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Genuss-Studie – das Genießen verlernt

  • Anja Rau
Urlaub, Freizeit, Essen – all das sind Dinge, die viele Personen als Genuss bezeichnen. Doch all das kann auch ein klassischer Reinfall sein. Was ist dann also Genuss? Eine aktuelle Studie mit Befragung und tiefenpsychologischer Untersuchung kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Deutschen haben das Genießen verlernt.

Fast der Hälfte (46 Prozent) aller Deutschen ist laut der repräsentativen Studie die Genussfähigkeit verloren gegangen. Im stressigen Alltag fällt das Genießen deutlich schwer, wovon vor allem junge Leute betroffen sind. Die immer größer werdenden Genussmöglichkeiten können aufgrund von beruflichem und familiärem Stress nicht ausreichend genutzt werden. Ein Teilnehmer der Studie sagte zum Beispiel, „dass man früher mehr genießen konnte, weil man weniger hatte“. Der Überfluss ist also nicht nur positiv, sondern auch ein Genuss-Hemmer. Dass so viele Menschen sich nicht am Gefühl des Genusses erfreuen können, ist auch insofern schade, als 91 Prozent der Befragten aussagten, Genuss würde das Leben erst lebenswert machen.

Für mehr als drei Viertel der Deutschen ist Genuss sogar anstrengend. Er ist mit einer Art Legitimation verbunden – erst wenn man etwas geleistet hat, darf man sich auch etwas genehmigen. Nur ein Prozent ist nicht dieser Ansicht. Doch auch, wenn man in Vorleistung für den Genuss gegangen ist, gibt es keine Garantie für Genuss, denn oftmals ist der Mensch hinterher der Ansicht nicht genug geleistet zu haben.

Sehnsucht nach Loslassen-Können

Gerade jüngeren Menschen (59 Prozent) fällt es sehr schwer, einfach loszulassen, Ältere haben aber ebenfalls große Probleme damit (47 Prozent). Sich bewusst und aktiv gehen zu lassen ist auch eine Form des Genusses, doch auch sie haben viele verlernt. Dessen sind sich die meisten bewusst und sehnen sich direkt nach diesem Gefühl. 80 Prozent wollen solch einen Moment wieder einmal erleben, doch nur 15 Prozent genehmigen ihn sich auch.

Sex war während der Studie nur selten ein Thema, welches die Teilnehmer von sich aus mit Genuss gleichgesetzt haben. Erst auf Nachfrage wurde Sex teilweise als der „schönste aller Genüsse“ bezeichnet, allerdings nur, wenn er mit Loslassen verbunden ist. Das heißt wiederum, dass auch Sex nur selten ein Genuss zu sein scheint. Im Alltag wird man häufig mit Erotik und Sexualität konfrontiert, was zu einer Ästhetik führt, die viele offenbar als das Non-Plus-Ultra ansehen und daher unbedingt nachmachen wollen – Loslassen wird dadurch noch erschwert.

Genuss ist von der Atmosphäre abhängig

Für mehr als die Hälfte der Befragten taucht eine Genuss-Situation häufig überraschend und unerwartet auf. Das folgt der Theorie, dass etwas am schönsten ist, wenn man es nicht erwartet, denn Genuss lässt sich absolut nicht auf Knopfdruck herstellen. Durch seine Dauer ist der Genuss begrenzt und lässt sich nicht beliebig ausdehnen oder auf andere Situationen übertragen. Fast zwei Drittel der Befragten bestätigen, dass Genuss vom Moment abhängig ist. Dieser lässt sich nicht vollständig herbeiführen. Doch wenn er eintritt, werden starke Glücksgefühle ausgestrahlt.

Drei verschiedenen Arten des Genusses

Wer bewusst entspannt, der kann Genussmomente erleben. Dieser Meinung schließen sich 37 Prozent an. Doch dann ist der Genuss fest geplant und der Verlauf bleibt kontrolliert, ein Gefühl des Höhenflugs tritt so nicht ein. Beispiele für diese Form: ein Wellness-Tag oder ein besonderes Essen.

Selten machen Menschen etwas Provokantes oder Verrücktes, was jenseits der sozial anerkannten Norm liegt, obwohl sich zwei Drittel der Befragten nach genau solch einer Situation sehnen. Spontanität, sinnliche Genüsse in der Sexualität oder kleine Heimlichkeiten sind hierfür Beispiele.

Der Hochgenuss ist ein Gefühl, das einen komplett überwältigt, er wirkt sich auch auf die Betrachtung anderer Situationen aus und geht einher mit einer rauschhaften Wirkung. Dieser stellt sich meist überraschend und ungeplant ein. Das vorher benannte und häufig erwünschte Loslassen ist eng mit dem Hochgenuss verknüpft.

 

Informationen zur Studie:

- Diageo-Pernod Ricard-Genuss-Studie - realisiert durch den rheingold salon
- Qualitative Befragung von 30 Frauen und 30 Männern im Alter zwischen 18 und 65 Jahren
- Anschließend repräsentative quantitative Befragung von 503 Frauen und 503 Männer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren

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