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(Fußball)
Zum Artikel: „EM- Titel wir kommen“ von Tanja.
Kommentare haben ja hier scheinbar Hochkonjunktur, also geb’ ich jetzt auch mal meinen Senf dazu.
Eigentlich bin ich ein vorurteilsfreier Mensch, aber Tanja scheint mit ihrem Artikel das Klischee bedienen zu wollen, dass Frauen und Fußball zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Denn unsere Nationalmannschaft wird dieses Jahr auf keinen Fall Europameister. Dafür stimmen so kurz vor dem Turnier zu viele Dinge einfach nicht.
Bundestrainer Joachim Löw mag ein brillanter Taktiker sein. Bei wichtigen Entscheidungen fehlt ihm jedoch das richtige Händchen. Mit seinem Leitsatz: „Never change a winning team“, wird er diesen Monat nämlich voll vor die Wand fahren. Und damit sind nicht mal die viel diskutierten Streichkandidaten Neuville und Odonkor gemeint. Die Probleme beginnen bei ganz anderen Personalien.
Gut, Christoph Metzelder hat trotz wenig Spielpraxis vor zwei Jahren eine tolle WM gespielt. Das darf aber kein Freifahrtschein für den Wahl-Madrilenen sein. In den beiden Vorbereitungsspielen in der letzten Woche war von guter Form nichts zu erkennen. Aber auch gar nichts. Und mit einer halben Innerverteidigung lässt sich VIELLEICHT die Gruppenphase überstehen. Dass Per Mertesacker zudem nicht die beste Saison gespielt hat, ist sicher auch nicht gerade eine Hilfe.
Das Mittelfeld unserer Jungs mag nicht schlecht sein, aber Nationen wie Frankreich, Italien, Portugal oder die Niederlande sind sowohl in diesem als auch in anderen Bereichen bedeutend stärker aufgestellt. Und Michael Ballack zum besten Spieler der Welt zu überhöhen ist schlichtweg ein Witz. Es gibt allein bei der EM zahlreiche Spieler (z.B. Andrea Pirlo, Cristiano Ronaldo, Deco, Cesc Fabregas…), denen unser Kapitän nicht einmal näherungsweise das Wasser reichen kann. Es sind ja mit Maniche oder Raul sogar Leute zu Hause gelassen worden, die stärker sind als Ballack.
Und vielleicht ist Deutschland auch noch nie aufgrund eines schwachen Torwarts bei einem Turnier ausgeschieden. Ein Finale haben sie deswegen aber schon mal verloren. (Danke, Olli!) Außerdem ist die deutsche Nationalmannschaft noch nie mit einem Ersatztorwart in einen internationalen Spitzenwettkampf gegangen.
Fest steht ganz einfach, dass viel zu wenige der deutschen Nationalspieler in der letzten Saison wirklich konstant überzeugt haben. Torsten Frings war mehr als die Hälfte verletzt, seine Mannschaftskollegen Tim Borowski und Clemens Fritz sind ebenfalls lange ausgefallen, Bastian Schweinsteiger kommt seit der WM nicht mehr in Form und David Odonkor, Lukas Podolski oder Piotr Trochowski haben einen Großteil auf der Ersatzbank verbracht. Und Miroslav Klose, dem Tanja eine „unfassbar gute“ letzte Spielzeit bescheinigt, kann seit zwei Jahren auch nur noch in der Hinrunde das Tor treffen.
Andere Nationen haben mit derlei Probleme nicht, oder zumindest bedeutend weniger zu kämpfen. Klar, auch ich möchte gern die 2006er Euphorie wieder erleben. Aber dafür sollte man sich heuer lieber eine andere Nation aussuchen. Vorzugsweise Portugal, Italien oder Spanien würde ich vorschlagen.
Bild vom DFB
Stichwörter:
Fußball