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Hypnose im Sport - Humbug oder Wunderwaffe?

  • Redaktion
Beim Wort Hypnose denken viele Menschen immer noch an Esoterik oder Bühnenshows mit Aha-Effekt. Dabei schwören mittlerweile immer mehr Sportler auf diese Methode, um ihre Leistung effektiv zu steigern. Doch was bewirkt Hypnotherapie genau, und lohnt sie sich beispielsweise auch für Breitensportler?

Ambitionierte Sportler kennen das: Sie trainieren bis zum Umfallen, arbeiten wie besessen an ihren Schwächen, und dennoch will sich kein Leistungszuwachs mehr einstellen. Was bleibt einem jetzt noch übrig? Man könnte es ja mal mit Mentaltraining in Form einer Hypnotherapie versuchen...

„Durch Sporthypnose können die Möglichkeiten mentaler Trainingsmethoden deutlich erweitert werden“, sagt der Berliner Hypnotherapeut Karsten Noack. Er ergänzt: „Durch Hypnose können Situationen nachvollzogen oder vorweggenommen werden, Spannungen abgebaut, Energien freigesetzt, Schmerzen von Sportverletzungen gelindert und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.“

Das Klischee von der pendelnden Uhr

Hollywoodfilme und effekthascherische Bühnenshows haben für ein Klischee gesorgt, gegen das Hypnotherapeuten – nicht zu verwechseln mit Hypnotiseuren – bis heute ankämpfen müssen: Da steht einer, der mal kurz mit einer Uhr pendelt oder eine Scheibe dreht, und schon tue ich alles, was er mir sagt.

Dieses Klischee hat mit der Realität nichts zu tun. Es geht nicht darum, den Patienten in Hypnose zu versetzen. Ebenso wenig gibt es auch DIE ultimative Hypnotherapie, sondern viele verschiedene Ansätze, die sich nach den individuellen Bedürfnissen des Sportlers richten. „Was bei einem Klienten die Lösung ist, könnte beim anderen das Problem sein und andersherum“, sagt Noack.


Trancezustand

„Das Besondere an der Hypnotherapie ist die kombinierte Nutzung von Trancezuständen und therapeutischen Maßnahmen. Im Unbewussten jedes Menschen sind unzählige Fähigkeiten und Erfahrungen vorhanden, die durch die Trance zugänglich, erfahrbar und nutzbar gemacht werden können“, sagt Karsten Noack. Ein Trancezustand wird nicht durch beschwörende Formeln erzeugt. Vielmehr ist jeder Mensch selbst dazu in der Lage, sich in Trance zu versetzen. Und jeder kennt diesen Zustand auch – etwa durch Autofahrten, bei denen man sein Ziel erreicht, ohne sich anschließend explizit an die Fahrt erinnern zu können.

Auf die Aufgabe fokussieren

In Trance lassen sich vor allem durch Visualisierungen hoch komplexe Bewegungsabläufe erarbeiten, die im Wettkampf automatisiert sein müssen: „Hier findet der Sportler die Zeit, diesen mentalen Ablauf als Erfahrung zu verarbeiten. Eine Erfahrung, die er in der Bewegung aufgrund von Ablenkungen unterschiedlicher Art nicht verinnerlichen konnte“, sagt Noack. Anders ausgedrückt: Wer etwa beim Tennis erst über die Ausführung des Returns nachdenkt, wenn der Ball schon auf ihn zukommt, hat im Grunde schon verloren. Aber auch konditionelle und taktische Fähigkeiten können verbessert werden, indem etwa Blockaden aufgehoben werden.
Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist das Herstellen des inneren Gleichgewichts durch Verfahren wie etwa das Hypnobalancing™, mit dessen Hilfe der Sportler auch in Stresssituationen negative Einflussgrößen wie z. B. Lärm oder Negativerlebnisse ausblenden soll, um sich ganz auf seine Aufgabe zu fokussieren.


Schnelle Erfolge mit Hypnotherapie möglich

Hypnotherapie soll bereits nach kurzer Zeit Erfolge bringen. Noack: „Viele Athleten kommen kurz vor Ihrem Saisonhöhepunkt zu mir. Ein langer Vorlauf ist eigentlich nicht nötig“. Problematisch kann es allenfalls werden, wenn der Soll- und der Ist-Zustand zu weit auseinander liegen. „Dann glaubt der Sportler nicht an sich, und das Scheitern ist vorprogrammiert“, erklärt Noack.

Auch Zeitdruck kann ein Faktor für einen Nulleffekt sein: „Wenn ein Sportler z. B. extra für eine Sitzung einfliegt und der Rückflug wenige Stunden später schon gebucht ist, setzt er sich unter Umständen so unter Druck, dass er nicht die notwendige Ruhe für eine erfolgreiche Sitzung findet.“

Ist Hypnose auch für Hobbysportler sinnvoll?

„Wenn das Ziel die Erweiterung der persönlichen Möglichkeiten ist, ist Hypnose auch für Amateure eine gute Sache. Wenn Eltern aber Ihre Kinder zu mir bringen, um aus ihnen sportliche 'Kampfmaschinen' zu machen, kann ich nur Hilfe rufen“, sagt Noack. Als Hobbysportler sollte man sich aber fragen, ob es eines solchen 'Mentaldopings' bedarf. Wer sich beispielsweise mental auf ein Meisterschaftsspiel in der Kreisliga vorbereiten will, sollte bedenken, dass eine Sitzung nicht ganz kostenfrei ist...

Link: www.noack-hypnose.de
Marco Heibel

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