„Der FC Unbekannt hat ein paar Knaller“ - Interview mit Hans Sarpei getty images; Hans Sarpei feiert mit Schalke den DFB-Pokal 2011

„Der FC Unbekannt hat ein paar Knaller“ - Interview mit Hans Sarpei

  • Anja Rau
Hans Sarpei – Fußballer und Kultfigur. Der 35-jährige Ghanaer lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland und spielte mit mehreren Vereinen in der Bundesliga. Wie er erfuhr, dass er Kult ist, wie er die EM sieht und ob er bei der WM 2014 dabei sein wird, hat netzathleten in Erfahrung gebracht.

Es begann alles mit einem Spruch. Sein Kollege Alexander Baumjohann vom FC Schalke 04 twitterte im Juni 2011: „Guten Morgen... gibt es was Neues auf Schalke?“ Sarpei antwortete: „Ja, du sollst nach Wolfsburg.“ Nach und nach überlegten sich immer mehr Fans Sprüche à la Chuck Norris. Dadurch sorgt Sarpei nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben für viel Gesprächsstoff.

netzathleten: Hallo Hans, Du wirst für das ZDF während des Deutschlandspiels twittern. Hast Du dir schon etwas zurechtgelegt?
Hans Sarpei: Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Die Leute sollen ja überrascht sein, was ich twittere. Das kann ich dann ja jetzt noch nicht überlegen. Man muss die Sachen in dem Moment twittern, in dem sie einem einfallen und passieren. Nur so können die Leute auch wissen, dass ich das wirklich bin. Um circa 17 Uhr bekomme ich den Account.

netzathleten: Wer ist Dein Favorit?
Hans Sarpei: Da wir ja hier im Interview sind, muss ich ja Deutschland sagen (lacht). Nein, Deutschland ist der Favorit, die müssen Griechenland schlagen. Jeder erwartet eigentlich einen klaren Sieg. Aber Griechenland ist nicht umsonst im Viertelfinale, egal wie sie spielen. Sie sind sehr defensiv und warten auf ihre Chance. Aber von ihren wenigen Chancen machen sie einen rein und das ist die Gefahr für die Deutschen. Wir müssen abwarten, ob sie den Riegel irgendwie knacken können.

netzathleten: Du bist ja selbst Abwehrspieler. Hast Du Tipps, um so eine dichte Abwehr auszuhebeln?
Hans Sarpei: Tipps… ja von draußen kann man viel erzählen. Von da sieht immer alles einfach aus. Aber mittendrin ist es echt schwierig, wenn eine Mannschaft mit zwei Viererketten spielt. Es ist echt schwer da durchzukommen. Sie stehen sehr tief und damit ist alles ziemlich eng. Da sind so viele Beine der Griechen, da müssen die Deutschen auch das Quäntchen Glück haben. Die Mannschaft und die Fans müssen Geduld haben und immer hellwach sein, damit sie keinen Konter bekommen.

netzathleten: Erwartest Du im Turnierverlauf noch eine Überraschung? Glaubst Du beispielsweise, dass Frankreich gegen Spanien gewinnen kann?
Hans Sarpei: Alle Mannschaften, die im Viertelfinale sind, haben die Berechtigung sich Chancen auszurechnen und weiterzukommen. Frankreich haben viele als Geheimfavorit im Kopf und bisher gibt es bei dieser EM auch keine überragende Mannschaft. Es kommt auf die Tagesform an, generell kann jeder jeden schlagen. Ich glaube, Frankreich und Spanien haben Respekt voreinander.

netzathleten: Wenn man mit der Nationalmannschaft unterwegs ist, ist man immer mit den gleichen Leuten auf engem Raum zusammen. Geht man sich nicht irgendwann auf die Nerven?
Hans Sarpei: Ja, natürlich wird das irgendwann nervig, das ist ja normal. Alles macht man zusammen: Frühstücken, Training, Pause, Mittagessen und so weiter. Und dann ist man vielleicht auch noch mit einem Mitspieler zusammen in einem Zimmer. Aber ich kann nur von Ghana sprechen und wir sind nicht so abgeschottet, wie beispielsweise Deutschland.
Bei uns war und ist das immer ein bisschen anders. Es können Freunde und bekannte Journalisten einfach mal ins Zimmer kommen. Wenn wir Spieler eine eigene Etage haben, dann sitzen die meisten im Flur und hören Musik und haben Spaß. Wir feiern uns immer ein bisschen selbst. Wenn man allein sein möchte, dann kann man sich ins Zimmer zurückziehen. Je mehr Erfolg man hat, desto mehr Spaß hat man auch. Wenn der Erfolg nicht da ist, dann wird es anstrengender. Dann ist es nerviger und man diskutiert über viele Kleinigkeiten, die eigentlich unwichtig sind. Ich denke aber, die deutsche Mannschaft macht das gut, indem den Spielern viele Möglichkeiten wie Tischtennis, Playstation und so weiter geboten werden.

