|
|
|
Foto: keine Quelle wurde angegeben
|
|
Dass Sportpolitiker und Sportfunktionäre zwar die gleiche Sache vertreten, aber nicht immer die gleiche Sichtweise haben, zeigte Dr. Peter Danckert im Augsburger Presseclub beim Gespräch anlässlich der bevorstehenden Olympischen Spiele. Der Berliner SPD-Politiker, Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, ist bekannt dafür, dass er gegenüber Sportverbänden und ihrem Tun kein Blatt vor den Mund nimmt. Das war auch bei seinen Antworten auf die Fragen von Moderator Franz Neuhäuser (Sportchef der Augsburger Allgemeinen) und der Besucher der Fall. Mit auf dem Podium war der Augsburger Canadierfahrer Stefan Pfannmöller, Olympiadritter von 2004 im Kanuslalom und Mitbegründer des Onlineportal www.netzathleten.de.
Wenn am 8. August die Olympischen Spiele in Peking beginnen, wird Peter Danckert nicht bei der Eröffnungszeremonie dabei sein. Doch mit einem „Boykott“ habe das nichts zu tun: „Es hat ausschließlich finanzielle Gründe.“ Die Eröffnungszeremonie liegt vor Beginn des offiziellen Besuchs des Sportausschusses in Peking und so müsste er das aus eigener Tasche bezahlen. Abgesehen davon halte er eh nichts von einem Boykott der Eröffnungszeremonie: „Die Chinesen füllen dann halt die Lücken mit ihren eigenen Leuten und am Bildschirm merkt keiner was davon.“ Danckert wird vom 10. bis 25. August in China sein – eine Reise, die bereits lange vor den Tibet-Unruhen und den damit verbundenen Boykott-Aufrufen geplant war. Doch wenn die Situation vor wenigen Monaten weiter hoch gekocht wäre, wäre auch eine Absage durchaus möglich gewesen. Daher ist Peter Danckert heute noch sauer, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit seinem Präsident Thomas Bach bereits zu Beginn der Diskussion vorgeprescht ist und einen deutschen Boykott ausgeschlossen hat. Die Entsendekosten der deutschen Qlympia-Delegation trage schließlich die Bundesrepublik und „darüber haben wir Parlamentarier zu entscheiden und nicht der DOSB“. Es könne nicht angehen, dass der Sport einen Freibrief für China ausstelle und zahlen müssen andere.
Dennoch: Peter Danckert ist kein Freund eines Boykotts in irgendeiner Form und daher froh, dass die Lage nun kurz vor Beginn der Spiele deutlich entspannt ist. Ausgerechnet die Erdbebenkatastrophe in China hat dazu beigetragen: Die internationale Solidarität und auch die ehrliche Anteilnahme der chinesischen Regierung am Unglück ihrer Bevölkerung hat ein ganz anderes Umgehen miteinander bewirkt. Mit seinen Sportausschuss-Kollegen will Danckert nun die Kontakte mit chinesischen Parlamentariern ausbauen, sich auch mit Nichtregierungsorganisationen treffen und beim Thema Menschenrechte vor allem das Feld der Todesstrafe beackern - „es macht mich wirklich betroffen, dass so etwas heute noch in irgendeinem Land der Welt vollzogen wird“. Er ist optimistisch, langfristig etwas bewegen zu können, denn China sei ein offeneres Land als sich viele vorstellen würden.
Danckert kann allerdings nicht verstehen, dass bei der Vergabe von Olympischen Spielen keine härtere Gangart eingeschlagen wird. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse mehr moralische Verantwortung zeigen als bisher – bei den umgesetzten Milliardensummen wäre auch ein entsprechendes Machtpotenzial vorhanden. Bestimmte moralische und umweltpolitische Maßstäbe hätten sicherlich gesetzt werden können: „Warum sind die Menschenrechte vor der Vergabe der Spiele nach Peking nicht vertraglich verankert worden“ Es wurde nur geredet aber nicht verabredet. Danckert zeigt sich in der Sache kompromisslos und fordert zwingende Ausschlusskriterien. Todesstrafe, illegale Häftlingslager, völkerrechtlich nicht anerkannter Krieg - „dann finden halt auch in den USA keine Spiele mehr statt.“.
