netzathleten: Ist der Kader nicht zu jung für ein solches Turnier?
Christoph Preuß: Wieso soll er zu jung sein? Die Jungs spielen alle Bundesliga, können mit Druck umgehen. Viele kennen das internationale Geschäft. Warum sollen wir dem Team nicht zutrauen, dass sie sehr weit kommen?
netzathleten: Vielleicht, weil den meisten doch die große internationale Erfahrung fehlt, vielleicht die Kaltschnäuzigkeit?
Christoph Preuß: Es hängt natürlich auch viel vom ersten Spiel ab. Wenn das gut läuft, ist es egal, ob man jung oder alt ist. Dann schwimmt man auf einer Euphoriewelle. Das ist auch das, was ich gerade von den jungen Spielern – die jetzt Verantwortung übernehmen müssen, sollen oder wollen –gehört habe.
netzathleten: Das erste Spiel geht gegen Australien, eine Mannschaft die über Jahre eingespielt ist, aber Probleme in der Innenverteidigung offenbaren hat. Da muss direkt ein Sieg her...
Christoph Preuß: Mit Sicherheit. Mit Cacau haben wir noch einen weiteren spielstarken Spieler dazu bekommen, so wie insgesamt eigentlich alle recht stark am Ball sind. Die werden den Ball sicher nicht so einfach her schenken. Mit ihren Ideen und ihrem gutem Kombinationspiel werden sie versuchen die Abwehrreihen zu knacken, auch die australische.
netzathleten: Der Kader ist also homogen und stark besetzt?
Christoph Preuß: Ja, darüber hat sich das Trainerteam eben auch lange Gedanken gemacht, wie man den Kader zusammenstellt. Wenn einer am Ende seiner Kräfte ist, weil ein WM-Spiel dann doch kräftezehrender ist als ein „normales“ Spiel, dann steht der nächste spielstarke Mann bereit und kann nahtlos weiter Gas geben.
netzathleten: Wo machst Du Schwächen im deutschen Kader aus? In der Abwehr eventuell?
Christoph Preuß: Nein, ich denke wir haben wirklich einen sehr ausgeglichenen Kader. Auch hinten, mit Mertesacker, Badstuber, Friedrich und Lahm, das sind alles international erfahrene Jungs. Insgesamt haben wir eine ausgeglichene Truppe, wenn auch bisher ohne absoluten Superstar. Vielleicht wird gerade das der Schlüssel für das Turnier und eine mögliche Überraschung sein.
netzathleten: Wer sind letztlich Deine Topfavoriten?
Christoph Preuß: Da verrate ich nichts Neues: Spanien, das zeigen schon ihre letzten Spiele. Dann natürlich die üblichen Verdächtigen: Italien, England, Holland. Brasilien und Argentinien muss man auch immer auf der Rechnung haben, aber ich glaube, dass die europäischen Mannschaften in Südafrika besser zurechtkommen werden. Die afrikanischen Mannschaften sind einfach schwer einzuschätzen, da gibt es zusätzlich auch ein paar große Namen, wie Drogba bei der Elfenbeinküste, die auszufallen drohen. Wie gesagt, ich denke, dass ein europäisches Team die Nase vorn haben wird.
netzathleten: Wer weiß, vielleicht erleben wir die WM der Überraschungen…
Christoph Preuß: Ja, hoffen wir auf eine sehr positive Überraschung für uns. Die Vorfreude ist auf jeden Fall groß. Nach der Bundesligasaison braucht man auch mal eine Pause vom Fußball, jetzt wird es aber Zeit, dass es losgeht.
netzathleten: Gut Christoph, dann hoffen wir auf einen guten Start unseres Teams. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Christoph Preuß: Genau, drücken wir die Daumen! Bis zum nächsten Mal. Viel Spaß bei den ersten Spielen!