Interview mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf – Ab in den Urlaub!? Nike

Interview mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf – Ab in den Urlaub!?

  • Derk Hoberg
Unter den Augen von Klaus Allofs und Thomas Schaaf kam es zum Finale des Talentwettbewerbs „The Chance“ in München. Sportartikelhersteller Nike suchte dabei zwei Talente aus Deutschland, die sich für das große Finale in Barcelona qualifizieren konnten. Grund genug, die beiden Werder-Verantwortlichen zu fragen, ob sie nach der Saison nicht auch mal einen Urlaub vertragen könnten.

Marcel Stenzel und Zvonimir Kovac heißen die beiden glücklichen Nachwuchskicker, die zum großen Finale von „The Chance“ nach Barcelona reisen dürfen. Die Fachjury, angeführt von Klaus Allofs und Thomas Schaaf, hatte sie bei einem zweitägigen Lehrgang auf dem Gelände des SV Heimstetten aus 80 hoffnungsvoll gestarteten Jungfußballern ausgewählt. Ob darunter auch Talente waren, die die Begehrlichkeiten der sportlichen Leitung Werder Bremens weckten, wollten Trainer und Geschäftsführer freilich nicht preisgeben. Allerdings wurde durch diesen Sponsoren-Termin der beiden auch deutlich, dass die Führungsriege eines Bundesligisten eigentlich immer im Einsatz ist.

Frage: Herr Allofs und Herr Schaaf, können Sie, nachdem die Saison nun vorüber ist, auch mal komplett abschalten, oder geht es nahtlos weiter mit Analysen und den daraus resultierenden Planungen für die neue Saison?

Klaus Allofs: Es ist ja nie so, dass wir das Buch zuklappen und sagen: Das war es. Das geht in unserer Position als Sportdirektor und Trainer gar nicht, dass wir mal komplett vom Fußball abschalten. Erste Analysen haben wir natürlich schon durchgeführt und zum jetzigen Zeitpunkt ist der Blick schon wieder nach vorne gerichtet. Die Transferperiode läuft bis Ende August und bis dahin werden wir daran arbeiten, unsere Mannschaft bestmöglich zusammenzustellen. Für uns geht die Arbeit permanent weiter, wohingegen die Spieler, die jetzt nicht mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs sind, natürlich auch mal komplett abschalten können.

Frage: Wie sieht es beim Trainer aus, Herr Schaaf, wann kommen Sie dazu, mal abzuschalten?
Thomas Schaaf: Wir haben jetzt natürlich noch gewisse Programmpunkte, so wie hier bei „The Chance“ und auch nächste Woche noch weitere. Aber dann fahre ich natürlich auch in den Urlaub. Allerdings ist das kein normaler Urlaub, in dem wir uns komplett auf einer einsamen Insel ohne Telefon abschotten. Klaus und ich bleiben also immer in Kontakt, um gewisse Dinge vorzubereiten und mögliche Transfers zu beraten. Das hört nie auf, da ist man nie raus.

Frage: Wie groß wird denn der Umbruch bei Werder Bremen und damit die Arbeit für Sie beide ausfallen?
Thomas Schaaf: Der Umbruch wird recht groß ausfallen. Vergleichbar mit jenem, als wir unsere Arbeit aufgenommen haben, 1999. Damals mussten wir unser Team, fast über Jahre hinweg, neu aufbauen. Auffällig ist nun vor allem, dass uns in diesem Jahr viele ältere Spieler verlassen werden.

Frage: Wo sehen Sie denn den größten Arbeitsaufwand beziehungsweise Handlungsbedarf in der Sommerpause hinsichtlich Ihres Teams?
Klaus Allofs: Marko Marin, Claudio Pizarro und Tim Wiese verlassen uns, mit Markus Rosenberg haben wir den Vertrag nicht verlängert. Da sieht man schon in welchen Mannschaftsteilen wir definitiv etwas mehr unternehmen müssen. Fest steht aber auch, dass wir uns in allen anderen Mannschaftsteilen ebenfalls verstärken wollen.

Thomas Schaaf: Eigentlich haben wir ja keine Schwachstellen (lacht), aber wir wollen uns immer verbessern!

Frage: Und wie gehen Sie beispielweise mit der Kritik um, die nach einer Saison wie dieser auf Sie als Verantwortliche von Werder Bremen trifft? Wirkt so etwas lange nach?
Thomas Schaaf: Der Kritik müssen wir uns immer stellen. Auch wenn wir Erfolg haben. Auch dann überdenken wir alles, überlegen, ob wir wirklich überall das Optimum herausgeholt haben. Und wenn etwas daneben geht, kann ich mich natürlich der Kritik nicht entziehen. Das heißt jetzt nicht, dass ich daran verzweifele, aber in einem solchen Falle haben wir unsere Ziele dann tatsächlich nicht erreicht. Dann müssen wir aus der emotionalen Schiene herauskommen, die Enttäuschung hinter uns lassen und uns dem Analytischen zuwenden. Die Fehler versuchen auszumerzen und währenddessen dann auch wieder emotional stärker werden, den Frust hinter uns lassen. Wenn wir also an den Fehlern arbeiten, kommen die Erfolgserlebnisse auch wieder.

Frage: Kommen wir zur Europameisterschaft, werden Sie diese verfolgen können?
Klaus Allofs: Ich gehe davon aus, dass ich die Vorrundenspiele nicht verfolgen kann. Wenn die K.O.-Runde losgeht, werde ich aber vor Ort sein, auch zur moralischen Unterstützung.

Frage: Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der EM ein?
Klaus Allofs: Wir sind Favorit, da führt kein Weg daran vorbei. Deutschland und Spanien. Wir haben eine gute Mannschaft beisammen, sind wohl so gut aufgestellt, wie selten zuvor. Allerdings ist das noch keine Garantie, auch tatsächlich den Titel zu holen. So ein Turnier ist eine ganz besondere Konstellation, gerade in den K.O.-Spielen muss man immer bereit sein, alles zu geben. Abzuwarten bleibt auch, in welcher Verfassung sich die Bayern-Spieler nun präsentieren werden. Aber vom Potential her sind wir gerüstet!

Interview: Nils Borgstedt und Derk Hoberg


Nike und Pep Guardiola starten mit "The Chance 2012" eine einzigartige Talentsuche, die Nachwuchsspielern aus der ganzen Welt die Chance bietet, sich auf der großen internationalen Bühne zu beweisen. Ins Leben gerufen wurde die Aktion, um talentierte, jedoch noch nicht als Profis tätige Spieler, zu unterstützen.

"The Chance" wurde erstmals im Jahr 2010 veranstaltet. 2012 werden Fußballer aus 50 Ländern an den Vorausscheidungen für "The Chance" teilnehmen. Die besten 100 unter ihnen werden von führenden Nike-Trainern ausgewählt und reisen dann zum weltweiten Finale in Spanien, das an der berühmten Jugendakademie des FC Barcelona ausgetragen wird.

Traum vom Fußball-Profi

Im Finale in Barcelona wählt Nike dann die besten 16 Fußballer aus. Sie erhalten die Gelegenheit zur Teilnahme an einem Trainingsprogramm und werden innerhalb einer mehrwöchigen Tour bei einigen Top-Teams (u.a. Manchester United und der US-amerikanischen Nationalmannschaft) trainieren. Die Spieler trainieren dabei unter den Augen von Clubtrainern und Talentscouts. Eine einmalige Gelegenheit, sich den Traum, Profifußballer zu werden, zu verwirklichen.

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