Golf kann ich nicht - Interview mit Christian Ziege Schillinger|Pankratz

Golf kann ich nicht - Interview mit Christian Ziege

  • Christian Riedel
Früher war Christian Ziege auf der linken Seite in der Nationalmannschaft gesetzt. Nach kurzen Gastspielen als Manager bei Borussia Mönchengladbach und als Trainer bei Arminia Bielefeld ist er heute Trainer der U-19 Nationalmannschaft. Im Interview erzählt er, wie der Job aussieht und auf welche Talente wir uns besonders freuen können.

netzathleten: Viele kennen Dich noch als Europameister von 1996. Aber was macht eigentlich Christian Ziege heute?
Christian Ziege:
Momentan bin ich kurz vor dem ersten Abschlag beim Mercedes After Work Golf Cup.

netzathleten: Und wenn Du nicht beim Golfspielen bist?
Christian Ziege:
Ich bin Trainer der U19-Nationalmannschaft. Und momentan sind wir in der Endphase der Vorbereitung für die letzte Qualifikation für die Europameisterschaft. Das gibt es natürlich eine Menge zu tun.

netzathleten: Was genau bzw. wie sieht hier Dein Job aus?
Christian Ziege:
Ich muss natürlich viel sichten und die richtigen Spieler aussuchen und mit ihnen sprechen. Wir haben noch einen Lehrgang, auf dem wir nachsichten, ob der eine oder andere Spieler nicht doch noch auf den EM-Zug aufspringen kann. Wobei wir für die Elite-Runde leider nur 16 Feldspieler und zwei Torhüter mitnehmen können. Dementsprechend geht es nun darum, auszutauschen und zu gucken, wer letztendlich diese 16 Spieler sind. Ende Mai geht es dann mit der Elite-Runde los und wir hoffen natürlich, dass wir uns dann auch für die Europameisterschaft qualifizieren können.

netzathleten: Du warst Trainer bei Gladbach und Bielefeld. Kann man die Arbeit beim DFB mit der Arbeit im Verein vergleichen?
Christian Ziege:
Man kann es nur insofern vergleichen, dass es um Fußball geht. Ansonsten ist es etwas komplett anderes. Im Verein, egal ob bei Bielefeld oder bei einem anderen Club, hat man die ganze Woche, in der man sich mit den Spielern auf ein Spiel vorbereitet. Außer natürlich, man ist auf absolutem Top-Niveau, wo man dann zwei Spiele pro Woche hat. Aber der größte Unterschied ist, dass man die Jungs die ganze Zeit um sich herum hat und dass man immer auf sie Einfluss nehmen kann und dass ich selber sie immer trainiere. Bei der Nationalmannschaft kriegt man sie am Sonntag vom Verein. Dann haben die meisten gerade erst gespielt. Am Montag kann man dann wenig machen. Am Dienstag hat man dann Training und am Mittwoch ein Spiel. Und dann fahren sie wieder nach hause und man sieht sie erst nach einem Monat wieder.

netzathleten: Muss man als dafür ein bestimmter Trainertyp sein, dass man sagen kann, der eine ist für eine Auswahlmannschaft besser geeignet und der andere für den Verein?
Christian Ziege:
Ich glaube, es liegt immer an der Person selber, wie er sich selber sieht. Im Moment ist Trainer der U-19 mein Job und ich fühle mich sehr wohl. Ich würde gerne auch wieder eine Mannschaft trainieren, die man täglich beeinflussen kann. Denn wenn man sie täglich beeinflussen kann, kann ich viel mehr verbessern. So ist es wesentlich schwieriger. Aber dafür trainiert man auch die besten Fußballer in diesem Alter in Deutschland. Und das ist natürlich auch eine Voraussetzung, die ganz gut ist. Du musst nicht bei jedem beim fußballerischen ABC anfangen. Ich glaube, man braucht keine bestimmten Eigenschaften sondern der Trainer muss sich damit zurecht finden und sagen: das liegt mir mehr oder das andere liegt mir mehr oder beides.

netzathleten: Wie viel Einfluss kannst Du als Nationaltrainer bei der Ausbildung der Spieler nehmen?
Christian Ziege:
In der Ausbildung ist das schwieriger, weil der Faktor Zeit einfach nicht da ist. Aber was das Fußballspielen an sich angeht und was man gerne möchte, kann man schon Einfluss nehmen. Allerdings auch nur bedingt. Denn es ist eben immer nur ein Crashkurs von Montag bis Mittwoch, der dann aus Training, Video, Tafel Gespräche und Erklärungen besteht. Das ist dann in kurzer Zeit dafür sehr intensiv.

netzathleten: In wieweit steht ihr in Verbindung mit den Vereinen, was die Ausbildung angeht? Gibt es hier eine Richtlinie vom DFB?
Christian Ziege:
Man hat immer einen gewissen Austausch. Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger. Das ist wie immer typbedingt und hat auch mit Sympathie zu tun. Dementsprechend kann man bei dem einen Verein mehr Absprachen treffen, bei dem anderen weniger. Aber man tauscht sich mit jedem Verein aus, weil man natürlich auch wissen will, was die Spieler in den Vereinen machen. Da fragt man die Spieler und die Trainer oder fährt selber vorbei und schaut es sich an. Man will schließlich wissen, was sie tun, damit man einen Eindruck bekommt, mit welchen Voraussetzungen die Spieler zum DFB kommen und was man dann selber nutzen kann.

netzathleten: Auf welche Spieler können wir uns denn besonders freuen, die nachrücken und noch nicht so im Fokus stehen?
Christian Ziege:
Das ist schwierig… aber aktuell fällt mir da Matthias Ginter vom SC Freiburg ein, der ja auch schon in der Bundesliga spielt. Ich denke, dass mit Sebastian Kerk noch einer im Verein spielt, der den Sprung sehr gut schaffen kann. Es gibt eine Menge Spieler die herumlaufen, die es schaffen können und uns viel Freude bereiten können, wenn sie die nötige Rückendeckung bekommen. Auch Dominik Kohr von Bayer Leverkusen und Yannick Gerhardt vom 1.FC Köln haben viel Talent. Es gibt eine Menge Spieler die für Furore sorgen könnten, wenn sie die Chance bekommen.

netzathleten: Hast Du bei so vielen Verpflichtungen überhaupt noch Zeit, um Golf zu spielen?
Christian Ziege:
Zeit findet man immer. Man muss eben nicht immer fünf Stunden spielen. Man kann ja auch nur neun Löcher spielen oder geht mal ne Stunde auf die Driving Range. Es kommt eben drauf an, wie sehr man das mag. Aber manchmal geht es eben gar nicht, wenn man beispielsweise über Wochen im Trainingslager eingebunden ist.

netzathleten: Was macht Dir denn beim Golf am meisten Spaß?
Christian Ziege:
Dass ich es nicht kann.

netzathleten: Es ist also die Herausforderung, zu lernen und besser zu werden?
Christian Ziege:
Genau. Jedes Mal wenn ich auf den Golfplatz gehe denke ich mir, heute wird es besser. Aber das ist leider ein Trugschluss. Das Schöne ist, dass es nach der Runde ein gemeinsames Bier gibt.

netzathleten: Wann hast Du denn mit Golfen angefangen, zu Deiner aktiven Zeit oder erst danach?
Christian Ziege:
Wenn wir über richtiges Golfen sprechen noch gar nicht… Aber das erste Mal einen Schläger in der Hand hatte ich so vor zehn Jahren. Aber das hatte nichts mit Golf zu tun.

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