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Champions League

04.04.2008
Kegeln: Champions League
Foto: keine Quelle wurde angegeben
 

(Kegeln) Traum vom Champions League-Sieg zerplatzte wie eine Seifenblase – Rot-Weiß Zerbst nur Dritter

Der Traum vom erstmaligen Gewinn der Champions League platzte für Rot-Weiß Zerbst bereits im Halbfinale wie eine Seifenblase. Gegen den gastgebenden Zalaegerszeger TK, der den Pott dann gegen KK Zadar souverän gewann, waren die Kegler um Mannschaftskapitän Timo Hoffmann chancenlos. Mit dem tollen Erfolg im Spiel um Platz drei gegen Podbrezova (SVK) leisteten die Rot-Weißen allerdings Wiedergutmachung. Bereits nach der Auslosung der Halbfinals am Freitagabend war klar, dass der SKV mit den Ungarn das wohl schwerste Los erwischt hatte. Trotzdem war der Optimismus bei Hoffmann & Co. groß. Schließlich hatte man gegen Zalaegerszeg noch nie verloren und den CL-Gastgeber im Halbfinale des Weltpokals im Oktober letzten Jahres aus dem Wettbewerb geworfen. Mannschaftskapitän Hoffmann schwörte seine Spieler vor der Partie auf einen heißen Kampf vor den heißblütigen ungarischen Fans ein: „Wir wollen unseren Traum, unser großes Ziel erreichen. Konzentriert euch auf eure Fähigkeiten“. Das gelang nur zum Teil. Marcus Gerdau (582) verlor nach starkem Beginn seine Linie und gab bei 2:2 Satzpunkten (SP) gegen Sandor Farkas (615) den Mannschaftspunkt (MP) noch ab. Ivan Cech (593) steigerte sich zwar von Bahn zu Bahn und bezwang seinen Gegner Tamas Kiss (572) mit 3:1, er versäumte es aber, genügend Kegel zum Mannschaftsergebnis beizutragen. Gänzlich von der Rolle war Torsten Reiser (547), der gegen Claudiu Boanta (606) bei 0:4 SP keine Chance hatte. So schien das Spiel bei 2:1 MP und 71 Kegeln minus schon fast gelaufen.
Allerdings stemmte sich der zweite Zerbster Durchgang vehement gegen die Niederlage. Bereits nach einer Bahn hatten die Rot-Weißen den Rückstand nach Kegeln fast komplett aufgeholt. Hoffnung keimte auf. Allerdings brach der so furios gestartete Jürgen Zeitler auf seiner zweiten Bahn ein. Er wurde gegen Sven Tränkler ausgetauscht. Die gemeinsam erspielten 574 Kegel reichten aber gegen Dumitru Bese (577) bei 1:3 SP nicht für den MP. Oliver Scholler (605) musste sich trotz guten Spiels Attila Nemes (614) ebenfalls mit 1:3 SP geschlagen geben. Einzig Boris Benedik (627) konnte voll überzeugen und holte MP Nummer zwei gegen Laszlo Feher (599). Damit musste sich der SKV dem besseren Team mit 3528:3584 Kegeln und 2:6 MP geschlagen geben.
Im zweiten Halbfinale schlug Titelverteidiger Zadar (CRO) das Ex-Team des Zerbsters Ivan Cech, ZP Podbrezova, nach Halbzeitrückstand noch mit 5:3 MP. Dabei rissen der ehemalige Zerbster Damir Fuckar und Primoz Pintaric das Ruder noch für die Kroaten um.
Die Enttäuschung über den verpassten Finaleinzug musste nun erst einmal verdaut werden. Mannschaftskapitän Hoffmann leistete Motivationsarbeit vom Feinsten. Denn nach der Mannschaftsumstellung auf zwei Positionen, Tränkler spielte für Reiser und Radek Hejhal für Cech, gingen die Rot-Weißen am nächaten Tag mit neuem Selbstvertrauen auf die Bahnen.
Allerdings starteten die Slowaken wie die Feuerwehr. Sie nahmen den Zerbstern Satz um Satz ab. Allerdings blieb dieses
