BBL-Wochenrückblick - Freud und Leid

BBL-Wochenrückblick - Freud und Leid

Oft liegen Sieg und Niederlage sehr nah beieinander. In der vergangenen Woche hingegen rückten Freud und Leid in der Beko BBL teilweise äußerst weit auseinander. Während u.a. Berlin und Quakenbrück zu den Glücklichen der Woche gezählt werden müssen, lief bei Bonn oder Paderborn einiges schief.

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Bonn gegen Berlin. Das Duell zwischen den beiden dicken Bs, die Mutter aller Schlachten, der BBL-Klassiker schlechthin (Bamberg-Berlin mal ausgeklammert). Wie man die Partien zwischen den beiden langjährigen Titelrivalen auch nennen will, Bonn gegen Berlin ist immer etwas Außergewöhnliches. Umso schlimmer ist es in diesem Sinne für eine der beiden Parteien, wenn das Duell zur totalen Demontage verkommt - so geschehen am vergangenen Samstag. "Es fällt mir schwer zu verstehen, was heute auf dem Parkett passiert ist", meinte anschließend ein völlig desillusionierter Bonner Coach Michael Koch, der mit dieser Einschätzung freilich nicht allein da stand. Mit 83:48 hatten sich Kochs Telekom Baskets in der O2 World zu Berlin abschlachten lassen und dabei vor allem die nötige Intensität vermissen lassen. "Wenn man so motivationslos und inspirationslos auftritt, hat man keine Chance in Berlin", fand Koch klare Worte.

Tatsächlich zeigten die Hausherren vor 14.800 Zuschauern eine exzellente Leistung und machten vor allem das richtig, was Bonn partout nicht gelingen wollte: Nicht nur bewegten die Berliner den Ball offensiv deutlich besser, was zu vielen offenen Wurfgelegenheiten führte, sondern sie machten den Bonnern auch vor, wie eine funktionierende Defensive auszusehen hat. Nach den jüngsten Niederlagen im Eurocup gegen Saloniki und im Pokal in Bamberg brachten die Berliner über die volle Spielzeit die notwendige Konzentration auf das Parkett und ließen nichts anbrennen. "Wir haben über 40 Minuten nie aufgehört zu spielen", lobte Alba-Coach Luka Pavicevic seine Mannen, bei denen Julius Jenkins (22 Punkte) noch aus einer hervorragenden Teamleistung herausstach und auch Neueinkauf Lucca Staiger seine ersten BBL-Minuten sah.

 

Düsterer Tabellenkeller

Am anderen Ende des Spektrums, sprich: im Tabellenkeller, haben sich die Paderborn Baskets sei Saisonbeginn eingenistet. Unter der Woche übergaben die Westfalen das Traineramt an den bisherigen Assistenz-Trainer Dirk Happe, der die Baskets mit einer Energieleistung im Schlussteil der Saison noch aus den Abstiegsrängen hieven soll. Der Hoffnungsschimmer auf einen fixen Umschwung an der Pader verglühte letzte Woche jedoch erst einmal wieder: In Quakenbrück kamen die Baskets böse mit 96:57 unter die Räder und stellen unter Beweis, wieso die laufende Saison bisher ein absolutes Fiasko ist. Bereits im ersten Viertel (25:6) brachten die Gäste sich um jede Chance, den großen Favoriten aus dem Artland ein wenig ärgern zu können. "Man hat den Klassenunterschied heute deutlich gesehen. Die Dragons waren uns in allen Bereichen überlegen", resümierte Coach Happe nach seinem Debüt. Besonders an der Wurfauswahl (34,6% FG) sowie unter den Brettern (16:38 Rebounds) haperte es bei den Paderbornern deutlich, die zudem rekordverdächtige null Offensiv-Rebounds abgriffen. "Wir müssen nun versuchen, diese Fehler abzustellen", ging Happe bereits in die Aufarbeitung. Man möge ihm wünschen, dass ihm dies besser gelingt als Vorgänger Olaf Stolz.

Noch nicht ganz so tief im Abstiegsmorast hängt Phoenix Hagen. Dennoch verliefen die letzten Wochen für den Aufsteiger alles andere als gut, und auch am vergangenen Wochenende kam für die Hagener scheinbar alles zusammen. Gegen die Brose Baskets aus Bamberg spielten die Gastgeber gute erste zehn Minuten (18:20), verloren dann aber zuerst Aufbauspieler Michael Jordan auf Grund von Oberschenkelproblemen und anschließend auch nach und nach den Faden. Besonders im letzten Viertel (20:34) fehlte der US-Boy an allen Ecken und Enden, während Bamberg den Sack nun zuschnürte. "Über weite Strecken haben wir die Partie auf Augenhöhe bestritten. Entscheidend war, dass Bamberg im vierten Viertel auf Zone umgestellt hat", äußerte Phoenix-Coach Ingo Freyer, der auf Bamberger Seite einen Spieler hervorhob: "Wir haben mit viel Herz gespielt und so angefangen, wie wir uns das gedacht hatten. Aber dann kommt ein Spieler wie Tibor Pleiß und trifft aus allen Lagen. Das ist schon sehr stark", lobte Feyer den Nationalspieler, der am Schluss überragende 26 Punkte verbuchen konnte.

Das Abstiegsgespenst geht auch bei den Giessen 46es um. Die Mittelhessen müssen nach einer knappen 98:90-Niederlage in Ludwigsburg weiter um den Klassenerhalt kämpfen. Gegen die Schwaben zeigten die 46ers dennoch eine engagierte Leistung und begegneten der Mannschaft von Tolga Öngören 40 Minuten lang auf Augenhöhe (78:78). Erst in der Verlängerung ging den Gießenern, die ohne die Starter Maurice Jeffers und Lorenzo Williams antreten mussten, die Puste aus. "Gießen hat ohne zwei Leistungsträger Charakter bewiesen", zollte Öngören den 46ers Tribut. "Ich denke, am Ende waren wir einfach die frischere Mannschaft." Auch Neuzugang T.J. Thompson wusste auf Ludwigsburger Seite zu überzeugen und kam letztlich auf 25 Zähler und vier Rebounds.

Die Gewinner der Woche, was den Abstiegskampf angeht, ist ratiopharm Ulm. Während Gießen, Hagen und Paderborn Federn ließen, siegten die Spatzen bei einem direkten Konkurrenten, den Giants Düsseldorf, mit 72:75. Für die Mannschaft von Mike Taylor war es der zweite Auswärtssieg überhaupt in dieser Spielzeit. "Am Ende sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben: Ulm hat in einer kritischen Phase bessere Entscheidungen getroffen", machte Giants-Coach Achim Kuczmann den Schlüssel zum Ulmer Erfolg aus.

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