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Die Kolumne von Eric Frenzel

Rückzug nach Seefeld

  • Eric Frenzel
„Gleich kommt die Nordische Kombination im Fernsehen“ ruft mir der Portier des Seefelder Hotels „Zum Gourmet“ zu. „Ja, richtig.“, denke ich „In Otepää jetzt gehen die Kollegen jetzt in die Loipe“ – ich dagegen habe mein Tagwerk soeben schon erledigt.
Tausende Kilometer vom Weltcup entfernt bin ich während des Weltcups der einzige Teilnehmer eines ganz speziellen Lehrgangs – und dies in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Seefeld. Unmittelbar nach Weihnachten waren wir schon mal hier, mit dem ganzen Team, um an der Sprungperformance zu arbeiten. Das hat mir gut getan. Da ich aber im Hinblick auf die WM bestmöglich vorbereitet sein möchte, entstand in mir der Gedanke, dass ich in Seefeld bleibe, um weiter an mir zu arbeiten. Während die Mannschaftskameraden packten und sich wieder in die Weltcupmühle begaben, plante ich entspannt auf dem Hotelbett liegend meine nächsten Tage. Einerseits wollte ich im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt, aber auch auf den weiteren Verlauf des Weltcups nochmals Extraeinheiten von den Schanzen fliegen, auf denen im Februar die Grundlage für die Titel gelegt wird. Ein ungewohntes Gefühl, den Teammitgliedern bei deren Abreise hinterherzuwinken, aber eine richtige Entscheidung.

Das Springen ist mehr denn je der entscheidende Faktor, wenn es um die vorderen Plätze geht. Fällt man aus den Top Five beim Springen raus, wird es heutzutage sehr schwer, sich eine vordere Platzierung in der Endabrechnung zu erarbeiten. Wann sollte es also einen besseren Zeitpunkt für ein kleines, privates Trainingslager als jetzt während des Otepää-Weltcups geben. Danach stehen Weltcuporte mit jeweils drei Wettkämpfen hintereinander an, Predazzo und Cheux Neuve, da passen keine zusätzlichen Trainings hinein. Und welcher Ort sollte besser sein, als der, an dem wir in wenigen Wochen um Edelmetall bei der WM kämpfen.

Ein Analytiker aus dem Technikteam wurde abgestellt, um bei mir in Seefeld zu bleiben und die notwendigen Monitorauswertungen während des Absprungs und der Flugphase vorzunehmen. Hinter mir liegt nun eine Woche phantastischen Arbeitens und ich habe einen weiteren Schritt bei der Optimierung der Sprünge gemacht. Ich kann sagen, dass ich mittlerweile hinter jeder Phase des Sprungs mit maximalen Gefühl stehe und dass ist eine gute Voraussetzung für das, was vor mir liegt.

Sollte das Im Wettkampf umgesetzt werden, was mir im Training zuletzt mühelos in Folge gelang, dann werde ich in den nächsten sechs Wettkämpfen wohl mehr als die Punkte im Gesamtweltcup gutmachen, die ich jetzt durch mein Fehlen in Otepää verloren habe. Das ist der Plan.

Herzlichst, Euer
Eric Frenzel

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