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Die Kolumne von Eric Frenzel

Countdown zur WM

  • Redaktion
„Leopold, wieso packst Du denn immer wieder meine Handschuhe aus, die gehören doch in die Tasche.“, ermahne ich meinen Sohn, während Emma gerade vor dem Koffer sitzt und reklamiert, dass sie nichts sehen kann, weil mein Springhelm doch etwas zu groß für sie ist.
Es ist die typische Szene vor der Abreise von zuhause zu einem sportlichen Großereignis, an dem ich teilnehme. Die Weltmeisterschaften von Seefeld stehen an und ich teile die letzten Stunden vor der Abreise mit meiner Familie: Das „Frenzelsche Einpack-Ritual“.

Gegen Mittag werde ich mit meinem Mannschaftskameraden Terence nach Seefeld starten und heute Abend im Mannschaftsquartier einchecken. Was für Boris Becker Wimbledon ist, ist für mich Seefeld, mein Wohnzimmer sozusagen. Mit den Loipen und Schanzen dort bin ich immer sehr gut zurechtgekommen und ich denke gerne daran, dass ich vier Mal das Triple hier gewinnen konnte und daraufhin unser Hotel eine Suite nach mir benannt hat. Auf diese Weltmeisterschaft habe ich mich trotz durchwachsener Saison bestmöglich vorbereitet, das Springen ist wie schon in der letzten Saison die Achillesferse meines sportlichen Tuns; dass die deutsche Mannschaft insgesamt eine latente Sprungschwäche aufweist, ist da natürlich kein Trost.

Ich habe in Vorbereitung auf Seefeld eine Reihe von Sondermaßnahmen ergriffen. So war ich mit meinem Heimtrainer Frank Erlbeck mitten in der Saison zu einem Einzeltraining in Planica, für Frank und mich ein Novum, außerhalb des Heimstandorts mitten in der Saison zusammen unterwegs zu sein. In Potsdam habe ich mich wie vor den Olympischen Spielen in Pyeongchang umfangreichen Checks bei Dr. Dieter Lazik unterzogen, was Sehnen, Gelenke und Muskeln betrifft. Schließlich habe ich die letzten Tage für Lauftraining genutzt und habe auf langen Spaziergängen mit meiner Frau Laura den Kopf frei bekommen, für diese wichtigen Tage in Seefeld.

Das Ergebnis ist: die Sprünge sind besser geworden, ich befinde mich in der Laufform meines Lebens und ich bin hoch motiviert, den Norwegern, Österreichern und der Konkurrenz aus dem eigenen Lager nicht ohne weiteres mein Wohnzimmer zu überlassen. Die Party soll nicht ohne den „Hausherrn“ gefeiert werden. Dass die Schlacht der Saison auf einem vertrauten Terrain erfolgt ist für mich ein psychologischer Vorteil, aus dem ich wirklich Kraft ziehen kann, auch wenn wir zum Springen auf die große Schanze in das benachbarte Innsbruck ziehen werden.

Seefeld, das sind über Jahre hinweg schöne Triumphe für mich, hier war ich immer stark, so soll es auch diesmal sein.

Herzlichst, Euer
Eric Frenzel

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