Stefan |
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3504 Aufrufe | 7 Kommentare | 18.08.2008 |
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Mein Bericht zur Halbzeit der Olympischen Spiele mit meinen Eindrücken vom Land, meinen bisherigen Highlights der Spiele und die Party-Situation in der Hauptstadt!
Das Land
Vor den Olympischen Spielen und vor meiner Reise nach Peking war ich sehr skeptisch. Viele Sachen sind über die Chinesen berichtet worden, viele davon wurden kritisch beleuchtet. Ich selber habe eine andere Welt erlebt, als ich auf ein Mal kein Visum zur Einreise bekommen habe. Das hat mich schon sehr stutzig gemacht. Ich habe mit Gott und der Welt telefonieren müssen, um dann doch (mit Kompromissen) Einreisen zu dürfen. Da habe ich das erste Mal realisiert, dass ich nicht nur zu den Olympischen Spielen fliege, sondern eben auch nach China.
Angekommen in China am Flughafen bin ich überwältigt. Das größte und modernste Terminal erwartet mich und viel wichtiger: unglaublich freundliche und hilfsbereite Chinesen. Ganz Peking steht im Zeichen der Olympischen Spiele. Peking ist extrem sauber, man findet kaum ein Staubkorn auf der Straße, das war in Athen ganz anders! Nur der Smog bereitet ein komisches Gefühl. Wenn dann die Sonne scheint, wirkt das total unwirklich, als wäre man in einer Nebelmaschine… Aber zum Glück gibt es auch Tage ohne Smog.
Taxifahren ist günstiger als die Bahn. Taxifahren ist reine Nervensache. Regeln sind hier eher Empfehlungen. Man wechselt erst die Spur und schaut danach, ob frei war. Auch nicht jeder Taxifahrer kennt den richtigen Weg. Außerdem ist eine Kommunikation auf Englisch ausgeschlossen, ohne eine Karte oder einen Zettel (meist von der Rezeption des Hotels) kommt man nirgends wohin. Mittlerweile habe ich einen Zettel auf dem alle Orte auf Chinesisch draufstehen zu denen ich muss. Ach ja das war ja noch was: der Preis! Taxifahren kostet nichts. Taxifahren ist billiger als bei uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Eine Stunde Taxifahrt kostet ca. 10 Euro. Da macht das Taxifahren dann doch wieder Spaß.
Ein Schlüsselerlebnis hatte ich in einem Elektronik Markt. Ich wartete auf Jens auf einer Sitzecke. Die Verkäuferin versuchte auf Biegen und Brechen ein Gespräch mit mir zu führen, obwohl sie kaum ein Wort Englisch sprach. Ich versuchte ihr zu erklären, wo ich herkomme, aber mit „Germany“ und „Europe“ kam ich nicht weit. Sie stellte mir die alles entscheidende Frage „Do you like Beijing?“ Ich antwortete nicht nur aus Höflichkeit mit ja. Darauf hin war die Verkäuferin so was von happy und stolz, das hatte zuvor ich nicht erlebt. Sie gestikulierte ein Victory-Zeichen und sprang förmlich hin und her. Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Deutschen aus den Latschen haut, wenn ein Ausländer sagt er mag Deutschland. Eins steht fest, die Chinesen sind wahnsinnig stolz auf Peking und China. Das ist etwas, was zur Abwechslung wir uns von den Chinesen abschauen können.
Natürlich ist auch klar, dass ich hier als „Tourist“ bin und nur das mitbekomme, was ich auch mitbekommen soll. Beispielsweise ist hier jede Baustelle von Zäunen mit Olympia-Postern umstellt, um ein besseres Bild abzugeben. Jeder Fleck braune Erde ist mit grünen Netzen bedeckt. Man kann keine 50 Meter gehen, ohne einem Volunteer zu. China verkauft sich erstklassig. China macht einen sehr guten Eindruck, wenn man sich an den richtigen Stellen aufhält und nichts macht, was man nicht tun sollte. Die Rechnung der Chinesen scheint aufzugehen!
Meine bisherigen Highlights der Spiele
Natürlich stehen die Wettkämpfe im Mittelpunkt unserer Berichterstattung, meine Highlights sind natürlich in meiner Disziplin des Kanu-Slaloms zu finden, aber auch unsere Gold-Britta und der 100m-Fabel-Weltrekord haben emotionalisiert!
Medaille weg – alles gut.
Der Dienstag war ein ganz besonderer Tag. Vier Jahre lang war ich nun amtierender Olympia-Dritter und jetzt wird die Ablösung kommen. Im Taxi zur Kanustrecke kommen die Erinnerungen an die Olympischen Spiele 2004 mit all den schönen Erinnerungen an das Rennen, die Siegerehrung und die Partys danach.
