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Im Land des Lächelns - Eric Frenzels Kolumne

  • Eric Frenzel

Zwei Wettkämpfe, zwei Siege - im Land des Lächelns lief es rund für Eric Frenzel. Seine Kolumne zum Weltcup der nordischen Kombination in Sapparo, Japan.

Es gibt ja wohl eine große Irritation darüber, wo in Asien genau das „Land des Lächelns“ zu verorten ist. Viele meinen, dass damit vorrangig Japan gemeint sei, aber auch Indonesien und Thailand nehmen dieses Attribut gerne für sich in Anspruch und die berühmte Operette von Franz Lehar mit dem Titel „Land des Lächelns“ spielt sogar in China.

Nach dem langen Flug von Frankfurt nach Sapporo über Tokio kommen die ersten Begegnungen mit den japanischen Menschen im Flughafen; es herrscht tatsächlich eine andere Atmosphäre als bei uns zu Hause im öffentlichen Raum. Obwohl mehr Menschen aufeinander geballt zu sein scheinen, laufen die Dinge ruhiger, alle sind sehr freundlich und zuvorkommend und alle mit einem Lächeln.

 

Wir machen uns mit den Fahrzeugen auf die letzte Etappe zum Hotel, wo wir ebenso lächelnd empfangen werden, von den Rezeptionistinnen genauso wie vom Service-Personal im Restaurant.

Man spürt, dass über den Menschen ein Ordnungsprinzip schwebt, in dem die Elemente „Ruhe“ und „Freundlichkeit“ vereint sind – beim Essen gibt es in der Tat erste Überraschungen. Außer Reis gibt es täglich Dinge, die ich noch nie gesehen, geschweige gegessen habe. Aber ich bin mutig und probiere alles, stelle mich langsam auf einen neuen Geschmackshorizont ein, worüber sich die japanische Bedienung regelrecht freut und lächelt…

Ich nehme alles mit großem Bewusstsein auf, nachdem ich 2007 bei meiner ersten Weltmeisterschaft schon einmal hier in Sapporo zu Besuch war; damals war das große Erlebnis für mich die Weltmeisterschaft selbst, heute habe ich als reifer Athlet vor allem Land und Leute im Fokus.

Das Wettkampfgelände ist perfekt vorbereitet und auch hier herrscht rund um das Training und die Wettkämpfe eine gute Organisation, die potentielle Hektik im Keim erstickt.

Vor dem ersten Wettkampf gehe ich an einer Gruppe kleiner japanischer Mädchen vorbei, die mich offensichtlich erkennen und die mich freudig anlächeln. Immer wieder kommt mir der Gedanke, dass dieses Land mit seinen Wintersportorten der ideale Ort für olympischen Spiele sein müsse, es herrscht hier ein olympischer Spirit.

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Ich fühle mich sehr wohl und der erste Wettkampf gelingt gut, die Schanze liegt mir und ich kann für die Loipe gut vorlegen- das Ergebnis: ein Weltcupsieg. Beim zweiten Wettkampf gibt es zwar keine lächelnden Mädchen, die mich beim Eingang zum Wettkampfgelände erwarten, dafür begleiten mich aber den ganzen Tag freundliche Wettkampfrichter, lächelnde Streckeneinweiser und jubelnde Zuschauer – alles beflügelt und ich schaffe den nächsten Sieg.

Mit Fähnchen winkende Japaner am Abfluggate, eine Verneigung der Flughafenhostess zum Abschied, die ich erwidere. Über den Wolken auf dem Rückflug lasse ich diese 72 Stunden in Japan in meinen Gedanken Revue passieren, denke an den nächsten Wettkampf in Predazzo und das baldige WM-Trainingslager in Oberstdorf und schlafe ein, natürlich mit einem Lächeln…

Herzlichst
Eric

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