Die Laufkolumne: Grand Raid – Lauf der Verrückten Gabriele Maisenbacher

Die Laufkolumne: Grand Raid – Lauf der Verrückten

  • Peter Maisenbacher
Nach den großen Herbstmarathons von Berlin und München nutzte unser laufendes Mikrofon die moderationsfreie Zeit, um sich den berühmt-berüchtigten Grand Raid auf der Insel La Réunion anzusehen. Mitzulaufen traute er sich nicht zu, aber er wanderte die Strecke gegen die Laufrichtung ab.
Île de la Réunion - die Insel vor Südafrika gehört tatsächlich zur EU. "Du wanderst wieder in Frankreich", freute sich meine Mutter und war beruhigt. Gut so. Denn schon auf den ersten Metern meiner Tour wird mir spürbar bewusst: Auf dieser Vulkaninsel geht's entweder steil bergauf oder bergab, aber niemals nie flach voran. Und das auf oft schwindelerregend anspruchsvollen Trails über 160 Kilometer und fast 10.000 Höhenmeter!

Der Grand Raid ist ein Nonstop-Rennen, bei dem die Läufer die Insel einmal vom Süden nach Norden durchqueren. Ein Etappenlauf wäre auch gar nicht organisierbar, da es im unwegsamen Landesinneren der Insel an Unterkünften für die über 4000 Teilnehmer der drei Distanzen fehlt. Zu einsam sind die drei Talkessel, der Cirque de Mafate nur per Hubschrauber erreichbar - oder auf schmalen Trails.

Auf denen kommen mir schließlich, am vierten Tag meiner Wanderung!, die Trailrunner entgegen. Vorne die Weltspitze im Ultra Trail, mit dabei erstaunlich viele Einheimische. Der Franzose an sich und der Reunionese im Speziellen laufen gerne im Gelände. Bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Schließlich ist die Insel eine einzige Anhäufung von schroffen Bergen, entstanden über Jahrmillionen durch Vulkanausbrüche.

Unter dem Fußvolk immer wieder erstaunlich unkonventionell ausgerüstete Locals. Einige rennen doch glatt mit Flipflops oder gleich barfuß. Und das Oberhemd kann Mann auch in der Hand tragen, wenn die Temperaturen in einigen Streckenabschnitten fast 30 Grad erreichen. Aber, frage ich mich besorgt, was hat der auf dem Maido gemacht, 2205 Meter über dem Meeresspiegel bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt?

Schritt für Schritt wird mir klarer, warum die Langstrecke des Grand Raid "Die Diagonale der Verrückten" genannt wird. Dieses halsbrecherische Unternehmen legen sie bei Tag und Nacht zurück, noch dazu ohne Stöcke. Ohne Stöcke? Ich wäre aufgeschmissen! Warum denn das?  Weil zu viele Teilnehmer halluzinieren und dann würden sie vielleicht wild mit den Stöcken um sich schlagen, erklärt mir einer der ganz wenigen deutschen Mitläufer, Frederik Schramm. Der Arzt läuft die Mitteldistanz über immerhin fast 100 Kilometer. Bereits nach 20 von ihnen hat er sich in einer technisch anspruchsvollen Downhill Passage das Sprunggelenk übertreten. Er finisht dennoch. Wie sich später herausstellt, mit einem zweifachen Bänderriss...

Der Sieger erreicht das Ziel in St. Denis nach 24 Stunden, ich beende meine Wanderung nach über einer Woche.

Unser Kolumnist


Peter Maisenbacher ist als Moderator bei unzähligen Laufevents dabei, u.a. bei den großen Marathons in München und Berlin, hautnah dran am Läufergeschehen und auf Du und Du mit den Top-Athleten wie den Breitensportlern. Den Laufkalender dieses Jahres peppt er mit einer regelmäßigen Kolumne und dem dazugehörigen Blick hinter die Kulissen auf. Selbstverständlich immer mit einem kleinen Augenzwinkern!

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