netzathleten: Wir haben ja schon eingangs über Twitter gesprochen. Du hast ja jetzt auch ein Buch mit den besten Sprüchen herausgebracht. Wie ist das zustande gekommen? War das Deine eigene Idee?
Hans Sarpei: Ehrlich gesagt ist der Verlag an mich herangetreten. Wir haben darüber gesprochen, dass es ganz lustig und spannend wäre, die ganzen Sprüche zu sammeln. Man kann so den Fans und Freunden etwas zurückgeben, die mir bei Facebook und Twitter folgen. Bis dahin stand es irgendwo im Netz, jetzt können es alle als Buch zuhause haben.

netzathleten: Wann und wie hast Du eigentlich gemerkt, dass es so viele Sprüche über Dich gibt?
Hans Sarpei: Zuerst habe ich das gar nicht gemerkt. Bis irgendwann bei Facebook und Twitter Leute geschrieben haben: „Du bist Kult.“ Meine Nichte hat mir auch erzählt, dass alle in der Schule darüber reden. Ich wusste erst gar nicht, was ich dazu sagen soll, weil ich gar nicht wusste, worauf sie anspielt. Dann habe ich mal meinen Namen bei Facebook eingegeben und dachte: „Wow, was ist denn hier los?“. Es waren so viele Einträge, ich konnte gar nicht alle anklicken. Ich habe dann viele gelesen, meinen Freunden davon erzählt und wir haben gemeinsam darüber gelacht. Mit der Zeit habe ich dann meine eigene Seite promotet, damit die Leute die Sprüche auch auf meiner Seite einbinden.

netzathleten: Viele der Sprüche über Dich spielen ja auf Chuck Norris an. Hast Du einen Lieblingsfilm mit ihm?
Hans Sarpei: Chuck Norris hat ja so viele Filme gemacht und in den meisten haut er jemanden mit seinen Karatemoves um. Delta Force ist toll. Der ist zwar schon relativ alt, aber ich kenne ihn von früher. Zu meiner Jugend waren diese Filme mit Chuck Norris, Bruce Lee und Co. gängig.

netzathleten: Zum Abschluss noch ein Ausblick auf Deine Zukunft als Spieler. Im Internet kursiert ja die Frage, wohin Du wechselst. Du witzelst schon selbst, dass Du zum FC Unbekannt gehst, mit den Spielern die momentan allein in der Bundesliga auf dem Markt sind. Das sind ja einige gute Spieler. Hast Du überhaupt vor noch weiter Fußball zu spielen?
Hans Sarpei: Ja, natürlich. Ich möchte noch weiterspielen. Momentan bin ich verletzt und bin in der Reha in Köln. Dort versuche ich mich wieder 100 Prozent fit zu machen. Und dann gilt es eine geeignete Mannschaft zu finden, in der ich nochmal spielen kann und Spaß habe. Der FC Unbekannt hat ja schon ein paar Knaller. Wenn wir in der Bundesliga spielen würden, würden wir nicht schlecht aussehen. Den Baumjohann würde ich ja noch holen wollen… Ich weiß zwar nicht, ob er kommen würde. Aber bei uns hätte er sicher auch einen Stammplatz. Ich glaube, dann würde er kommen. (lacht)

netzathleten: In zwei Jahren steht die nächste Weltmeisterschaft auf dem Programm. Glaubst Du, Du bist mit Ghana noch einmal dabei?
Hans Sarpei: Das wäre ja dann die WM 2014 in Brasilien. Ich glaube, da möchte jeder Fußballer gerne dabei sein. Es ist eine WM und dann auch noch in Brasilien. Aber ich glaube, dann bin ich wirklich zu alt. Wahrscheinlich gehe ich trotzdem mit nach Brasilien. Entweder, um der Mannschaft in irgendeiner Form zu helfen, oder als Experte für Ghana oder etwas in der Art. Aber die WM in Brasilien werde ich mir nicht entgehen lassen.

netzathleten: Wir sicher auch nicht. Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Anja Rau & Nils Borgstedt

 

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