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Hansi Müller: Deutschland ist der Topfavorit

Hansi Müller im netzathleten-Interview zur EM. Der Europameister von 1980 und langjährige Spieler des VFB Stuttgart und Inter Mailands spricht über den neuen Turniermodus, die Überbelastung der Spieler und seine Favoriten auf den EM-Titel.

netzathleten.de: Herr Müller, die EM kommt in diesem Jahr mit einigen Neuerungen daher: Erstmals nehmen 24 Mannschaften an der Endrunde teil und es wird auch ein Achtelfinale gespielt. Was sagen Sie dazu?
Hansi Müller: Als wir 1980 den Titel gegen Belgien geholt haben, haben acht Mannschaften in zwei Vierergruppen gespielt. Jetzt sind es dreimal so viele und das ist mir zu viel. Langsam aber sicher verlieren die Verbände wie FIFA und UEFA aus den Augen, dass die Spieler eine Belastungsgrenze haben. Die Top-Spieler gehen nach eine langen Saison inklusive nationalen und internationalen Pokalwettbewerben in ein solch aufgeblähtes Turnier – das wird zu Lasten der Spieler gehen. Natürlich bringt jedes Spiel mehr auch ein Mehr an Einnahmen. Dennoch muss man mit Nachdruck in Richtung der Funktionäre an die Vernunft appellieren.

netzathleten.de: Auch die vier besten Gruppendritten werden sich nun für das Achtelfinale qualifizieren. Wird das auch zu Lasten der Qualität der Spiele gehen?
Hansi Müller: Das glaube ich nicht unbedingt. Die Länder sind international auf ähnlichem Niveau inzwischen. Die kleinen Nationen haben aufgeholt und Kantersiege wie das 7:1 unserer Mannschaft gegen Brasilien sind heute ja die absolute Ausnahme. Und für die keinen Nationen stellt der neue Modus ja auch eine tolle Chance dar, deshalb werden sie alles in die Waagschale werfen. Aber nochmal, das Turnier findet am Ende der Saison statt und die meisten Spieler haben jetzt schon zu viele Spiele in den Knochen.

netzathleten.de: Das ist Ihnen ein regelrechter Dorn im Auge…
Hansi Müller: Ja, man muss doch in erster Linie an die Spieler denken. Die Probleme gehen nach einem solchem Turnier ja noch weiter. Ich weiß das noch aus eigener Erfahrung. Nach einem kurzen Urlaub nach dem Turnier startet man viel zu früh in die neue Saison. Im September und vielleicht im Oktober fühlt man sich dann meist noch gut. In den kalten Monaten kamen dann aber die Verletzungen und auch ein Formtief kann oftmals die Folge sein.

netzathleten.de: Wer sind denn Ihre Favoriten auf den Titel?
Hansi Müller: Wenn ich sehe, welch erfolgreiche Qualifikation Deutschland nach dem begründeten Hänger kurz nach der WM und ohne drei Leistungsträger wie Lahm, Mertesacker und Klose schlussendlich gespielt hat, dann sind wir als Weltmeister und mit unserem hochkarätig besetztem Kader natürlich der Topfavorit auf den Titel. Mein Wunschfinale wäre gegen Frankreich, die kreativ, stark und dynamisch sind.

netzathleten.de: Wen muss man sonst noch auf der Rechnung haben?
Hansi Müller: Auch wenn Italien beim Länderspiel gegen Deutschland in München nicht allzu gut ausgesehen hat, wenn es drauf ankommt sind sie da. Spanien muss man immer auf der Rechnung haben und auch England hat eine starke Quali gespielt. Auch Polen gehört für mich in den engeren Kreis. Hier kann Lewandowski ein Spiel auch mal alleine entscheiden, aber auch der Rest der Mannschaft hat seine Qualität.

Das Interview entstand während des Sterne Cups der Köche in Ischgl.



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