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Die haben doch ein Rad ab!
Was für die meisten Menschen eine Beleidigung wäre trifft auf Frank Schneider, Andreas Hemmeter und Stephan Hofmann zu: Sie haben ein Rad ab! Denn sie biken auf Einrädern! Und das nicht einfach irgendwo: sie haben sich Deutschlands höchsten Berg ausgesucht, die Zugspitze!
Die haben doch ein Rad ab!
Was für die meisten Menschen eine Beleidigung wäre trifft auf Frank „Schneidi“ Schneider (29), Andreas „Dresi“ Hemmeter (24) und Stephan „Hofi“ Hofmann (29) tatsächlich zu: Sie haben ein Rad ab! Denn sie biken nicht auf einem Zweirad, sondern auf Einrädern! Und das nicht einfach irgendwo! Nein, sie haben sich Deutschlands höchsten Berg ausgesucht, die 2.964 Meter hohe Zugspitze!
Nach wochenlanger Vorbereitung hat die Befahrung der Zugspitze mit dem Einrad endlich geklappt!
Diesmal möchte ich Euch einen kleinen „Einblick hinter die Kulissen“ geben:
Vor einigen Monaten rief mich Frank Schneider, einer der besten Downhill-Mountainbiker Deutschlands, an und erzählte mir von einer neuen, tollen Idee: „Ich fahre jetzt Einrad, lass uns da mal was draus machen!“ „Aha. Downhill?“ „Ja, kein Problem, ich kann sogar schon etwas mit dem Ding springen!“
Ok, klingt etwas konfus, aber wer weiß, die meisten guten Geschichten entwickeln sich ja aus einer etwas verrückten Idee.
In den folgenden Wochen telefonierten wir immer wieder und Frank informierte mich über seinen Trainingsstand. Und es kam uns eine Idee: Der höchste Berg Deutschlands ist die Zugspitze. 2.964 Meter hoch. Jeder andere Berg ist höchstens der Zweithöchste. Also, ist das möglich? Eine Abfahrt per Einrad von der Zugspitze?
Frohen Mutes klickten wir uns durchs Internet auf der Suche nach Infos, aussagekräftigen Fotos und Karten. Also: es gibt einen Wanderweg über das Zugspitzplatt und das Reintal nach Garmisch-Partenkirchen. Aber wie vom Gipfel auf das Platt kommen? Ja, es gibt da einen Klettersteig. Ja, KLETTERSTEIG! Zum Glück war ich erst vergangenen Sommer auf der Zugspitze und hatte da ein paar Fotos gemacht, die ich Frank gleich mailte. „Puh, ganz schön heftig!“ war seine Reaktion. „Aber irgendwie geht das schon.“
Der Grundstein für diese irrwitzige Aktion war also gelegt. Aber wann sollten wir das starten? Der Wetterbericht ließ uns mehrere Wochen immer wieder Termine verschieben und fast wären die Mitstreiter Andreas Hemmeter und Stephan Hofmann, die Frank mittlerweile dafür gewonnen hatte, abgesprungen. Morgen: Nebel. Übermorgen: Nebel. Danach: Regen. Super!
Der nächste Rückschlag kam gleich von der bayerischen Zugspitzbahn: Sie fänden die Idee zwar klasse, aber man nehme grundsätzlich keine Fahrräder mit auf die Zugspitze. Die ganze Aktion stand plötzlich auf sehr wackeligen Beinen! Denn eigentlich wollte ich Frank, Andreas und Stephan per Mountainbike zum Filmen begleiten. Es folgten viele Telefonate mit Beratungen, ob und wie wir die ganze Aktion nun überhaupt dokumentieren könnten.
Wir entschlossen uns, an der Zugspitze festzuhalten und die Einräder per Gondel auf den Berg zu „schmuggeln“.
