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Sport mit Morbus Crohn – Geht das?

  • Christian Riedel
Ist man mit einer chronischen Darmerkrankung in der Lage, Leistung zu bringen? Internist Mahesh Arenja vom Johanniter-Krankenhaus in Bonn klärt auf, ob man auch mit Morbus Crohn Sport treiben kann.

Nur weil man eine chronische Erkrankung hat, muss man deswegen nicht auf der Couch herum liegen. Allem Anschein gilt das auch für Morbus Crohn Patienten. „Morbus Crohn ist vereinfacht gesagt eine chronische Entzündung bestimmter Teile des Verdauungstraktes“, erklärt Internist Mahesh Arenja vom Johanniter Krankenhaus in Bonn. „Dabei können die geschwürigen Entzündungen von der Speiseröhre bis zum Anus reichen. Die Entzündung tritt am häufigsten im Bereich auf, in dem der Dünn- in den Dickdarm übergeht. Man bezeichnet diesen Bereich auch als 'terminales Ileum' oder 'Ileum terminale'.“

Die chronische Entzündung wurde 1932 nach ihrem Entdecker Burrill B. Crohn benannt. Doch obwohl mittlerweile schon über 80 Jahre vergangen sind, ist immer noch unklar, wie die Erkrankung entsteht. Lange wurde angenommen, dass es sich bei Morbus Crohn um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich der Körper hier sozusagen selber bekämpft. Nach neuen Forschungen scheint diese Annahme überholt zu sein. Nach Angaben von Jan Wehkamp, Gastroenterologe am Robert-Bosch-Krankhenhaus in Stuttgart im Gespräche mit der Welt, ist Morbus Crohn ein Defekt der Darmschleimhaut. Die Auswirkungen bleiben dagegen dieselben. „Die Betroffenen leiden normalerweise ihr gesamtes Leben unter Morbus Crohn“, sagt Arenja. „Ähnlich wie bei der Migräne verläuft auch Morbus Crohn in Schüben und ebenso wie bei der Migräne gibt es bisher keine bekannte Heilmethode.“ Das muss die Betroffenen aber nicht davon abhalten, Sport zu treiben, auch wenn die Schübe ähnlich wie bei der Migräne sehr unangenehm werden können.

Symptome bei Morbus Crohn


„Statt Kopfschmerzen bekommen die Patieten bei Morbus Crohn anfallartige Beschwerden im Magen-Darm Bereich, die deutlich intensiver sind als bei üblichen Magen-Darm-Problemen. Dazu zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust und Stenosen (Darmverengungen). Außerdem kann es zu Fisteln (entzündliche Gangbildungen) kommen, die meistens im Bereich des Afters auftreten. Weiter können die Entzündungen, die bei Morbus Crohn auftreten, auch andere Organe oder Körperteile befallen“, erklärt der Internist. Um die Beschwerden zu lindern, werden in der Regel entsprechende Medikamente eingesetzt, die aber nur die Symptome bekämpfen. Stenosen müssen oft operativ behoben werden und Fisteln operativ entfernt. In ganz schweren Fällen wird sogar ein betroffener Teil des Darms entfernt.

Sport und Morbus Crohn


Noch ist nicht ganz klar, welche Auswirkungen körperliche Belastung auf die Erkrankung hat, da es auch zu wenige entsprechende Studien gibt. Das sollte die Betroffenen aber nicht davon abhalten, die Sportschuhe anzuziehen. „Es gibt Hinweise, die dafür sprechen, dass Bewegung bei Morbus Crohn trotz eines geschwächten Immunsystems helfen kann“, sagt Mahesh Arenja. „So konnte der Morbus Crohn Experte Dr. Martin Meller in einer entsprechenden Studie nachweisen, dass Crohn-Patienten, die leichten Ausdauersport betreiben, weniger Medikamente benötigen als die, die nur auf die Entspannungstherapie setzen. Auch die Begleiterscheinungen wie Ängste oder Depressionen waren bei den Sportlern verbessert. Zudem hatten die sportlichen Patienten ein besseres Körpergefühl. Von diesen positiven Effekten des Sports kann jeder profitieren und nicht nur Morbus Crohn Patienten. Insofern kann man nur jedem ans Herz legen, sich regelmäßig zu bewegen“, sagt der Mediziner.

Grundsätzlich sind körperlich aktive Menschen gesünder als Couch-Kartoffeln. Sie haben weniger Stress, ein besseres Immunsystem und auch entzündliche Prozesse werden besser und effektiver bekämpft. Daher sollten auch Morbus Crohn Patienten von Sport profitieren, auch wenn es noch keine eindeutigen Studienergebnisse gibt. Zudem ist auch noch nichts über negative Auswirkungen von Sport auf die Beschwerden bekannt. Einzig bei akuten Schüben müssen die Betroffenen von Fall zu Fall entscheiden, ob sie sich fit genug für Sport fühlen. Auch Leistungssport ist mit Morbus Crohn theoretisch möglich. „Jeder Betroffene muss seine individuelle Leistungsgrenze kennen“, sagt Arenja. „Das gilt nicht nur für Leistungssportler, sondern auch für Hobbysportler. Daher sollte man vor dem ersten Training einen Facharzt befragen. Gerade nach einer Bauch-OP sind Sportarten nicht geeignet, bei denen die Bauchmuskeln stark gefordert sind. Auch Mannschafts- und Kontaktsportarten sind mit Vorsicht zu genießen, da es bei einem intensiven Aufprall zu einem Narbenbruch kommen kann. Ansonsten gibt es aber eigentlich keine mir bekannten Gründe, warum man mit Morbus Crohn keinen Sport machen könnte, solange man auf seinen Körper hört.“

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