Der Tiefenrausch – Die Angst beim Tauchen shutterstock.com/Tan Kian Khoon

Der Tiefenrausch – Die Angst beim Tauchen

  • Christian Riedel
Für Gefahren beim Tauchen sorgen weniger die Tiere, sondern vielmehr die Luft. Vor allem der Tiefenrausch kann den Taucher in große Gefahr bringen.

„Beim Tiefenrausch, auch Stickstoffnarkose genannt, handelt es sich um einen Tauchzwischenfall, der sich im ungünstigsten Fall zu einem Tauchunfall entwickeln kann“, erklärt Dr. Markus Klingenberg, Sport- und Tauchmediziner aus Bonn. „Die Symptome treten dabei nur unter Wasser auf – eben in der Tiefe.“ Dadurch unterscheidet sich der Tiefenrausch von der Dekompressionserkrankung, bei der die typischen Anzeichen meist an der Wasseroberfläche oder nach einem Tauchgang bemerkbar machen, nachdem es zu einem Druckabfall gekommen ist.

Wie entsteht der Tiefenrausch?


Verantwortlich für diesen „Unterwasserrausch“ ist der Stickstoff in der eingeatmeten Luft. Unter hohem Druck unter Wasser wirkt er direkt auf die Erregungsweiterleitung im Nervensystem und verlangsamt („narkotisiert“) die Informationsweiterleitung.

Die Symptome des Tiefenrauschs


„Die Symptome beim Tiefenrausch variieren sehr stark und reichen von Panikanfällen, metallischem Geschmack im Mund, verändertem akustischem Empfinden über lethargische Verhaltensweisen bis hin zu euphorischen Zuständen“, erklärt der Taucharzt. Daher hat der Tiefenrausch auch seinen Namen. „Das eingeschränkte Urteilsvermögen und das verminderte logische Denken können in einer an sich lebensfeindlichen Umgebung zu einem folgenreichen Kontrollverlust führen.“ Denn gerade unter Wasser muss man einen kühlen Kopf bewahren, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Wahrscheinlichkeit des Tauchers, einen Tiefenrausch zu erleiden, ist individuell unterschiedlich. Die Taucherfahrung, die Wassertemperatur, die Lichtverhältnisse, Stress und Vorerkrankungen beeinflussen den Zeitpunkt und die Tiefe, in der es zu relevanten Symptomen kommt.

Dreisatz mit dem Druck

Beim Tiefenrausch spielt der anteilmäßige Druck des Stickstoffs in der eingeatmeten Luft die entscheidende Rolle. Diesen bezeichnet man als Partialdruck.

Zur genauen Erklärung: Eine mit Luft gefüllte Pressluftflasche enthält ca. 80 Prozent Stickstoff und 20 Prozent Sauerstoff. Das entspricht an der Wasseroberfläche bei einem Umgebungsdruck von 1 bar einem Stickstoff Partialdruck von 0,8 bar und einem Sauerstoffpartialdruck von 0,2 bar. Pro 10m Tauchtiefe steigt der Druck der Umgebung um 1 bar:

10 m Tiefe - 2 bar
20 m Tiefe - 3 bar
etc.

Ab einem Stickstoff-Partialdruck von 3,2 bar unter Wasser treten meistens die ersten leichten Symptome auf, die den Taucher zunächst oft nur unmerklich beeinflussen. 3,2 bar entsprechen einer Tauchtiefe von 30 Metern und damit 4 bar Umgebungsdruck (4 bar x 0,80 = 3,2 bar).

Rechnen unter Druck

Ab 30 Meter Tiefe zeigt sich bei den meisten Tauchern eine Verlangsamung kognitiver Prozesse. Im Rahmen einer Tiefenausbildung werden oft Rechenaufgaben unter Wasser auf 30 Metern Tiefe und an der Oberfläche gestellt, und es wird die Zeit bis zum Erreichen der Lösung verglichen. Auch ohne das subjektive Gefühl, verlangsamt zu sein, rechnen viele Taucher schon in dieser Tiefe deutlich langsamer.

Was tun bei einem Tiefenrausch?


„Die wichtigste Maßnahme bei einem Tiefenrausch ist es, die Tauchtiefe zu reduzieren und so den Stickstoffpartialdruck zu senken“, sagt Dr. Klingenberg. „Die Symptome nehmen meistens so schnell wieder ab, wie sie begonnen haben. Unter Umständen ist der betroffene Taucher selber nicht mehr dazu in der Lage und ist auf seinen Buddy – seinen Tauchpartner – oder einen Tauchlehrer angewiesen, der ihn sicher und mit einer angemessenen Geschwindigkeit wieder nach oben begleitet.“

Wie kann ich einen Tiefenrausch vermeiden?


„Das Befolgen der Regeln, eine realistische Selbsteinschätzung und ein verantwortungsbewusster Tauchpartner stellen die beste Versicherung gegen einen Tiefenrausch dar“, erklärt der Mediziner. „Ansonsten gibt es kaum eine Möglichkeit, den Tiefenrausch zu vermeiden, da man selber die Symptome kaum wahrnehmen kann.“

Details

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  • Star Vita: Dr. med. Markus Klingenberg arbeitet und als Arzt mit den Schwerpunkten Sport- und Ernährungsmedizin und Personal Trainer in Bonn und in der Sportorthopädie der Klinik-am-Ring in Köln. Mehrmals pro Jahr arbeitet er zudem als Tauchmediziner im indischen Ozean. Seine Schwerpunkte umfassen ein Personal Training, Ernährungs-Coaching, und die Leistungsdiagnostik. Als ehemaliger Leistungssportler kombiniert Dr. med. Markus Klingenberg sein Wissen als Sportmediziner und Personal Trainer, um für seine Kunden nachhaltig erfolgreiche individuelle Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.
  • Star Erfolge: Arzt, Sportmediziner, Notarzt

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