Gesagt, getan: Die Räder waren demontiert und in mehrere, große Taschen verpackt. Das Wetter war auch als relativ beständig angekündigt, und so trafen wir uns am Morgen des 26. August um halb acht in Greinau an der Gondelstation der Zugspitzbahn: die drei Biker, ein Helfer, ein Fotograf und ich. Wir kauften uns die Tickets und stiegen mit unseren riesigen Taschen in die Gondel. Oben angekommen beschlich vor allem Stephan Hofmann ein etwas mulmiges Gefühl. Denn ständig hörten wir es unter der Plattform rumpeln, wenn kleinere Steinlawinen ins Tal stürzten. Aber wir wollten ja auf der anderen, nicht so steilen Seite, runterfahren.
In einer ruhigen Ecke der Aussichtsplattform bauten Frank, Andreas und Stephan ihre Einräder zusammen. Für ein Interview und Fotos trugen wir die Einräder zunächst über eine Stahl-Leiter hinauf zum Gipfelkreuz. Einen atemberaubenden Höhepunkt setzte Andreas Hemmeter vorab schon mit einem ca. einen Meter tiefen Sprung vom Gipfelkreuz-Felsen, denn keine zwei Meter daneben fällt der Fels senkrecht ab.
Gegen 9:30 Uhr fuhren die drei Einrad-Biker unter den ungläubigen Blicken der inzwischen zahlreich eingetroffenen Touristen über die Aussichtsplattform zum Münchner Haus, dem Startpunkt der Tour.
Bereits die ersten 300 Höhenmeter Klettersteig von der Aussichtsplattform zum Zugspitzplatt waren so extrem, dass Stephan Hofmann zurücksteckte und sein Einrad hier runter trug. Frank und Andreas wagten das schier Unmögliche und fuhren den weniger als 1 Meter schmalen in steilen Fels geschlagenen Pfad auf ihren Einrädern hinunter! Hier war Nervenstärke gefragt, denn fast überall geht es unmittelbar neben dem Pfad bis zu mehrere hundert Meter nahezu senkrecht runter.
Die Fahrt über das Zugspitzplatt war verhältnismäßig einfach. Als schwierig gestaltete sich wiederum die Abfahrt über die Knorrhütte zur Reintalangerhütte. Denn hier galt es einige sehr steile Geröllhalden zu bewältigen. Nach rund 5 Stunden reiner Fahrzeit kamen die drei Einradfahrer spätabends nach der Durchfahrung des kanadisch anmutenden Reintals in der Partnachklamm an. Die Strapazen der rund 2.000 Höhenmeter und 20 km Fahrstrecke waren Frank, Andreas und Stephan deutlich anzumerken.
Ich begleitete die drei Biker ungefähr bis zur Mitte des Zugspitzplatts, um dann wieder zurück zur Gondel aufzusteigen und die dort zurückgelassenen leeren Taschen abzuholen und ins Tal zu transportieren. Außerdem war der Zielpunkt am Ende des Reintals viele Kilometer weit von unserem Startpunkt entfernt. Deshalb fuhr ich mit dem Auto ans Ende des Reintals, um Frank, Andreas und Stephan von dort aus mit dem Mountainbike (auf 2 Rädern!) entgegenzufahren. Kurz vor der Dämmerung traf ich die Drei dann auch auf ihren Einrädern radelnd an. Abgesehen von den Film- und Fotoshootings saßen die Jungs für die 20 km Fahrstrecke und 2000 Höhenmeter rund 5 Stunden im Sattel, was ihnen bei der Ankunft auch deutlich anzumerken war.
Die Geschichte kam in den TV-Redaktionen sehr gut an und wurde bei RTL, Vox und n-tv gesendet. Einen der TV-Beiträge (RTL Nachtjournal) habe ich bei meinen Videos eingestellt, ein weiterer Beitrag wird am Do, 04.09.2008 im ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ (09:05-10:30; ca. 2-3-minütiger Beitrag wahrscheinlich am Ende der Sendung) ausgestrahlt.
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