Mal der Rückstand beim Mannschaftskegelergebnis in erträglichen Grenzen. Hejhal (600) und Zeitler (588) verloren zwar gegen Milan Tomka (610, 1:3) und Jaroslav Truska (597, 2:2) ihre MP. Gerdau (600) kämpfte bis zum letzten Wurf gegen Tomas Pasiak (600). Um seinen MP zu sichern, hätte Gerdau im letzten Wurf eine acht benötigt. Es fielen nur sieben Kegel, der MP wurde geteilt.
Das Zerbster Mittelpaar ging so mit einem 0,5:2,5-Rückstand und 19 Kegeln minus auf die Bahnen. Hier hatten Tränkler
und der eingewechselte Reiser (545) gegen Jovan Calic (583) bei 0:4 SP keine Chance. Doch jetzt starteten Scholler (648, Bahnrekord) und Benedik ihre Aufholjagd. Scholler ließ Radoslav Foltin (585) bei 3:1 SP keine Chance. Er überzeugte mit konstantem Spiel auf höchstem Niveau.
Benedik (637) musste gegen den starken Jozef Pesta (602) zwei SP abgeben. Nach Kegeln lagen die Rot-Weißen vor der
Schlussbahn klar vorn. Benedik musste unbedingt seinen SP und damit den MP gewinnen. Fünf Wurf vor Schluss schaltete der Zerbster Slowene den „Turbo“ ein mit wahnsinnigen 79 Abräumern brachte er die schon verzweifelten Zerbster Fans zu unbändigem Jubel. Mit zwei Neunern kurz vor Schluss sicherte er tatsächlich noch die schon verloren geglaubte Bronzemedaille. Was dann kam, war nur noch ausgelassene Freude. Von Spielern, Offiziellen und Fans fiel ein immenser Druck
ab und entlud sich in Freudengesängen, Jubel und Tanz. Das Minimalziel war doch noch erreicht worden. Die Zerbster Spieler lagen sich jubelnd in den Armen. Den Fans kullerte so manche Freudenträne herunter. Selbst der am Morgen wegen seines Nichteinsatzes noch etwas traurige Ivan Cech jubelte: „Ich bin so glücklich. Die Jungs haben so sehr gekämpft, auch für mich“.
Entsprechend groß war der Jubel über die Bronzemedaille auch bei der abendlichen Siegerehrung. Hier feierten die einheimischen
Fans natürlich zu allererst das eigene Team, das am Nachmittag den Titelverteidiger aus Zadar entthront hatte. Ein
überragender Claudiu Boanta (683, Bahnrekord) „erschoss“ Zadar fast im Aleingang. Nach einer 3:0-Halbzeitführung bei 199 Kegeln Vorsprung war das Finale der CL schnell entschieden. Damir Fuckar (632, 3:1) und Primoz Pintaric (650, 4:0) konnten bei der 2:6-Niederlage bei 3490:3663 Kegeln nur noch Ergebniskosmetik betreiben. So siegte mit dem Gastgeber nicht ganz unerwartet die Mannschaft mit den besten Bahnkenntnissen. Die Unterstützung der zahllosen Fans in der viel zu kleinen und völlig überfüllten Kegelhalle von Zalaegerszeg trug ihr Übriges zum ungarischen Erfolg bei.
Der Zerbster Mannschaftskapitän Timo Hoffmann zog abschließend doch noch ein positives Fazit: „Heute haben wir gezeigt, dass wir mithalten können. Schon im Viertelfinale gegen Szeged waren wir auf Augenhöhe. Marcus Gerdau hat gekämpft wie ein Löwe. Radek Hejhal und Jürgen Zeitler haben gut gespielt. Toll, wie stark und vor allen konstant Oliver Scholler aufgetreten ist, einfach klasse. Und zum Schluss haben wir wieder gesehen, wozu ein Boris Benedik in der Lage ist. Auf den Punkt fit und so ‚abgebrüht‘ selbst unter größtem Druck. Ich sehe Bronze doch noch als Erfolg“.

Quelle: DKBC Online Journal Nr.31, online im Internet unter:
http://www.dkbc.de/fileadmin/Dateien/Presse/KegelJournal/classic_journal_online31.2008.pdf



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