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Die Kolumne von Eric Frenzel

Zurück bei der Familie

  • Redaktion
Nach rund sechs Stunden Fahrt nehme ich die letzten Meter hoch zu der Anhöhe, auf der unser Haus steht. Philipp und Leopold hatten mein Auto schon von weitem gesehen und mit allen Armen kräftig gewunken. Hupend fahre ich auf den Hof und begrüße meine Jungs, drinnen stelle ich das Handgepäck ab und begrüße Emma und Laura. Ja, ich bin wieder zu Hause, nach unglaublichen zehn Tagen in Seefeld, die eine durchwachsene Saison zu einer herausragenden werden ließen.
Die Weltmeistertitel sechs und sieben, also zwei Goldmedaillen, und eine Silbermedaille bringe ich wieder mit von der Weltmeisterschaft an dem Ort, an dem ich so oft wie an keinem anderen gewonnen habe. Wieder mal war ich im Seefeld-Fieber, im Glücksfieber. Während sich Emma gleich mal um das Ausräumen des Handgepäcks kümmert und sich zielsicher eine der Goldmedaillen um den Hals hängt und die andere mit großen Augen bestaunt, sitze ich mit meiner Frau in der Küche und wir schauen uns stumm vor Glück an. Was für eine Saison, in der ich mich mit den Ergebnissen auf der Schanze gequält hatte. Was für ein Hadern und Grübeln, was für eine hektische Vorbereitung auf diese Weltmeisterschaft… Und dann gelingt mir der beste Sprung der Saison im Einzelwettkampf von der großen Schanze und bringt mich in die Pool-Position, die ich dann auch nutzen konnte. Die Erleichterung und die Befreiung und dieses umfassende Glücksgefühl haben mich dann gleich zum zweiten Gold getragen.

Diese Erfolge haben mich für alle Niederlagen in der Saison entschädigt und mündeten im Superlativ, erfolgreichster WM-Teilnehmer aller Zeiten in unserer Sportart zu sein. Der Mannschaftswettkampf, also die Staffel, brachte zur Abrundung dann noch die Silbermedaille, eine durchaus hart umkämpfte, nachdem Johannes Rydzek nicht gerade seine besten Karrieretag hatte und schauen musste, überhaupt ins Ziel zu kommen. Dass dann noch Silber herausgeholt wurde, zeigt eindrucksvoll unsere Teammentalität im deutschen Lager. Silber war letztlich wie eine Goldmedaille im Hinblick auf das Einstehen des einen Mannschaftsmitglieds für das andere.
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Ich sitze rundum glücklich mit Laura beim Kaffee und schaue auf unsere Kinder. Mittlerweile hat Emma sich alle Medaillen umgehängt und macht damit genau wie ich einen sehr zufriedenen Eindruck. In aller Ruhe kramt sie jetzt die anderen Sachen hervor, die in der Tasche sind. Recht hat sie, die Taschen müssen geleert werden. Ich bin endlich wieder zu Hause. Die Dinge sind so gekommen, wie ich sie mir vorher hätte nicht träumen lassen.

Herzlichst,
Euer Eric

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