Trainingsplan im Test - Teil 5: Vom Feeling her ein gutes Gefühl Christian Riedel

Trainingsplan im Test - Teil 5: Vom Feeling her ein gutes Gefühl

  • Marco Heibel
Auf dem Weg zu einer 10 km-Zeit unter 45 Minuten innerhalb von 10 Wochen stellt netzathleten-Redakteur Marco Heibel in der dritten Trainingswoche endlich Fortschritte fest. Und gibt aus gegebenem Anlass sein persönliches „Ranking der natürlichen Feinde des Läufers“ bekannt.

Endlich! Es geht aufwärts. Nach drei Wochen hab ich zwar gerade mal ein halbes Kilo verloren, aber dafür einen ordentlichen Formzuwachs zu verzeichnen. Die Laktatmessung in Kombination mit einem guten Trainingsplan scheinen mich wirklich nach vorne gebracht zu haben. Gleich beim ersten Lauf der Woche (3x2 km im Schwellenbereich mit Trabpausen) bin ich auf meiner Hausrunde von 8 Kilometern ne Zeit von unter 40 Minuten gelaufen, obwohl ich die Trabpausen wirklich gemächlich hab angehen lassen und mich bei meiner Herzfrequenz wirklich strikt an die Empfehlungen aus der Laktatmessung gehalten habe.

Als „Belohnung“ – na ja, um genau zu sein hat es mein Terminplan nicht anders zugelassen – habe ich mir den 15km-Regenerationslauf dann einfach mal geschenkt. Im forcierten Spaziergangtempo können 15 Kilometer zudem ziemlich lang(weilig) werden. Nicht, dass Ihr denkt, dass bei mir nach den ersten Erfolgserlebnissen bereits der Schlendrian eingekehrt ist. Das kann ich mir gar nicht leisten. Wie sähe das denn aus, wenn ich nach 10 Wochen nur einen Leistungszuwachs von einer oder zwei Minuten auf 10 Kilometern hätte?

Form bestätigt


Einheit Nummer drei in dieser Woche war erneut ein Intervalllauf über 3x2 km im Schwellenbereich. Meine Endzeit lag minimal über der vom letzten Mal, ich fühle ich also bestätigt in meinem guten Gefühl. Mittlerweile würde mich sogar schon interessieren, wie schnell ich wäre, wenn ich die 10 Kilometer jetzt voll durchlaufen würde. Aber alles zu seiner Zeit…

Bei Einheit vier gab es dann wieder mal keinen Schönheitspreis, sondern allenfalls ein Fleißkärtchen zu gewinnen: ein GA 2-Lauf (HF 156-161) über 10 Kilometer. Aber letzten Endes gehören auch diese Läufe zum Trainingsaufbau dazu, auch wenn sie für mich nicht gerade der Höhepunkt der Trainingswoche sind.

Die natürlichen Feinde des Läufers


Allerdings kam es bei diesem GA 2-Lauf zu einem Ereignis, das meinen Puls nochmal gewaltig über den empfohlenen Bereich getrieben haben sollte: Ich soll wohl ein entgegen kommendes Pferd (samt Reiterin, versteht sich) so nervös gemacht haben, das dieses das dahinter reitende Pferd scheu gemacht hat. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn zwei solche Tiere 3 oder 4 Meter neben einem plötzlich „außer Kontrolle“ geraten. Naja, nachdem die Pferde wieder beruhigt waren, durfte ich mir von einer der Reiterinnen stellvertretend für alle Läufer dieser Welt noch einige Verwünschungen anhören. Ich wünschte den Damen dagegen herzlichst einen „Schönen Abend noch“ und lief weiter meiner Wege.

Wer jetzt denkt, dass ich auf bevorzugt auf Pferdekoppeln laufe, irrt. Das würde allerdings erklären, warum Reiter angesäuert reagieren, wenn sie mich sehen. Stattdessen laufe ich bevorzugt in einem Waldstück, in dem es direkt neben dem Waldweg über weite Strecken noch parallel einen Reitweg gibt. Ich habe auch keine außergewöhnlichen Dinge gemacht, allenfalls Arme und Beine gleichzeitig bewegt…

Jedenfalls hat mich dieser kleine Zwischenfall dazu veranlasst, auf den letzten Kilometern mal darüber nachzudenken, wer wohl die größten natürlichen Feinde des Läufers – neben der eigenen Psyche und dem eigenen Körper – sind. Dieses Ranking ist natürlich rein subjektiv, und zwar gleich doppelt: einmal aus meiner eigenen Sicht, zum zweiten aus der Sicht eines Läufers. Reiter, Spaziergänger, Hundebesitzer etc. mögen mir verzeihen. Aber alles ist eben eine Frage der Perspektive.


Hier ist jedenfalls meine Top Five der natürlichen Feinde des Läufers:


Platz 5: Mücken. Gerade wenn es Richtung Sommer geht, ein echtes Ärgernis. Wenn Du dann mal kurz stehen bleiben musst, um Dir Deine Schuhe zu binden o.Ä., hast Du noch Tage später ein paar rote, juckende Andenken.

Platz 4:
Walker in Gruppen. Walker sind die Hobby-Radrennfahrer der Parks und Wälder. Wenn Ihr im Frühling oder Sommer häufiger mit dem Auto auf Landstraßen unterwegs seid, werdet Ihr wissen, dass Radrennfahrer im Training sich gern breit machen, was das Überholen deutlich erschwert. Dabei weiß doch jeder, dass Windschattenfahren und Kreiseln deutlich schneller ist… Bei Walkern in Gruppen ist es nicht viel anders. Man nutzt gern die ganze Breite des Weges und ist dann überrascht bis erschrocken („Huch!“), wenn jemand zum Überholen ansetzt.

Platz 3:
Unangeleinte Hunde. Eins vorab: Ich mag Hunde. Während ich diesen Artikel schreibe, liegt sogar unser allseits beliebter Redaktionshund unter meinem Schreibtisch. Aber bekanntlich reagiert der eine oder andere Hund verunsichert auf Menschen, die sich mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit nähern. Hierbei gilt: Je kleiner, desto lauter. Dabei können die Hunde eigentlich gar nichts dafür. Aber dazu später mehr.

Platz 2: Pferde und Reiter, sofern überempfindlich, siehe oben.

Platz 1:
Unaufmerksame Herrchen oder Frauchen mit unangeleinten kleinen Hunden. Zugegeben, auf mein persönliches Feindbild beim Laufen treffe ich nur alle Jubeljahre mal. Aber es ist schon vorgekommen. Dann nähert sich der Wauwau nämlich schon im Vollsprint und mit maximalem Gekläffe, wenn man selber noch hundert Meter entfernt ist. Der Besitzer, der eigentlich wissen sollte, dass sein Liebling Läufer nicht unbedingt mag, lässt die Sache aber gerne einfach mal laufen.

Aber auch wir Läufer machen uns nicht immer beliebt. Gerade wenn der Ehrgeiz groß und die Ziele hoch sind, neigen Läufer auch im Training schon mal zum Drängeln. Und auch wir können die Straße schon mal breit machen. Der eine oder andere Radfahrer oder Skater wird es bestätigen können. Und wenn fünf und mehr Läufer auf einen Hund zukommen, kann ich sogar verstehen, wenn gekläfft wird.

Marco Heibel

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