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© Foto: wikipedia.de/Armin Kuebelbeck
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Ines Seidler war selbst in den höchsten Spielklassen aktiv, erst in der damaligen DDR-Oberliga, später in der 1. Bundesliga. Jetzt ist sie die einzige Frau, die in der Regionalliga Nord ein Männerteam trainiert. Wir haben mit der 46-Jährigen Übungsleiterin gesprochen.
zweitewelle.de: Ines, in nahezu jedem Bericht über Euch ist zu lesen, dass der Aufsteiger aus Naumburg-Stößen von einer Frau trainiert wird. Inwiefern nervt Dich diese Besonderheit - insbesondere im vermeintlichen Zeitalter der Emanzipation?
Überhaupt nicht. Es ist sicher auch im Zeitalter der Emanzipation etwas außergewöhnliches, dass eine Frau ein Männerteam trainiert, aber am Ende entscheidet die Leistung und die Umsetzung der gemeinsamen Ziele.
Beschreibe bitte die HSV-Handballer für alle Regionalliga-Interessierten, die Euch noch nicht kennen: Welches Abwehrsystem bevorzugt Ihr und wie lautet Deine Handball-Philosophie?
Bemerkenswert ist, dass der Kern unserer Mannschaft schon seit der Bezirksklasse - die niedrigste Spielklasse in Sachsen-Anhalt - zusammenspielt und sich bis in die Regionalliga entwickelt hat. Ergänzt haben wir das Team ganz gezielt mit einer Reihe junger Spieler. Dies zeigt, was mit Engagement und sportlichen Ergeiz möglich ist. Wir versuchen mehrere Abwehrsysteme zu spielen. Dabei wollen wir ständig hinzu lernen und uns stetig verbessern. Spieler sollen sich möglichst vielseitig entwickeln, auf mehreren Positionen variabel einsetzbar sein und über eine gute technische und taktisch sowie athletische Ausbildung verfügen und Spaß am Handball haben. Egal ob junger oder erfahrener Spieler – den Satz: „Kann ich nicht, geht nicht“, gibt es bei mir nicht! Jeder Spieler kann sich entwickeln, wenn er es will.
Zum aktuellen Geschehen: Am Wochenende gab es den ersten Punktgewinn. Seid Ihr jetzt in der Regionalliga angekommen und was hast Du aus den ersten Spielen in der dritten Liga gelernt?
Jeder der uns in den letzten Wochen beobachtet hat, konnte sehen, dass wir uns stetig weiter entwickelt haben. Ich würde nicht sagen, dass wir schon 100%ig in der Regionalliga angekommen sind, aber wir arbeiten jedes Wochenende daran.
Tobias Seyfarth hat in der letzten Spielzeit über 300 Tore geworfen und gehört dazu noch der begehrten "Spezies Linkshänder an", auch in der Regionalliga wirft er jetzt seine Tore. Wie konntet Ihr ihn und wie lange werdet Ihr ihn noch halten können?
Er stammt aus der Region und hat hier das Handball spielen erlernt. Ich denke, dass er auch genau weiß, dass er einen Teil seiner Stärke auch der Mannschaft, dem Umfeld und unseren Fans verdankt. Kurz gesagt, wir sind glücklich, solch einen „verrückten Handballer“ in unseren Reihen zu haben.
Abschließend eine private Frage: Ihr seid das, was man eine Handballfamilie nennt. Du hast selbst hochklassig gespielt, Dein Mann in dem Sport ebenfalls verbunden und auch Dein Sohn Sven durfte schon Zweitligaluft schnuppern. Wird es in zwei Monaten beim Weihnachtsfest noch andere Themen als "das kleine runde Leder" geben?
350 Tage im Jahr gehören dem Handball mit all seinen Facetten, aber die Tage zu Weihnachten und Silvester gehören ausschließlich der Familie und unseren Freunden. Wer in dieser Zeit das Wort Handball erwähnt, muss einen „Strafzins“ in die Familienstrafkasse einzahlen.
Vielen Dank und alles Gute für den weiteren Saisonverlauf!
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