Wer hat's erfunden? Snowboarden shutterstock.com/Ben Heys

Wer hat's erfunden? Snowboarden

  • Marco Heibel
Ski-Puristen waren „not amused“, als die ersten Snowboarder in den 1980er Jahren die Pisten unsicher machten. Mittlerweile sind die „Schnee-Surfer“ längst etabliert und akzeptiert, ohne ihr cooles und leicht alternatives Image abgelegt zu haben. Doch wie ist das Snowboarden überhaupt entstanden?

Zwar ist die Familienähnlichkeit zwischen Surfbrett und Snowboard nicht zu leugnen, doch der Ur-Typ des Snowboards ist tatsächlich in den Alpen entworfen worden: Bereits im Jahr 1900 erfand der Österreicher Toni Lenhardt nämlich den so genannten „Monogleiter“, ein Brett, auf dem man seitlich stehend den Hang hinunterfurh. Die Weiterentwicklung (oder besser: Neuentwicklung) ließ dann aber knapp 60 Jahre auf sich warten.

1960er Jahre: Der „Snurfer“ ist geboren


Eigentlich müsste man einen „Vaterschaftstest“ machen. Denn gleich mehreren US-Wellenreitern wird die Erfindung des Snowboards im modernen Sinne zugeschrieben. Einigkeit herrscht allein über die Herkunft und den Namen des Ur-Snowboards: Es stammte aus den USA und trug die schöne Bezeichnung „Snurfer“ (Kurzform für „Snow Surfer“). Hierbei handelte es sich – wie beim Monogleiter – zwar ebenfalls nur um ein Brett; der entscheidende Unterschied waren aber die seitlich auf das Brett montierten Laschen für die Füße, die den Stand und die Führung verbesserten.



Den nächsten großen Entwicklungssprung lieferte ein gewisser Jack Burton, der verstellbare Gummiriemen für die Füße sowie eine Anti-Rutschfläche auf das Brett montierte. Seine Firma „Burton“ war auch die erste, die im Jahr 1977 Boards in Serie produzierte. Allerdings hatten diese Bretter den damals stolzen Preis von 88 US-Dollar, weswegen der Boom noch ein paar Jahre auf sich warten ließ. Kommerziell erfolgreich wurden Snowboards erst, als die Bretter aus miteinander verleimten Holzschichten gefertigt werden, wodurch die Produktionskosten sanken und die Boards bereits ab rund 40 US-Dollar verkauft wurden.

Gepriesen seien die Skifahrer...


Kaum waren die Boards für die Masse erschwinglich geworden, mussten die Snurfer auch schon die nächste Hürde nehmen: In den Skigebieten waren Boarder nämlich lange Zeit nicht gern gesehen. Noch 1985 galt auf über 90 Prozent der Pisten in den Vereinigten Staaten ein Fahrverbot für Snowboarder.

Die Entwicklung der Bretter schritt unterdessen unaufhaltsam voran. So schauten sich die Hersteller bei der Skiindustrie einiges ab und integrierten die Technologie in die Boards. Ab den späten 1980er Jahren, als immer mehr Skifahrer, aber auch Surfer und Skateboarder Gefallen an dem Fahren auf einem einzigen Brett gefunden hatten, konnten sich auch die Pisten- und Liftbetreiber dem Trend nicht mehr verschließen – dafür waren die Snowboarder ein viel zu einträglicher Wirtschaftsfaktor geworden. Seitdem sind die Skifahrer zwar immer noch deutlich in der Überzahl, doch als Snowboarder ist man mittlerweile mehr als geduldet.

Das kann man auch daran ablesen, dass die Snowboarder seit 1994 unter dem Dach des Ski-Weltverbandes (FIS) organisiert sind. Den endgültigen „Ritterschlag“ erhielt das Snowboarden dann im Jahr 1998: Seit den Spielen von Nagano ist es olympisch und steht somit formal auf einer Stufe mit dem Fahren auf zwei Latten.

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