Peter Danckert wird in Peking ein gelb-grünes Armbändchen mit der Aufschrift „Sports for Human Rights“ (Sport für Menschenrechte) tragen, das Kanute Stefan Pfannmöller über sein Internetportal www.netzathleten.de (Motto: Von Sportlern für Sportler) vertreibt. Der Erlös der Aktion (Ein Euro je Band) soll an amnesty international gehen soll. Pfannmöller und Kollegen wollen damit ein Zeichen setzen, dass sich auch Sportler mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen. Die laut Pfannmöller einzigartige Solidaritätserklärung hat Erfolg: 90.000 Stück sind bereits verkauft. Er hofft, dass sich auch in Sportlerkreisen eine zunehmende Sensibilisierung für politische und gesellschaftliche Themen durchsetzt. Leicht wird´s ihnen aber nicht gemacht: Das Bändchen wird in Peking vom IOC als politische Demonstration eingestuft - das Tragen im Olympischen Dorf und an den Wettkampfstätten ist untersagt. Peter Danckert juckt das nicht – er wartet gelassen darauf, ob sich wirklich jemand die Blöße geben wird und es ihm abnehmen will…
Ein scharfes, effektives Schwert wünscht sich der gelernte Strafverteidiger dagegen, wenn er an die Doping-Problematik denkt. Über die Kontrollen müsse er beinahe lachen: „Nur die Dümmsten der Dummen werden erwischt“. Die US-Sprinterin Marilyn Jones wurde 168 Mal mit negativen Ergebnis kontrolliert, hatte aber schließlich doch jahrelanges Doping gestanden. Trotz aller Absichtserklärungen der Sportorganisationen – wenn es ans Eingemachte geht, zögen die Funktionäre nicht mit. Nicht für die derzeit praktizierte Ächtung und Bestrafung durch die Verbände, sondern für eine Amnestie von geständigen Dopingsündern spricht er sich aus – die Mauer des Schweigens müsse gebrochen werden, um langfristig Einblicke in das System zu erhalten. Danckert fordert aber auch eine andere Gesetzeslage und ein anderes Kontrollsystem. Es gäbe bereits wissenschaftliche Methoden, anhand von Blutprofilen festzustellen, ob mit großer Wahrscheinlichkeit manipuliert worden ist: „Bei jedem Vaterschaftstest reichen 99 Prozent Wahrscheinlichkeit, warum soll das bei Dopingtests nicht auch ausreichen, um jemand vor Gericht zu bringen?“ In Frankreich können erwischte Dopingsünder sofort vor den Ermittlungsrichter geführt werden, „da kriegen die aber weiche Knie und machen ihre Aussagen“. Dopingsünder begehen Betrug, unterstreicht er seine harte Gangart. Betrug an ihrem Sport, an ihren Konkurrenten, an ihren Sponsoren, an ihren Fans: „Wir reden hier klipp und klar über kriminelle Machenschaften.“
Politik hin, Politik her: Danckert, selbst ehemaliger Hockey-Erstligaspieler, erlaubt sich auch persönliche Sichtweisen. Selbst wenn er im Aufsichtsrat von Hertha BSC Berlin sitzt, die geplante erweiterte Vermarktung der Profispiele durch die Deutsche Fußball-Liga lehnt er ab – unabhängig von der kartellrechtlichen Frage. Es sei der falsche Weg, sechs Millionen Menschen den Fußball in der ARD-Sportschau wegzunehmen, nur damit ein paar Männeken statt sieben 15 Millionen Euro verdienen würden.
Da passt es ins Bild, dass der Sozialdemokrat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Kompliment macht: Sie engagiere sich sehr für den Sport. Und bei der EM habe er auch den Eindruck gewonnen, dass sie etwas verstehe vom Fußball – „mehr als beispielsweise meine Frau!“.
Christian Doser
Stichwörter: