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Maßnahmen bei Unterzucker

Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, ist das für Diabetiker ein Notfall. Aber was passiert bei einer Unterzuckerung und zu welchen Maßnahmen kann man in diesem Zustand greifen?

Was bei Unterzucker im Körper passiert

Spricht man bei Diabetikern von Unterzucker, meint man einen Glukosewert von 50 Milligramm pro Deziliter und weniger im Blut. Die typischen Symptome einer Unterzuckerung wie Schwitzen, Herzrasen, Zittern und Heißhunger lassen dann nicht lange auf sich warten. „Unsere Körperzellen sind auf eine kontinuierliche Energieversorgung angewiesen, sonst ist deren Funktionstüchtigkeit eingeschränkt. Der Körper reagiert dann mit Stresssymptomen“, erklärt Diabetologe Dr. Christoph Neumann. Unterzucker sei immer ein Warnsignal des Körpers: „Er zeigt, dass die bestehende Therapie mit Tabletten und beziehungsweise oder Insulin zu stark ist oder falsch gehandhabt wird“, so Neumann.

Unterzucker bei gesunden Menschen und Diabetespatienten

Der Zustand Unterzucker unterscheidet sich bei Menschen mit Diabetes mellitus von einer Unterzuckerung bei gesunden Menschen. Denn: Wer nicht an Diabetes leidet, hat auch keinen Unterzucker – zumindest den gemessenen Werten nach zu urteilen. Die Symptome können aber trotzdem auftreten – bei vielen zum Beispiel nach dem Training, da die Energiespeicher beim Sport schneller aufgebraucht werden. „Bei gesunden Menschen setzt die sogenannte Gegenregulation früh ein und hält den Blutzucker stabil. Ab und zu kommt es zwar bei schlanken, jungen Frauen zu Werten um die 50 Milligramm pro Deziliter, jedoch sind diese Frauen völlig gesund“, sagt Neumann. Bei Diabetespatienten hingegen sei die Gegenregulation zu schwach und setze zu spät ein. Werte um die 50 Milligramm pro Deziliter im Blut seien bei ihnen immer ein Unterzucker und ein Zeichen dafür, dass der Zucker des Patienten nicht richtig eingestellt sei. Mögliche Folgen: „Im Extremfall kann es sein, dass der Patient nicht mehr in der Lage ist, sich zu helfen. Es kann sogar bis zur Bewusstlosigkeit mit Krampfanfall kommen“, warnt Neumann.

Maßnahmen bei Unterzucker

Bei einer Unterzuckerung rät der Diabetologe Betroffenen dazu, zunächst ihren Blutzucker-Spiegel zu messen – vorausgesetzt, der Patient ist dazu noch in der Lage. Wenn es sich tatsächlich um Unterzucker handelt, sollten schnell verfügbare Kohlenhydrate zugeführt werden. Beispiele hierfür: Limonade oder Fruchtsaft. Für unterwegs bietet sich Traubenzucker an, da er ebenfalls schnell ins Blut geht und so den Blutzucker-Spiegel wieder in die Höhe treibt. Generell, so Neumann, sei Unterzucker vorbeugend therapierbar: „Jeder Patient sollte eine Schulung machen und über seine jeweilige Therapie Bescheid wissen. Tabletten, die die Bauchspeicheldrüse anregen, sollten bei fehlender Nahrungszufuhr und oder vermehrter Bewegung weggelassen werden. Ähnliches gilt für das nahrungsbezogene Insulin.“

Zur Person
Dr. med. Christoph Neumann ist Internist und Diabetologe am Diabeteszentrum Neumann + Zschau in München.

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