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Sieg oder Niederlage? Körper sprechen Bände

  • Nils Borgstedt
Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Heidelberg haben in einer Studie herausgefunden, dass Zuschauer anhand der Körpersprache, Gestik und Mimik von Sportlern in der Lage sind, den aktuellen Spielstand richtig einzuschätzen.

 Der heutige Sportzuschauer wird in der Regel mit allen wichtigen Informationen versorgt. Egal ob im Stadion, der Sporthalle oder im Fernsehen – wer einen Sportwettkampf verfolgt, kann sehen wie es steht. Als Bauchbinde, als Einblendung oder auf der Anzeigetafel. Doch selbst, wenn man diese Zusatzinformation nicht hätte, könnte man den Spielstand feststellen. Und zwar anhand der Körpersprache der Spieler. Das haben Sportwissenschaftler Dr. Philip Furley vom Institut für Kognitions- und Sportspielforschung der Deutschen Sporthochschule Köln und der Diplompsychologe Dr. Geoffrey Schweizer von der Universität Heidelberg herausgefunden.

Die Wissenschaftler zeigten über 120 Probanden kurze Videosequenzen aus den Sportarten Basketball, Tischtennis und Handball. In den gezeigten Ausschnitten sahen die Probanden Sportler, die weit zurück lagen oder sehr hoch führten, knapp im Rückstand oder knapp in Führung waren sowie Athleten bei ausgeglichenem Spielstand. Über Schieberegler sollten die Probanden die Ergebnissituation des gezeigten Sportlers abschätzen.

Körpersprache lesen lernen

Dabei korrespondierten die Bewertungen der Probanden in erstaunlich hohem Maße mit dem tatsächlichen Spielstand. Sogar die jüngsten Probanden der Testgruppe (Kinder ab vier Jahren) schätzten die Lage zuverlässig ein – und dies lediglich anhand minimaler Informationen. „Unsere Ergebnisse decken sich mit evolutionstheoretischen Überlegungen: Unser genetisches Erbe sorgt dafür, dass wir unsere Mitmenschen anhand ihres nonverbalen Verhaltens ziemlich genau einschätzen können“, erläutert Furley die Testergebnisse. Auch die Kinder hatten in der Studie einzig leichte Schwierigkeiten damit, die Situation des Sportlers bei knappen Spielständen oder Unentschieden einzuordnen. Sie schnitten etwas ‚schlechter‘ ab als die erwachsenen Probanden. „Die Fähigkeit, kleinste Unterschiede im nonverbalen Verhalten der Mitmenschen wahrzunehmen, zum Beispiel Gesichtszüge und Körperhaltungen zu deuten, entwickeln wir erst im Laufe unseres Lebens“, begründet der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Frauen nicht besser als Männer

Nicht belegt werden konnte hingegen die landläufige Annahme, Frauen könnten Körpersprache besser einschätzen als Männer, da sie empathischer sind. Ob es sich bei dem Probanden selbst um einen Sportler handelte oder nicht, spielte für das Studienergebnis ebenfalls keine Rolle.

In Folgeuntersuchungen soll die Erforschung der Körperregionen im Vordergrund stehen, die für nonverbale Kommunikation verantwortlich sind. Dabei soll untersucht werden, ob Gesicht und Mimik oder die Körpersprache die verlässlicheren Quellen sind. „Bislang deutet einiges darauf hin, dass der Körper aussagekräftiger ist als die Mimik. Das liegt daran, dass wir gelernt haben, unser Gesicht zu manipulieren“, sagt Furley. Darüber hinaus wollen die Forscher zeigen, welche Personen besonders gute Einschätzungen geben können und welche nicht.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Nonverbal Behavior veröffentlicht.

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