Fluggefühle - Eric Frenzels Kolumne getty images; Wieder ein Dreifachererfolg für die deutschen Kombinierer - und Eric Frenzel hat das Gelbe Trikot zurück

Fluggefühle - Eric Frenzels Kolumne

  • Eric Frenzel
Seit dem Weltcup in Lathi am vergangenen Wochenende ist Eric Frenzel wieder Gesamtweltcupführender in der Nordischen Kombination. Neben dem gelben Trikot hat einen Sieg und einen zweiten Platz im Gepäck. Ein entscheidender Faktor auf dem Weg dahin: Sein Fluggefühl.
Ich sitze angeschnallt im Flugzeug. Die Triebwerke heulen auf, der Schub zum Starten presst mich leicht in den Sitz und ich schließe die Augen. Zeit, um das finnische Weltcupwochenende in Lahti Revue passieren zu lassen. Ein Sieg und ein zweiter Platz haben mir das Gelbe Trikot des Gesamtweltcupführenden beschert. Die wichtigste damit zusammenhängende Erkenntnis ist jedoch, dass sich die Trainingslager in Italien, die das Springen im Fokus hatten, bezahlt gemacht haben. Intensiv haben wir an der Anfahrtshocke gearbeitet und am Absprung selbst. Was sich beim Intensivtraining abzeichnete, dass ich durch unentwegte Analyse eine Optimierung des Sprungs herbeiführen konnte, konnte ich in Finnland im Wettkampf vollumfänglich bestätigen.

Meine weiten Sprünge sind wieder da! Am zweiten Wettkampftag konnte ich 130 Meter springen und hatte das Gefühl, der Flug hört nicht mehr auf.

Ich bin froh darüber, dass in der entscheidenden Phase der Weltcupsaison und vor der Weltmeisterschaft als Saisonhöhepunkt meine alte Stärke auf der Schanze wieder da ist. Zu Saisonbeginn konnt ich sie doch noch nicht optimal abrufen. Weite Sprünge als Grundlage für erfolgreiche und siegreiche Wettkämpfe, dieses Instrument halte ich nun als Trumpf wieder in den Händen. Und das ist in Anbetracht der starken, deutschen Konkurrenz auch nötig.

In der Loipe zählen derzeit jeder Meter und jede Sekunde, wie man vor allem im zweiten Wettkampf des finnischen Weltcups in Lahti sehen konnte. Mit einer Fünfer-Gruppe als Lokomotive habe ich bewusst von Anfang an das Tempo konstant hoch gehalten, um den heranstürmenden Johannes Rydzek auf Distanz zu halten und auch, um die Führungsgruppe mürbe zu laufen. Das gelang gut. Den entscheidenden Angriff zur „Sprengung“ der Gruppe konnte ich auf der selektiven Strecke bei einem langen Anstieg setzen. Bis auf Fabian Riessle, der diese Attacke mühelos mitgestaltete, waren die Mitstreiter abgeschüttelt. Jetzt entwickelte sich ein Zweikampf, wie er härter nicht sein konnte. Immer noch hielt ich aus Respekt vor Johannes das Tempo sehr hoch, was zugegebener Maßen viel Kraft kostete, aber den Sinn und Zweck erfüllte. Mein Gefühl sagte mir, dass ich innerlich für die Reststrecke die Kraft sammeln sollte, als Fabian beim Anstieg hart attackierte. In wenigen Sekunden war mir klar, dass ich diesmal meinen Mannschaftskameraden nicht halten konnte.
Anzeige


Was mir blieb, war den zweiten Platz zu sichern und dadurch das „Gelbe Trikot“ weiter zu tragen.

Es ist wohl die spannendste Weltcupsaison meiner Karriere. Gut, dass das Fluggefühl wieder zurück ist.

Ich öffne die Augen kurz vor dem Bodenkontakt in München. Der Pilot setzt einen sauberen Telemark. Auf zur nächsten Etappe!

Herzlichst,
Eric

Copyright © 2017 netzathleten