Hart, lang, extrem – Das West Highland Way Race Adam Zahoran

Hart, lang, extrem – Das West Highland Way Race

„Was das Rennen emotional bedeutet, habe ich erst nach ein paar Tagen begriffen“, berichtet Adam Zahoran. Der Ultraläufer war am 18. Juni beim West Highland Way Race am Start. Schottlands härtestem und bekanntestem Ultramarathon.
154 Kilometer mit 4500 Höhenmetern hatten die Läufer zwischen Glasgow und Fort William zu bewältigen. Schon 2009 hatte Adam Zahoran sich das Ziel gefasst, beim West Highland Way Race zu starten. Einen Ermüdungsbruch im Oberschenkelhals, eine langwierige Rehazeit, einen kontinuierlichen Formaufbau und sieben Jahre später war es nun soweit. „Es war ein lange gehegter Traum von mir, in Schottland zu starten“, berichtet Zahoran, der in diesem Jahr bereits den 6-Stundenlauf in Nürnberg für sich entscheiden konnte, deutscher Meistertitel inklusive.

Die 15 Stunden, 32 Minuten und 19 Sekunden, die der Läufer der LG Bamberg nun in Schottland unterwegs war, waren körperlich und mental eine enorme Herausforderung. „Es war sowohl für den Kopf als auch die Beine extrem anstrengend. Das Besondere dieses Mal war, dass ich die Gedanken nicht ausschalten konnte. Ich bin ja eigentlich Straßenläufer und hier in Schottland war das Terrain so unterschiedlich, dass ich mich immer wieder neu konzentrieren und hellwach bleiben musste. Ich konnte nie komplett abschalten, wie das auf der Straße funktioniert“, beschreibt der Ultraläufer seine Erfahrungen.

Austeigen? Aufgeben?

Das West Highland Way Race hat einen extrem hohen Schwierigkeitsgrad und trotz strenger Qualifikationsregeln für die Starterlaubnis sind nur 40 Prozent der 350 Starter ins Ziel gekommen. Der Rest ist ausgestiegen. Und auch Adam Zahoran hat zwischendrin ans Aufhören gedacht. „Mir kam immer wieder mal der Gedanke, dass es nicht weitergeht. Das erste Mal bei Kilometer 50, bei einer sehr anstrengenden und anspruchsvollen Passage mit sehr großen Steinen. Und dann hatte ich nochmal ein, zwei solche Phasen. Das letzte Mal bei Kilometer 130“, sagt er. Aber er hat sich weiter motiviert. „Ich hatte drei tolle Betreuer dabei, die wollte ich auf keinen Fall enttäuschen. Ich hatte sehr viel Zeit und Geld investiert, das sollte auch nicht umsonst gewesen sein. Es war wie bei einer Wahl. Ich muss abwägen, was besser für mich ist. Und eigentlich war aussteigen dann doch nie eine Option“, berichtet er lachend.

Zweiter im Gesamtklassement

Nach einer zweiwöchigen Pause nach den Deutschen Meisterschaften im 6-Stunden-Lauf Anfang April hat Adam Zahoran mit seiner Vorbereitung auf das West Highland Way Race begonnen. Das Training beinhaltete Bergtrainings und insgesamt sieben lange Einheiten (zwischen 40 km und 105 km). Vier Tage vor dem Rennen flog Zahoran mit seinem Betreuerstab Christian Floth (exklusiver Sponsor, Floth Projektentwicklung), Kathrin Hess und Julia Derbfuß vom Klinikum Bamberg nach Schottland. Die bis zum Wettkampf verbleibenden drei bis vier Tage waren überwiegend der Wettkampfvorbereitung und Streckenbesichtigung gewidmet.

Dann kam der Tag des Rennens. Der Start war in Milngavie, einer Vorstadt von Glasgow um 1 Uhr nachts. Die ersten 30 km verliefen im sanft hügeligen Gelände: in diesem Abschnitt befand sich Adam Zahoran auf Platz vier. Ab Balmaha (erster Checkpoint bei 32 km) wurde die Strecke wesentlich steiler und technisch anspruchsvoller (mit Steinen und Geröll). Durch eine kluge Renneinteilung hat der Bamberger sich bei 42 km auf Platz drei und bei 100 km auf Platz zwei vorarbeiten können. Hier betrug der Abstand zum späteren Sieger und Lokalmatador James Stewart noch mehr als 10 Minuten. Beim letzten Checkpoint (131 km, Kinlochleven) ist sein Vorsprung auf 1,5 Minuten geschrumpft. Hier sah es noch so aus, dass Adam Zahoran in den letzten 22 Kilometern die Führung übernehmen und das Rennen gewinnen könnte. Wegen Kreislaufproblemen und muskulärer Beschwerden ist es ihm allerdings nicht ganz gelungen. „Ich hatte am Ende richtig starke Muskelschmerzen, habe mir eine kleine Sehnenscheidenentzündung geholt und hatte große Blasen an den Füßen“, beschreibt Zahoran seine körperlichen Leiden während des Rennens. Inzwischen sei er aber wieder wohlauf. Nur der Kopf spielt noch nicht wieder ganz mit. „Ich bin ein bisschen melancholisch. Ich habe so lange darauf hingearbeitet, habe das Rennen dann auch noch sehr erfolgreich absolviert und dann fällt man einfach in ein kleines Loch. Aber jetzt plane ich schon den nächsten Wettkampf. Es geht immer weiter!“ Und wenn der dann auch wieder so erfolgreich wird, lohnen sich die Strapazen. Adams Zahorans Zeit von 15:32:19 Stunden war übrigens die fünftbeste Zeit der 28-jährigen Geschichte des schottischen Ultra-Laufs. Und das heißt schon was!

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