Ob von 10 oder 27 Meter - Interview mit Gary Hunt redbull.com/cliffdiving

Ob von 10 oder 27 Meter - Interview mit Gary Hunt

  • Maria Poursaiadi
Hoch oben. 27 Meter bis zum Aufprall auf das Wasser. Eine falsche Bewegung, ein paar Neigungsgrade verfehlt und man fällt wie auf Beton. Was treibt Klippenspringer an, sich diesen Gefahren auszusetzen? Wir fragten Gary Hunt, einen der weltbesten Springer unserer Zeit.

netzathleten: Gary, Du bist momentan einer der besten Klippenspringer der Welt. Wann, hast Du Deiner Meinung nach den Durchbruch geschafft?
Gary Hunt: Die Red Bull Cliff Diving World Series 2009 war mein erfolgreichster Wettbewerb bisher. Da der Wettkampf auf mehrere Runden ausgelegt war, kam ich immer besser mit der Absprunghöhe von 27 Metern klar und lernte viele unterschiedliche Sprünge.

netzathleten: Wie bist Du den eigentlich zum Klippenspringen gekommen?
Gary Hunt: 2006 hatte man mich zu einer „High Diving-Show“ in Italien eingeladen. Ich sprang damals noch vom Turm. Bei diesem Event lernte ich den bekannten Klippenspringer Steve Black kennen, der mich zu einem Wettkampf einlud. So nahm alles seinen Lauf.

netzathleten: Gary, sprechen wir einmal über das Springen selbst. Was ist der aufregendste Augenblick bei einem Sprung von einer Klippe?
Gary Hunt: Der Moment an dem Du eintauchst, ohne dass es schmerzt. Das ist der große Moment der totalen Erleichterung, ein absolut tolles Gefühl.

netzathleten: Klingt nach Abenteuer. Und woran denkst Du als letztes bevor Du springst?
Gary Hunt: Ich gehe im Kopf noch einmal die genaue Abfolge des Sprunges durch. Da bin ich vollends konzentriert. Denn wenn Du an irgendetwas anderes denkst, ist es schnell um Dich geschehen.

netzathleten: Wovor hast Du am meisten Angst? Dem Sprung, die Höhe oder das Abtauchen in ein unbekanntes Gewässer?
Gary Hunt: Ich habe immer Angst. Aber man muss sich auch ein wenig fürchten. So fokussiert man sich am besten. Für mich ist die Eintauch-Phase definitiv der schlimmste Augenblick.

netzathleten: Wie war denn überhaupt Dein erster Sprung von einer Klippe?
Gary Hunt: Am Anfang sprang ich aus 18 Meter von einer Leiter ins Schwimmbecken. Später von einem Baugerüst aus 24 Meter Höhe und meinen ersten richtigen Klippen-Dive hatte ich in Österreich für einen Red Bull-Wettkampf aus 26 Meter. Ich war damals beinahe schon panisch. Aber dann kam ich doch auf den Geschmack.

netzathleten: Wie fanden es Deine Eltern eigentlich, als Du ihnen gesagt hast, dass Du Klippen-Springer werden möchtest?
Gary Hunt: Meine Mutter war anfangs total besorgt. Aber nach einer Weile merkte sie, dass ich meine Sache verstand. Dann konnte sie auch wieder ein wenig lockerlassen. Trotzdem muss ich sie nach jedem Wettkampf anrufen und ihr Bescheid geben, dass es mir gut geht.

netzathleten: Klippenspringen erfordert eine ganze Menge an Konzentration. Wie kriegst Du das so perfekt hin?
Gary Hunt: Natürlich habe ich das in den vielen Jahren vor meiner Klippenspringer-Zeit gelernt. Davor war ich Turmspringer. Da lernt man erst vom 1 Meter-Brett, dann von 3 Meter-Brett und schließlich von 10 Meter-Brett zu springen. Du brauchst schlussendlich die gleiche Konzentration, egal ob Du von 10 Metern springst oder von 26 Metern.

netzathleten: Was sind die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Klippenspringer braucht, um so erfolgreich wie Du zu werden?
Gary Hunt: Du musst sehr beweglich sein und Deinen Körper kontrollieren können. Und Du brauchst jede Menge Mumm.

netzathleten: Und von welcher Klippe stürzt Du Dich am liebsten?
Gary Hunt: Da ist ein süßwassergefülltes Kalksteinloch in Yucatan in Mexiko. Da geht es 20 Meter in die Tiefe. Bei einem Wettkampf sind wir da von einer Plattform, die vom Erdboden 7 Meter in die Höhe ragte, in dieses Loch hineingesprungen. Es war ein total verrücktes Gefühl von nur 7 m abzuspringen, aber bis zum Wasser insgesamt 27 Meter zu fallen. Ziemlich cool war das.

netzathleten: Was sind denn Deine nächsten Karriere-Stufen, die Du erklimmen bzw. von denen Du herunterspringen möchtest?
Gary Hunt: Ich möchte noch mehr Aufmerksamkeit für meinen Sport erreichen. Das habe ich mir für die nächste Zeit vorgenommen. Ansonsten will ich natürlich immer besser werden und vor allem noch höhere Sprünge trainieren.

netzathleten: Gary, wir wünschen Dir viel Glück bei alldem.

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