Heiß auf Olympia in Rio – Anna Hahner im Interview Franziska Tietjen

Heiß auf Olympia in Rio – Anna Hahner im Interview

Anna und Lisa Hahner sind schnell. So schnell, dass sie Deutschlands Marathon-Hoffnung für Olympia 2016 sind. Die Zwillinge aus Fulda gibt es eigentlich nur im Doppelpack – ob im Alltag oder im Training, das wiederum Alltag für die beiden ist. Anna Hahner verrät uns im Interview, wie sich Deutschlands schnellste Schwestern auf Rio vorbereiten.
netzathleten.de: Anna, Du und Deine Schwester Lisa – seid Ihr bei Olympia Konkurrentinnen?
Anna Hahner: Nicht wirklich. Um es generell zu sagen: Jede will zwar immer die Schnellere sein, aber wir sehen unser zu zweit Sein als riesigen Vorteil an – wir pushen uns gegenseitig. Es ist unglaublich motivierend, wenn man auch beim Training jemanden hat, der mit einem läuft. Jede versucht immer, das Beste aus sich herauszuholen und wenn dann die eine schneller war, freut sich die andere mit. Wir sehen uns als Team und nicht als Gegner, eher als Mitstreiter.  

netzathleten.de: Ihr motiviert Euch also gegenseitig. Wie sieht das im Alltag aus?
Anna Hahner: Wenn es draußen zum Beispiel regnet und noch dunkel ist und man einen Termin hat, ist es ein Vorteil, wenn die Zwillingsschwester schon mit gebundenen Laufschuhen im Zimmer steht und fragt: „Wollen wir los?“. Da willigt man natürlich ein, wir müssen schließlich trainieren. So kommt man auch gar nicht erst auf die Idee, das Training aufzuschieben, wenn man der anderen quasi zugesagt hat, laufen zu gehen.

netzathleten.de: Ihr seid demnach unzertrennlich – auch im Training. Wie sieht denn Euer Training im Hinblick auf Olympia aus?
Anna Hahner: Wir trainieren zweimal täglich – die erste Einheit vor dem Frühstück oder vormittags, die zweite Einheit nachmittags. Wir fahren außerdem sehr viel Rad und machen zwei bis drei Mal in der Woche Krafttraining. Mentales Training gehört für uns übrigens auch dazu. Im Moment reisen wir viel, aber das hindert uns natürlich nicht daran, täglich zu trainieren. Laufschuhe kann man überall mit hinnehmen, man ist beim Laufen ja zum Glück nicht ortsgebunden.

netzathleten.de: Unterscheidet sich Euer Training für Olympia vom „normalen“ Training zuvor?
Anna Hahner: Ja, weil der Marathon in Rio anders ist als die Stadtläufe, die wir sonst gewohnt sind. Der Stadtmarathon ist so ausgelegt, dass er möglichst schnell gelaufen wird von den Athleten. Der Marathon in Rio findet im August bei hoher Luftfeuchtigkeit statt. Es ist keine superschnelle Strecke und es gibt ein reines Frauenrennen, das heißt, Taktik spielt eine Rolle. All diese Faktoren muss man in der Vorbereitung auf Olympia beachten und ins Training einbeziehen. Deshalb reisen wir auch in Kürze nach Rio. Dort findet am 26. Juli der Stadtmarathon statt. Dann können wir testen, wie es ist, bei dem Klima zu laufen – die perfekte Vorbereitung, würde ich sagen.

netzathleten.de: Spürst Du in puncto Olympia eine gewisse Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und wie gehst Du mit diesem vermeintlichen Druck um?
Anna Hahner: Ja, die spüre ich, und ich denke, das ist normal. Dieselbe Erwartungshaltung habe ich nämlich auch an mich selbst. Die Medien erwarten die Olympia-Teilnahme und das ist auch mein
Ziel. Von daher sehe ich diese Erwartungshaltung eher als Bestätigung meiner Ziele an. Anna (links) und Lisa Hahner (r.) beim Stadtlauf München ©SportScheck

netzathleten.de: Was ist Dein oder auch Euer Ziel Richtung Olympia?
Anna Hahner: Dort gemeinsam den Marathon zu laufen – nicht im Gleichschritt, sondern, dass wir beide in Rio sind und dort die bestmögliche Leistung zeigen.

netzathleten.de: Wo stehen die deutschen Läufer in Deinen Augen?  
Anna Hahner: Ich spüre, dass es zum Beispiel bei den deutschen Sprintern ziemlich voran geht – es kommen viele junge Athleten nach. Das liegt in meinen Augen auch daran, dass Verena Sailer bei den Sprinterinnen in den letzten Jahren richtig gut gelaufen ist. Das motiviert junge Athleten. Man braucht diese Vorbilder und Idole in der Leichtathletik. Bei den Männern zählt dazu beispielsweise Arne Garbius – diese Vorbilder tun dem Laufsport gut.

netzathleten.de: Abschließend eine generelle Frage: Was macht für Dich einen guten Läufer aus?
Anna Hahner: Ein guter Läufer liebt, was er tut. Er läuft mit Begeisterung, strahlt diese aus und steckt andere mit dieser Begeisterung an. Man muss dem Läufer ansehen, dass er seine Leidenschaft gefunden hat.

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