Vorsicht im Schwimmbad - Schadet Chlor der Haut thinkstockphotos.de

Vorsicht im Schwimmbad - Schadet Chlor der Haut

  • Christian Riedel
Wer wie Schwimmer oder Triathleten oft im Wasser ist, hat schnell eine gereizte Haut. Schuld daran ist in der Regel das Wasser und das Chlor, das hineingegeben wird. Wie Schwimmer ihre Haut schützen können, erklärt Hautarzt Dr. Andreas Degenhardt.

„Beim Schwimmen kommen zwei Dinge zusammen, die der Haut schaden können“, sagt Dr. med Andreas Degenhardt, Dermatologe aus Bremen. „Zum einen reagieren einige Schwimmer empfindlich auf das Chlor, das aus hygienischen Gründen in das Wasser gegeben wird. Zum anderen kann der pH-Wert des Wassers die Haut austrocknen. Wer aber lernt, mit beiden Punkten richtig umzugehen, kann Hautprobleme verhindern.“

Wie schädlich ist Chlor

„Chlor ist meist weniger schädlich, also von vielen angenommen wird“, sagt Dr. Degenhardt. „Allerdings kann die Chemikalie das Austrocknen der Haut durch den pH-Wert des Wassers verstärken. Außerdem kann Chlor in die Haut eindringen und diese dort weiter reizen. Daher sollte man nach dem Training das Chlor so schnell wie möglich abduschen. Besser ist, nicht zu lange und zu heiß zu duschen, da dadurch die Haut zusätzlich austrocknen kann. Auch beim Duschgel sollte man möglichst ein pH-neutrales Produkt verwenden, um die Haut nicht zusätzlich zu belasten. Hat man morgens bereits mit Shampoo und Duschgel geduscht, reicht es eigentlich auch, sich nach dem Training nur mit lauwarmem Wasser abzuduschen.“

Seltene Allergie

Im Gegensatz zu einer weitläufigen Annahme ist eine Allergie gegen Chlor sehr selten. Das sagt auch Hautarzt Dr. Degenhardt: „Ich habe in meiner bisherigen Tätigkeit erst einen derartigen Fall gehabt.“ Trotzdem darf man eine Chlorallergie nicht ausschließen, wenn die Haut nach dem Schwimmen gerötet ist, juckt oder sich sogar Quaddeln gebildet haben. „Bei Verdacht auf Chlorallergie, sollte man lieber einen Hautarzt aufsuchen“, sagt der Experte. Doch auch dann muss man nicht unbedingt allergisch gegen Chlor sein. Viel wahrscheinlicher ist eine Kälteallergie, die ähnliche Symptome hervorruft. Gerade im Wasser ist eine Kälteallergie wahrscheinlicher, da man im Becken schnell auskühlt. Ein entsprechender Test kann dann Klarheit verschaffen.

Neben dem Chlor kann auch das Wasser selber die Haut reizen. Gerade der pH-Wert des Wasser ist für die Haut von vielen Menschen eine Belastung. Der pH-Wert gibt an, ob die Substanz, in diesem Fall also das Wasser, basischen oder sauren Charakter hat oder neutral ist. Neutral ist dabei ein pH-Wert von 7. Liegt der pH-Wert darüber, ist das Milieu basisch, liegt der Wert unter 7, gilt er als sauer. Normales Wasser hat einen neutralen pH-Wert, während unsere Haut einen leicht sauren Wert (ca. 5,5) hat. Und genau darin liegt ein grundlegendes Problem, was unsere Haut reizen kann.

Wasser trocknet aus

Wasser kann unsere Haut austrocknen. Das hört sich zunächst unlogisch an. Doch wenn man das Ganze aus chemischer Sicht betrachtet, ist das leicht nachvollziehbar. „Dass Wasser die Haut austrocknet, liegt an der Diffusionskraft“, erklärt Dr. Degenhardt. „Wegen dieser Kraft tendieren die Moleküle dazu, den pH-Wert auszugleichen. Das führt dazu, dass die Haut immer basischer wird und Feuchtigkeit verliert. Je öfter man ins Wasser geht, desto trockener wird die Haut, sofern man nichts dagegen unternimmt.“

Dr. Degenhardt empfiehlt, nach dem Schwimmen eine Hautcreme zu verwenden, die Urea oder Glycerin enthält. Diese Inhaltsstoffe geben der Haut die Feuchtigkeit zurück, die sie beim Schwimmen verloren hat. Vor dem Training kann man spezielle Hautschutzcremes auftragen, die die Haut vor Austrocknung und chemischen Stoffen schützt. Diese Cremes sind im Sportbereich noch recht neu und wurden bisher eher im Arbeitsschutz verwendet. Doch auch beim Hautschutz setzen sich diese Schutzcremes immer mehr durch. Weniger geeignet vor dem Schwimmen ist eine Creme auf Fettbasis, die Parafine enthält. Denn die Parafine können die Poren verstopfen und sich wie ein Schirm über die Haut legen. Dadurch kann der Schweiß nicht mehr abfließen und die Haut wird zusätzlich gereizt. Nach dem Schwimmen ist dagegen eine Creme auf Fettbasis gut geeignet, um der Haut Feuchtigkeit zurück zu geben und die hauteigene Schutzbarriere zu stärken.

Details

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  • Star Vita: Dr. Degenhardt ist Facharzt für Hautkrankheiten und Spezialist für Allergologie und Phlebologie. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Medizinisch-Dermatologischen Kosmetologie (DDA) und in der Berufsdermatologie (ABD). Dr. Degenhardt ist Mitglied bei zahlreichen medizinischen Verbänden, u.a. dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Dermatologie.
  • Star Erfolge: Tätigkeitsschwerpunkt in der Medizinisch-Dermatologische Kosmetologie (DDA) und Berufsdermatologie (ABD)

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