Muskelkater: die Legende vom Laktat

: Muskelkater: die Legende vom Laktat

Wer nach langer Pause zum ersten mal wieder trainiert oder wer das Training übertreibt, bekommt am Tag darauf die Quittung. Vor lauter Muskelkater kann man teilweise kaum noch die Gliedmaßen bewegen. Aber was ist wirklich Schuld an den Schmerzen am „Morning After“. Um eins vorwegzunehmen: das Laktat, wie viele Sportler immer noch glauben, ist es nicht.

         Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen  Digg Button    

Vor ein paar Jahren bekam man noch häufig die Erklärung, dass eine Übersäuerung der Muskeln mit Laktat den Muskelkater verursacht. Wenn man das Training übertreibt, so die Vermutung, sammelt sich vermehrt Milchsäure - also Laktat - in den Muskelfasern an. Dadurch soll der Muskel weniger leistungsfähig sein und eher schmerzen. Als optimale Therapie galt, den Schmerz zu ignorieren und am Tag nach der großen Belastung den Muskelkater abzutrainieren. Dazu musste man mit ähnlicher Intensität das gleiche Training durchziehen, um das Laktat aus dem Körper zu bekommen. Eine Besserung stellte sich aber so gut wie nie ein.

Aus heutiger Sicht ist das auch kein Wunder. Denn mit Laktat hat der Muskelkater nichts zu tun. Darauf gibt es einige Hinweise.

Muskelkater nach Krafttraining

 

Ein Grund, der gegen die Laktat-Theorie spricht, ist die Sportart, nach der man besonders häufig Muskelkater hat. Wenn die Annahme stimmen würde, müsste Muskelkater besonders häufig bei Sportarten auftreten, bei denen auch viel Laktat gebildet wird, da man in einen aeroben Stoffwechsel kommt, beispielsweise beim 400m-Lauf. Messungen haben also gezeigt, dass Muskelkater besonders oft nach einem Krafttraining auftritt, aber beim Krafttraining wird kaum Laktat produziert.

Der zweite Hinweis ist die Chemie des Laktats. Laktat hat eine Halbwertszeit von 20 Minuten. Das heißt, nach 20 Minuten ist nur noch die Hälfte des produzierten Laktats im Blut vorhanden. Der Wert halbiert sich alle 20 Minuten, bis kein Laktat mehr vorhanden ist. Muskelkater tritt aber frühestens nach 12 bis 14 Stunden auf. Der Körper müsste Literweise Laktat produzieren, damit es nach einem halben Tag noch nachweisbar wäre.

Christian Riedel


Kommentar schreiben

  • (erforderlich)
  • (erforderlich)
  • Captcha Image
  • Infos über neue Kommentare per E-Mail erhalten

Es gibt 9 Kommentare

Jörg B. schrieb am 10.03.10 um 16:19
Jörg B.
Ein Trainer, der heute noch propagiert, man hätte nur ordentlich trainiert, wenn man am nächsten Tag Muskelkater habe, hat keine Ahnung! Bei Muskelkater handelt es sich strenggenommen um eine Verletzung. Es kann also niemals das Ziel von Training sein, einen ordentlichen Muskelkater zu bekommen. Im Gegenteil, bleibt der Muskelkater nach harten Trainingseinheiten aus, ist das ein Zeichen für Anpasssung und damit für den gewünschten Trainingseffekt. Leider lässt sich Muskelkater aber nicht immer vermeiden. Nach langen Trainingspausen oder bei Bergabläufen ist er fast schon unausweichlich.
Markus schrieb am 10.05.09 um 12:26
Markus
Aus schmerzhafter Erfahrung hat man ja im Gefühl "wenn ich jetzt weitertrainiere, hab ich morgen Muskelkater" (was ja eigentlich ein Katarrh und keine Mieze ist).
Mich würde interessieren, ob es Unterschiede im Trainingseffekt gibt. Ein Trainer hat mal gesagt, nur wenn man am nächsten Tag ordentlichen Muskalkater hat, hätte man auch richtig trainiert. Stimmt das oder ist es sinnvoller nur bis an die gefühlte Grenze zu gehen?
Max Jandl schrieb am 30.04.09 um 23:53
Max Jandl
und ich weiß sogar was Myofibrillen sind =)
mein bester freund hat über muskeln seine facharbeit geschrieben
ja der artikel ist wirklich um sonst geschrieben
und ab damit

Lars T. schrieb am 30.04.09 um 21:43
Lars T.
Wie der Jörg schon sagt, denk es kommt zu einer Mikrotraumatisierung des Bindegewebe und der kontraktilen Filamte (Aktin+Myosin). Der Schmerz dürfte durch die Wassereinlagerung, die der Körper betreibt um Schadstoffe und zerstörte Strukturen "hinauszuschwemen", hervorgerufen werden. Durch die wassereinlagerung kommt es zu einer druckerhöhung im gewebe was zur stimulierung der schmerzrezeptoren führt!=>schmerz
nach meinem kenntnisstand ist muskelkater stark durch koordinative mängel bedingt. Z.b. wenn man kein kt über ne zeit lange betreibt, reicht unter umständen schon eine woche (erfahrung) und es kommt zu einem schrittweisen verlust der inter und intramuskulären koordination, anfangs gering jedoch unter umständen schon ausreichend! ermüdungszustände egal ob lokal oder peripher begünstigen die entstehung, da das nerv-muskel system nicht mehr optimal arbeitet und es so zu einbußen im koodinativen bereich kommt. was ich immer mache nach trainingsausfall ich lasse die nächste einheit etwas langsamer angehen, sowohl etwas mehr pause zwischen den wiederholungen als auch vom gewicht her! mir hilft das ungemein;-) gruß
Jörg B. schrieb am 30.04.09 um 16:30
Jörg B.
Nach aktuellem Kenntnisstand entsteht Muskelkater durch Zerreißungen von Z-Scheiben und Auflösung der Sarkomerstruktur bei einzelnen Fibrillen. Ursache für den Schmerz sind vermutlich eine Autolyse zerstörter Faserstrukturen, Ödeme und teilweise auch Entzün-
dung.
Marko J. schrieb am 30.04.09 um 15:15
Marko J.
"aber beim Krafttraining wird kaum Laktat produziert."

HAHA ... Habt ihr schon mal eine Blutabnahme während des Krafttrainings vorgenommen?
René R. schrieb am 30.04.09 um 15:07
René R.
...nach meinem Kenntnisstand soll es sich beim Muskelkater um feinste Risse in den Myofibrillen handeln...
Andreas G. schrieb am 30.04.09 um 14:52
Andreas G.
wieso sollte er keine nützliche Aussage beinhalten? er sagt doch, dass es nichts bringt - entgegen der frühen Theorie - wenn man am tag nach dem training des muskelkater atrainieren will.

übrigens dass mit den verletzungen stimmt..
Jörg T. schrieb am 30.04.09 um 11:42
Jörg T.
Und woher kommt der Muskelkater nun wirklich? Ist da was dran, dass es sich um kleinste Verletzungen in den Muskelfasern handelt?

Mehr aus Gesundheit

Bevor man eine Reise unternimmt, sollte man sich in jedem Fall weiterlesen
Beim Sport spielt das Verletzungsrisiko immer mit, und kaum ein weiterlesen
Auch wenn es in Deutschland einige Gebiete gibt, in denen Taucher weiterlesen
Schmerzen in der Achillessehne sind oft langwierig und nur schwer weiterlesen
Kommentare: 2
Die Endoskopie zählt zu den bildgebenden Verfahren, da eine kleine weiterlesen