Felix Gottwald: Deutsche Dominanz kommt nicht von ungefähr GES - Sportfoto / Mercedes Benz -- Felix Gottwald mit den Laureus-Botschaftern Thomas Morgenstern und Sebastian Steudtner (v. li.)
Zur Nordischen Ski-WM in Lahti

Felix Gottwald: Deutsche Dominanz kommt nicht von ungefähr

Die Nordische Ski-WM in Lahti steht an. Passend dazu sprachen wir am Rande der Laureus World Sport Awards in Monaco mit dem dreifachen Olympiasieger und Laureus Botschafter Felix Gottwald über die Dominanz der deutschen Nordischen Kombinierer.
Am Mittwoch startet die Nordische Ski-WM in Lahti und die deutschen Nordischen Kombinierer sind die großen Favoriten auf sämtliche Titel dort. Mit Eric Frenzel und Johannes Rydzek dominieren zwei DSV-Athleten die aktuelle Saison nach Belieben – Eric Frenzel gewann sogar in den vergangenen vier Jahren jeweils den Gesamtweltcup. Über diese Dominanz und die Faszination dieses Sports sprachen wir mit dem dreifachen Olympiasieger und Weltmeister Felix Gottwald. Der Österreicher, der sich nach seiner Karriere nun als Laureus-Botschafter für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt, weiß, dass die Erfolge der deutschen Sportler nicht von ungefähr kommen.

Das Interview mit Felix Gottwald

netzathleten: Felix, erzähl uns doch einmal aus Deiner Sicht, was die Nordische Kombination so besonders macht!

Felix Gottwald: Es ist der Balanceakt zwischen zwei so unterschiedlichen Sportarten. Das Skispringen auf der einen Seite, was eine kurze, schnellkräftige und auch technisch anspruchsvolle Bewegung erfordert. Auf der anderen Seite der Ausdauersport Langlauf. Ich glaube, es gibt keinen, der bisher die perfekte Mischung für beide Sportarten gefunden hat, es bleibt ein Balanceakt. Es hilft also plakativ gesagt nicht, je ein Buch über Skispringen und Langlauf zu lesen. Davon ist man noch kein guter Kombinierer.

netzathleten: Ein Balanceakt ist auch das Skispringen an sich. Ein außergewöhnlicher Sport, der Überwindung kostet, oder?

Felix Gottwald: Für einen Außenstehenden ist Skispringen immer etwas Spezielles. Als Springer selbst wächst man da aber hinein, schließlich startet man nicht auf der Großschanze mit dem Springen, sondern steigert die Größe der Schanzen mit zunehmendem Alter. Wichtig ist, dass man immer Respekt hat, vor dem, was man tut. Leichtfertig von der Schanze zu springen, geht nach hinten los. Interessant ist auch, wie sehr der Erfolg beim Springen vom Kopf abhängt. Mal läuft es, mal nicht so – und oft hat man keine richtige Erklärung dafür.

netzathleten: Und beim Langlauf?

Felix Gottwald: Da sieht die Sache anders aus. Hier erarbeitet man sich die Basis für den Erfolg über viele Jahre hinweg. Wer hier partout nicht vorwärts kommt, hat langfristig etwas im Training falsch gemacht.

netzathleten: Die deutsche Mannschaft löst den Balanceakt derzeit am besten. Ist eine derartige Dominanz nicht kontraproduktiv für den Sport an sich?

Felix Gottwald: Nein, mir geht das Herz dabei auf, wenn ich sehe, wie diese vermeintlichen Einzelsportler tatsächlich als Team auftreten und sich gegenseitig unterstützen. Man gönnt sich gegenseitig den Erfolg und pusht sich dadurch auch nach vorne. Und tatsächlich ist es beeindruckend, dass Eric Frenzel sowohl Bestzeit in der Loipe laufen, als auch Springen gewinnen kann. Johannes Rydzek genauso. Wenn man die Deutschen also schlagen will, hilft keine Taktik, nur noch eine Top-Leistung an diesem Tag. Ich hoffe aber insgeheim, dass es sich bei der WM nun ein wenig durchmischt, schon alleine der Spannung wegen.

netzathleten: Was steckt Deiner Ansicht nach hinter diesem Erfolg? Sind die Deutschen schlichtweg zu gut, oder die anderen Nationen zu schlecht?

Felix Gottwald: Zum ersten bringen sie die besten körperlichen Voraussetzungen mit. Zum zweiten treiben sie sich wie gesagt gegenseitig zu immer neuen Höchstleitungen und, zum dritten, steckt viel konsequente Arbeit des Trainerteams um Hermann Weinbuch und meinen damaligen Dauerkonkurrenten Ronnie Ackermann und der Athleten dahinter. Ob die anderen zu schlecht sind, ist schwer zu sagen. Aber vielleicht haben sie Schwerpunkte falsch gesetzt, auf jeden Fall müssen sie sich diesbezüglich hinterfragen.

Hintergrund: Laureus-Botschafter Felix Gottwald

Felix Gottwald ist einer von über 150 prominenten Sportbotschaftern der Laureus Sport for Good-Stiftung. Diese unterstützt weltweit sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche und vermittelt ihnen Werte wie Fairplay, Zielstrebigkeit und Vertrauen mit Hilfe von weltweiten Sportprojekten. In Monaco fanden nun die Laureus World Sport Awards 2017 statt, bei denen die besten Sportler des vergangenen Jahres ausgezeichnet wurden. Am Rande dieser Veranstaltung, bei der auch die viele Laureus-Botschafter zusammenkommen, trafen wir Felix Gottwald zum Gespräch.

Zu seinem Engagement dort sagt Gottwald: „Ich versuche, mich in die verschiedenen österreichischen Laureus-Projekte bestmöglich einzubringen und besuche sie so oft es geht. Die Projekte zeigen mir, welch große Bedeutung der Sport für Kinder haben kann und dass es um viel mehr geht als um höher, schneller, weiter. Das Wichtigste an unserer Arbeit ist, dass man sich Zeit nimmt für die Kinder in den Projekten. Damit gibt man ihnen das Gefühl, dass man sie wertschätzt und das hilft ihnen wiederum, die Herausforderungen des Lebens besser zu meistern."

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