheitlichen Einschränkungen gibt es?
Dr. Klingenberg: Es gibt verschiedene Erkrankungen wie Anfallsleiden, Psychosen, Erkrankungen der Lunge und der Ohren und eine unzureichende körperliche Fitness, die nicht mit dem Tauchsport vereinbar sind. Sehr viele andere Erkrankungen sind mit einer guten Aufklärung sehr gut mit dem Tauchen zu vereinbaren. Entscheidend sind eine professionelle und umfangreiche Beratung im Rahmen einer tauchsportärztlichen Untersuchung und ggf. eine reisemedizinische Beratung. Bisweilen werden bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung bestimmte Einschränkungen festgelegt, so dass der Taucher trotz Vorerkrankungen sicher tauchen kann.

netzathleten: Gibt es sonst noch Dinge, auf die man vor einem Tauchgang besser verzichten oder die man beachten sollte? (Schlaf, Essen, trinken, Sport,…)

Dr. Klingenberg: Wie vor jedem Sport sollte die letzte Mahlzeit einen angemessenen Zeitraum zurückliegen. Getrunken werden sollte auf jeden Fall vor einem Tauchgang. Der Konsum von 500ml Flüssigkeit vor dem Tauchgang reduziert statistisch das Risiko der unerwünschten Bläschenbildung um etwa 30 Prozent. Trainiert man unmittelbar vor einem Tauchgang, so ist der Stoffwechsel insgesamt erhöht und damit auch der Sauerstoffverbrauch. Dieser verkürzt dann die Tauchzeit, da die Tauchflasche auf Grund eines erhöhten Atemminutenvolumens schneller leer geatmet wird. Eine ausreichende Regeneration über genügend Schlaf sollte vor und nach dem Tauchgang gegeben sein. Müdigkeit steigert in allen Bereichen die Fehlerquote, so auch beim Tauchen.

Unmittelbar nach dem Tauchgang sollte man nicht zu einer Massage oder in die Sauna gehen und auch kein intensives Training absolvieren.

netzathleten: Wie lange sollte man zwischen zwei Tauchgängen mindestens warten?

Dr. Klingenberg: Die Oberflächenpause, also die Zeit zwischen zwei Tauchgängen, dient dazu, den im Körper angesammelten Stickstoff wieder über die Atmung abzugeben. Diese Zeit sollte möglichst entspannt verbracht werden und vor allem sollte der Taucher etwas trinken. Bis vor wenigen Jahren haben die meisten Taucher mit Hilfe von Tabellen ihre Pause berechnet. Es gilt die Grundregel, je tiefer oder länger ich meinen zweiten Tauchgang plane, desto länger muss die Oberflächenpause sein. Prinzipiell sollte der zweite Tauchgang aber in einer geringeren Tiefe erfolgen, als der erste. Heute übernehmen im Regelfall die Tauchcomputer diese Berechnungen. Zusammengefasst ist die Pause im Wesentlichen abhängig vom Tauchprofil des ersten und zweiten Tauchgangs.

netzathleten: Gibt es Möglichkeiten, den Stickstoff im Blut schneller abzubauen?
Dr. Klingenberg: Grundsätzlich beschleunigt das Einatmen von reinem Sauerstoff das Abatmen des Stickstoffs. Der erhöhte Stickstoffanteil im Blut entwickelt sich ja erst zu einem Problem, wenn sich auf Grund eines zu schnellen Druckabfalls Stickstoffbläschen bilden. Zum Abbau der Bläschen sollte die Einatmung von reinem Sauerstoff in einer Dekompressionskammer folgen, um die Stickstoffbläschen durch den erhöhten Druck wieder in Lösung zu bringen und dann abzuatmen.

Noch besser ist es natürlich die Aufnahme Stickstoff im Körper durch die Verwendung von Nitrox und ein konservatives Tauchgangsprofil gering zu halten. Nitrox ist ein mit Sauerstoff angereichertes Atemgas, bei dem der Stickstoffanteil niedriger ist. Die Sauerstoffkonzentration beträgt bei den meisten Mischungen für Sporttaucher zwischen 32 und 36 Prozent.

netzathleten: Wie wichtig ist der Tauch-Eignungstest und wie oft sollte man ihn wiederholen?

Dr. Klingenberg: Eine Tauchtauglichkeits-Untersuchung sollte zu Beginn jeder Tauchausbildung stehen. Bis zum 40sten Lebensjahr gilt eine Bescheinigung des Tauchmediziners für 2 Jahre, ab dem 40sten Lebensjahr für ein Jahr. Einen Tauchmediziner in seiner Nähe findet man auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (www.gtuem.de).

netzathleten: Gibt es für Taucher besondere Hinweise, wenn sie verreisen?

Dr. Klingenberg: Viele Taucher betreiben ihr Hobby vor allem im Rahmen ihres Urlaubs im Ausland. Aus meiner Sicht ist bei reisenden Tauchern deshalb eine gezielte Beratung hinsichtlich des gewählten Reiseziels sinnvoll.



Sehr beliebt sind bei deutschen Tauchern das rote Meer und damit meist Ägypten als Reiseland. Statistisch erleiden 40 Prozent der Deutschen, die nach Ägypten reisen, einen Durchfall. Der damit verbundene Flüssigkeitsverlust bei zeitgleich hohen Außentemperaturen stellt ein deutlich erhöhtes Risiko für den Taucher dar, eine Dekompressionserkrankung zu erleiden. Mit allgemeinen Reisetipps, einer sinnvollen Reiseapotheke, Impfungen und Probiotika lässt sich dieses Risiko um gut 50 Prozent senken und eine Erkrankung, wenn sie dennoch auftritt, deutlich verkürzen. Eine kompetente Beratung trägt dazu bei, unangenehme Überraschungen im Tauchurlaub zu vermeiden.

netzathleten: Gibt es eine Möglichkeit, selber herauszufinden, ob man zum Taucher taugt?

Dr. Klingenberg: Die meisten Tauchschulen im In- und Ausland bieten Interessierten ein „Schnuppertauchen“ („Discovery Scuba Diving“) an. Nach einer kurzen Theorieeinweisung und ein paar einfachen Übungen im Pool oder stehenden Gewässer wird ein kurzer Tauchgang unter ständiger Aufsicht durch einen Tauchlehrer durchgeführt. Anschließend kann dann ein Open Water Kurs gebucht werden, der den Taucher berechtigt, weltweit selbständig mit einem Partner tauchen zu gehen.

netzathleten: Ist tauchen ungesund/gesund oder gibt es keine Auswirkungen auf die Gesundheit?
Dr. Klingenberg: Nach aktuellem Wissensstand ist bei Sporttauchern mit keinen Langzeitschäden zu rechnen. Bei Berufstauchern verhält es sich teilweise anders.

Dr. med. Markus Klingenberg, Arzt für Sport- und Notfallmedizin mit Zusatzqualifikation für Tauch- und Reisemedizin und Prävention. Regelmäßige Tätigkeit als Tauch- und Notfallmediziner im indischen Ozean und Afrika. Taucher seit 1996 mit über 500 Tauchgängen. Dive Master und Assistant Instructor (PADI).

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Es gibt einen Kommentar

Florenz schrieb am 30.09.14 um 16:11
Wie steht es denn mit Tauchlehrern? Gibt es dort studien, inwieweit sich tauchen langfristig auf den Koerper auswirkt? Als Beispiel 500 Tauchgaenge pro Jahr ueber 10 Jahre?!

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