Kommt Rotwein auf die Dopingliste? – Einfluss auf den Testosteronspiegel thinkstockphotos.de

Kommt Rotwein auf die Dopingliste? – Einfluss auf den Testosteronspiegel

  • Christian Riedel
Über die Vor- und Nachteile von Rotwein wird viel diskutiert. Die schädlichen Auswirkungen des Alkohols darf man nicht verharmlosen. Dennoch hat Rotwein einige positive Eigenschaften. Schon länger ist bekannt, dass Rotwein das Herz schützen kann. Einer aktuellen Studie nach kann Rotwein auch den Testosteronspiegel erhöhen und steht deswegen vielleicht bald auf der Dopingliste.

Testosteron spielt gerade bei Sportlern eine große Rolle, da es unter anderem wichtig für den Muskelaufbau ist, das Durchhaltevermögen verbessert und die Regeneration der Muskeln beschleunigt. Entsprechend steht das männliche Sexualhormon schon lange auf der Dopingliste, wenn man es sich zusätzlich zum körpereigenen Hormon zuführt. Dennoch werden immer wieder Sportler erwischt, die sich mit künstlichem Testosteron zu dopen versuchen. Zudem suchen viele nach einem Weg, den natürlichen Testosteronspiegel zu erhöhen. So ein natürlicher Weg könnte darin liegen, öfter einmal ein Glas Rotwein zu trinken.

Mehr Testosteron

Denn wie ein britisches Forscherteam herausgefunden hat, können allem Anschein nach bestimmte Stoffe im Wein dafür sorgen, dass weniger natürlich produziertes Testosteron über den Urin ausgeschieden wird. Demnach bleibt mehr Testosteron im Körper und man ist leistungsstärker. Dies zumindest träfe für Sportler zu. Aber auch Menschen mit Prostatakrebs könnten davon profitieren, da bei ihnen die Testosteronproduktion gestört sein kann.

Laut Declan Naughton, Chemiker an der Kingston University in London, haben bereits frühere Studien gezeigt, dass frei verkäufliche Mittel, die Entzündungen hemmen sollen, bestimmte Enzyme beeinflussen können. Da die Wirkstoffe dieser Mittel in der Regel auf pflanzlicher Basis sind, wollten die Forscher nun einmal genauer herausfinden, welchen Einfluss bestimmte Nahrungsmittel und Getränke auf die Enzyme haben, die am Testosteronstoffwechsel beteiligt sind. Dabei haben die Forscher ein besonderes Augenmerk auf Rotwein und grünen Tee gelegt, die beide eine große Vielfalt an biologisch aktiven Inhaltsstoffen besitzen.

Der Rausschmeißer

Die Wissenschaftler konnten im Labor feststellen, dass im Rotwein wie auch im grünen und weißen Tee Substanzen sind, die ein bestimmtes Enzym blockieren. Das so genannte UGT2B17 heftet an überschüssige Testosteronmoleküle kleine Marker an. Besitzt ein Molekül so einen Marker, wird es über die Niere entsorgt. Wird das Enzym UGT2B17 nun blockiert, heftet es weniger Marker an und weniger Testosteron wird aus dem Körper abtransportiert. Sogar bei bereits hohen Testosteronkonzentrationen ist die Wirkung auf das Enzym nachweisbar. Dafür reichen bereits normale Mengen an Rotwein aus.

Manko

Wie so oft hat aber auch diese Studie ein Manko. Denn der Effekt konnte bisher nur im Labor nachgewiesen werden. Ob Rotwein oder grüner Tee auch beim Menschen einen positiven Einfluss auf den Testosteronspiegel haben, und wenn ja, welche Mengen Rotwein dafür notwendig ist und wie lange der Effekt anhält, muss erst noch erforscht werden. Allerdings sollen Versuche bei Nagern schon Hinweise darauf gegeben haben, dass der Effekt auch bei lebendigen Wesen auftritt. Mehr wollten die Forscher aber noch nicht verraten.

Zweifache Doping-Hilfe

Tatsächlich kann sich der Wein in zweierlei Hinsicht positiv für Sportler auswirken. Zum einen wird der Testosteronspiegel erhöht, zum anderen kann man den erhöhten Testosteronspiegel bei Urintests kaschieren. Denn da mehr Testosteron im Körper gehalten wird, stimmt die Konzentration des Hormons im Blut nicht unbedingt mit der Konzentration im Urin überein. Man könnte also bei einem Dopingtest die wahre Testosteronkonzentration im Körper verschleiern.

Ob Rotwein und grüner Tee auf die Dopingliste kommt, ist eher zweifelhaft. Dennoch haben die Wissenschaftler die Welt Anti-Doping Agentur (WADA) auf die mögliche Wirkung aufmerksam gemacht.

Carl Jenkinson (Kingston University, London) et al.: Nutrition Journal, Bd. 11, S. 67

Hier gehts zur Studie

Früher war das undenkbar, gerade in Italien: Als Rotwein noch nicht mit dem Thema Doping in Verbindung gebracht wurde, war Luigi Valori aktiver Profifußballer bei Ascoli Calcio. Heute macht Valori Wein.

 

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