Was tun bei Schmerzen beim Laufen? - Bewegungsanalyse und Einlagenversorgung Jörg Birkel

Was tun bei Schmerzen beim Laufen? - Bewegungsanalyse und Einlagenversorgung

  • Marco Heibel
Zwei Drittel aller Läufer in Deutschland hatte schon einmal mit sportbedingten Beschwerden zu kämpfen. Das Problem: Es gibt unzählige Ursachen für Läuferknie, Achillessehnenreizung oder Schienbeinkantensyndrom. Wer dauerhaft beschwerdefrei sein möchte, kommt häufig an einer Bewegungsanalyse nicht vorbei.

Es gibt nur wenige Glückliche, die ihr gesamtes Leben als Läufer beschwerdefrei bleiben. Die meisten bekommen früher oder später in irgendeiner Form Probleme. Mit etwas Glück sind diese Menschen nach einer Trainingspause wieder schmerzfrei. Doch bei vielen Läufern kehren die Beschwerden trotz orthopädischer Einlagen oder einem dauerhaft reduzierten Trainingsvolumen zurück. Dann gilt es nachzuforschen, ob das Schuhwerk, der Laufstil oder die Körperstatik die Ursache für die Schmerzen ist.

Schritt 1: Den passenden Laufschuh finden


Moderne Laufschuhe sind Spezialwerkzeuge. Passen sie nicht zum Träger, sind Fehlbelastungen vorprogrammiert. Eine Laufstilanalyse kann dabei helfen, schuhbedingte Probleme zu verhindern. In gut ausgestatteten Laufgeschäften findet man das nötige Equipment: Ein Laufband und eine Kamera sind das Minimum, besser ist jedoch eine Bewegungsanalysestation mit Videokamera und Scanner.



Eine solche Station basiert auf der derzeit führenden Motionquest-Technologie. Hierbei wird ein Computer mit zahlreichen Informationen über den Läufer und seine Laufeigenschaften gefüttert. Ein Footscan gibt beispielsweise Aufschluss über den Fußtyp und die Druckverteilung im Schuh. Mit Hilfe der Videokamera bewertet das System dann noch u.a. die Beinachsen und die Beweglichkeit im Sprunggelenk. Barfuß auf dem Laufband sieht man dann, ob jemand mit der Ferse, dem Mittelfuß oder dem Vorfuß aufsetzt. Weiterhin spielen Faktoren wie Gewicht, Trainingspensum und Trainingsziel eine Rolle.



Nach Auswertung der Daten spuckt das System dann den „perfekten“ Schuh für den Läufer aus. Allerdings: Das System kennt natürlich nur die Schuhmodelle, die der Betreiber ihm auch beibringt. Wer also die Station eines Laufschuhherstellers betritt, sollte sich nicht wundern, wenn der „perfekte“ Schuh von eben diesem Hersteller stammt.

Im Idealfall sind die Probleme mit dem Kauf eines passenden Laufschuhs behoben. Liegen allerdings biomechanische Ungereimtheiten vor, treten die Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf. Spätestens dann sollte man seinen Bewegungsapparat einmal auf Herz und Nieren prüfen lassen.

Schritt 2: Bewegungsanalyse und Körperstatikvermessung


„Viele Beschwerden beim Laufen sind die Folge von muskulären Dysbalancen oder ‘Fehlern‘ im Bewegungsapparat“, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach. Der Leiter des Kompetenzzentrums Sport (Komsport) in Köln wählt bei seiner Analyse einen ganzheitlichen Ansatz: Ähnlich wie ein Laufschuhverkäufer kontrolliert Elsenbach zunächst die Abnutzung der alten Schuhe und die der Einlagen. Dann ermittelt er mit einem Footscan die Druckverteilung im Schuh. „Meistens gewinne ich so schon einen Eindruck, wo das Problem liegen könnte und erkenne, ob der Schuh für den Läufer überhaupt geeignet ist.“


Im Gegensatz zum Fachhandel erfolgen bei Komsport dann noch einige tiefer gehende Untersuchungen. Ein Funktionstest der Füße und der Sprunggelenke sowie eine manuelle Diagnostik des Beckenstandes und der Beinlänge geben Elsenbach Hinweise auf muskuläre Dysbalancen oder Blockaden.



Bei einer Bewegungsanalyse auf dem Laufband folgt dann die endgültige Bestätigung. Hierbei wird der Läufer je nach Problembereich von der Seite oder von hinten beim Barfußlauf gefilmt. An relevanten Messpunkten markiert (z.B. Fersenbein, Wade oder Kniekehle), werden (unbewusste) Fehler im Bewegungsablauf in der anschließenden Zeitlupenanalyse sogar für den Laien leicht ersichtlich. „Die meisten Kunden sind schon überrascht, wenn sie ihre Bewegungsabläufe so deutlich vor Augen geführt bekommen“, sagt Elsenbach.

Schritt 3: Einlagenversorgung


„Wenn ein Schuhwechsel, eine Umstellung der Lauftechnik oder Athletiktraining keine deutliche Besserung mehr versprechen, rate ich oft zu orthopädischen oder sensomotorischen Einlagen“, erklärt Oliver Elsenbach. Die Einlagen sollten im Idealfall individuell nach dem Beschwerdebild von Orthopädie-Schuhmachern angefertigt werden, die Kosten werden zu einem Großteil von den Krankenkassen übernommen.



Doch Vorsicht vor zu großer Euphorie: „Eine Einlage alleine kann einen Läufer nicht unbedingt ‘gesund‘ machen. Aber in Kombination mit regelmäßigen Dehn- und Kräftigungsübungen sowie Fußgymnastik kann sie einen Beitrag zum beschwerdefreien Laufen leisten“, sagt Orthopädie-Schuhtechnikermeister André Hänchen von Gangart. „Gute Einlagen erkennt man vor allem daran, dass sie sich unterscheiden. Kein Läufer hat links und rechts die gleichen ‘Problemzonen‘. Dementsprechend muss jede gute Einlage absolut einzigartig sein und zu 100 Prozent zum Fuß passen“, führt Hänchen aus. Der Fachmann rät nach 9-12 Monaten zu einer Einlagenkontrolle. So lassen sich Körperveränderungen nachprüfen und je nach Bedarf neue Einlagen anfertigen.

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