Mentalitätsmonster gettyimages.de -- Marcel Hirscher nach dem Rennen in PyeongChang
Kolumne von Martina Ertl-Renz

Mentalitätsmonster

  • Martina Ertl-Renz
Martina Ertl kommentiert für uns das olympische Geschehen. In dieser Kolumne befasst sie sich mit dem Olympiasieg von Marcel Hirscher und mit dem Abschneiden des deutschen Abfahrers Thomas Dreßen in der Kombination.
Marcel Hirscher hat endlich sein lang ersehntes olympisches Gold gewonnen, zu dem ich ihm herzlich gratuliere. Es passt für mich, dass er dieses in der Kombination errungen hat, die ja den Beleg dafür ist, wer der „kompletteste“ Skifahrer ist. Der olympische Wettbewerb aus Abfahrt und Slalom hat wieder gezeigt, wer der König der Skifahrer ist. Und dies vor allem mit einer eindrucksvollen Vorstellung im Kombinationsslalom. Hirscher hatte als 12. der Abfahrt vor allem im zweiten Lauf die schwierigsten Bedingungen, als seitliche Windböen den Slalomhang in ein Meer aus Schneewellen verwandelten, das den Athleten den Boden nicht mehr sehen ließ. Eine an sich unangenehme Situation für den Slalomfahrer, weil kleinere Rippen im Parcours nicht mehr gesehen werden können, was die Sturzgefahr erhöht. Aber Hirscher zeigte auch diesmal, was ihn an die Spitze des Skizirkus gebracht hat: seine Mentalität. Als Favorit die Ruhe zu bewahren und dann auch noch bei schwierigsten Bedingungen einen klaren Kopf zu behalten, genau dafür steht der Champion aus Österreich. Dieser Olympiasieg wird Hirscher nun die nötige Ruhe für die rein technischen Disziplinen bescheren. Für mich ist er nun der Anwärter auf weitere Goldmedaillen im Slalom und Riesenslalom.

Thomas Dreßen hatte nach der Kombinationsabfahrt den Wettbewerb angeführt. Doch als Nicht- Slalom-Spezialist war es gerade an diesem olympischen Hang für die Abfahrer brutal schwer, in der Endabrechnung vorne zu landen. Obwohl Thomas noch zu den besseren Slalomfahrern unter den Speed-Helden gehört, war auch er an diesem steilen Hang mit der anspruchsvollen Parcoursführung hinsichtlich eines Podestplatzes chancenlos. Eine stärkere Ausgewogenheit in den beiden Einzelwettbewerben Abfahrt und Slalom hätte ich mir schon gewünscht – heute war der Slalom sehr anspruchsvoll und die Abfahrt doch zu kurz. Das soll aber nicht den Blick für die Erkenntnis verstellen, dass Hirscher zu Recht die Goldmedaille holte.
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Für Thomas Dreßen ist im Hinblick auf die Spezialabfahrt der erste Platz in der Kombinationsabfahrt eine psychologisch wichtige Bestätigung. Es zeigt sein Potential und sein Gefühl für Abfahrtsstrecken. Das Bewusstsein, nicht hinterher zu fahren, sondern selbst den Trend zu setzen, hilft im Hinblick auf seinen großen Auftritt bei der Herren-Abfahrt am Donnerstag. Dreßen gehört für mich in dieser Form zu den ganz heißen Medaillentipps in dieser Woche.

Eure
Martina Ertl-Renz


Martina Ertl Renz

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