Jetzt ist es soweit. Das Finale beginnt und ich habe das Gefühl selber am Start zu stehen und wieder um eine Medaille kämpfen zu können. Ich bin nervöser als ich es vor 4 Jahren war. Ich erlebe ein spannendes Rennen und ein paar Überraschungen, weil der amtierende Olympiasieger Tony Estanguet aus Frankreich das Finale erreicht. Sein Konkurrent und amtierender Silbermedaillengewinner Michael Martikan aus der Slowakei gewinnt überlegen Gold. „Meinen Platz“ nimmt Robin Bell aus Australien ein. 2004 musste er sich noch mit Platz vier zufrieden geben, doch jetzt hat er die langersehnte Medaille endlich gewinnen können. Hätte ich es mir aussuchen können, wer meine Medaille gewinnen soll, dann wäre die Wahl wohl auch auf Robin, den sympathischen Australier, gefallen. So schlimm war es also gar nicht für mich, im Gegenteil, ich gönne es Robin von Herzen!
Britta gewinnt Gold
Britta ist Jemand der nichts auf die leichte Schulter nimmt. Nach einer tragischen Verletzung noch 2004 bei den Spielen in Athen, konnte sie das Finale nicht bestreiten und musste auf den Traum eine Medaille bei Olympia (noch) verzichten. Diesmal in Peking ist alles anders, aber nicht einfacher. Britta ist Favoritin bei den Frauen und die bekannteste Olympia Starterin der Deutschen. Britta steht im Fokus der Medien und auf ein Mal erwarten alle Gold von Ihr. Für jemand der nichts auf die leichte Schulter nimmt, ist das eine riesen Bürde, die sie mit sich herumträgt. Jeder Sportler weiß, dass es die Sache nicht vereinfacht, wenn man Favorit ist. Favorit zu sein ist richtig harte Arbeit, ständig von der Frage gequält was man an sich von außen heran lässt und was nicht. Für Britta muss das eine Tortur gewesen sein.
Im Interview direkt nach dem Rennen schien Britta komplett überwältigt von den Gefühlen, einfach nur glücklich gewonnen zu haben. Es flossen die Emotionen einfach nur aus ihr heraus, als Zuschauer konnte man nur mitfühlen. Die Last von ihren Schultern war auf Einmal nicht mehr da. Ich glaube, dass die 50 Meter zwei Tage nach der ersten Goldmedaille viel schöner waren, weil Britta nur noch für sich geschwommen ist und den Sieg so richtig genießen konnten. Und da war es auch das sympathische Lächeln nach dem Blick auf die Anzeigetafel. So unbeschwert kann Siegen sein.
100 Meter Sprint Finale – ich kann es nicht glauben.
Wir stehen gemeinsam mit Sportlern und Journalisten vorm TV im Deutschen Haus und warten gespannt auf den Startschuss im 100 Meter Finale der Herren. Gleich ist es soweit, alle warten gespannt darauf, wer der schnellste Mann der Welt ist. Unter vorgehaltener Hand fallen so Sprüche wie „von denen ist keiner Sauber“. In meiner Sportart ist Doping kein Thema, weil kein Geld zu holen ist, deswegen denkt man das irgendwie auch immer von den anderen Sportlern. Aber was dann nach dem Startschuss passiert ist, ist bekannt. Bolt deklassiert die Konkurrenz. Wie ist das aber möglich bei dieser Leistungsdichte im 100 Meter Rennen der Herren? Eigentlich gar nicht.
Party - die Erste
Die Partys nach den Wettkämpfen waren sind legendär, in Sydney waren sie schon super, aber Athen hat alles getoppt! Da wollte ich natürlich wissen, ob Peking mithalten kann... also haben Jens und ich uns ins Partyleben der chinesischen Hauptstadt gewagt...
22:00 Uhr – erste Station
Es geht los in einer Bar mit Dachterrasse – mediterranes Flair, gute Stimmung und die ersten bekannten Gesichter! Na klar, dänische und kanadische Olympioniken sitzen schon an der Theke, die sind immer vorne dabei!
23:00 Uhr – die Schwimmer zeigen wie man feiert!
Da sind sie auch schon, die Schwimmer! Unter der internationalen Mischung auch unser Star Paul Biedermann. Er hat ja auch jeden Grund zu feiern – deutschen Rekord geschwommen und letzte Woche Geburtstag gehabt, da wird die Nacht zum Tag gemacht!
1:00 Uhr – Auf in die Disco!
Die Party-Traube zieht nimmermüde weiter in den nächsten Club, und hier warten schon alte Bekannte! Nicolas Kiefer, Rainer Schüttler sowie Angelina Grün, unser Volleyball-Star genießen die heißen Beats – chinesische Tänzerinnen heizen die Stimmung richtig an!
3:00 Uhr – Hollywood ist auch dabei
Hollywood-Star Chris Tucker (Rush Hour) und Michael Jackson-Produzent Quincy Jones sind mit von der Partie – sie feiern in der VIP-Lounge – direkt neben Britta Heidemann, unserer Goldmedaillengewinnerin im Fechten!
6:00 Uhr – Zeit zu gehen…
Es ist soweit, nach einem regelrechten Party-Marathon mach ich mich auf den Weg zurück ins Hotel… und eines weiß ich jetzt schon, diese Partynacht konnte mithalten und wird mit Sicherheit nicht die letzte gewesen sein!
Soweit meine ersten Eindrücke, ich bin gespannt was mich noch erwartet…
Euer Stefan
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