Hautnah an den Stars – Ein Gespräch mit Jens Filbrich picture-alliance

Hautnah an den Stars – Ein Gespräch mit Jens Filbrich

  • geschrieben von  Jens Filbrich
Am heutigen Mittwoch geht die Tour de Ski in ihre zweite Phase. Bei den Herren läuft es gut, die Damen hingegen sind – bis auf Katrin Zeller – alle aus der Tour de Ski ausgestiegen. Auf seinem Weg zu Olympia ist die Tour de Ski auch für Langläufer Jens Filbrich eine erste Standortbestimmung.

Jens Filbrich über die Einteilung der Tour de Ski

Langläufer Jens Filbrich hat es geschafft, der Frankenhainer hat sich vor knapp drei Wochen beim Weltcup in Rogla (Slowenien) mit einem fünften Platz für die Olympischen Spiele in Vancouver qualifiziert. Den ersten Saisonhöhepunkt, die Tour de Ski, konnte er somit etwas ruhiger angehen.

Die Streckeneinteilung der diesjährigen Tour hat im Vorfeld Diskussionen hervorgerufen – sie sei zu sprintlastig. Jens Filbrich, unser Mann im deutschen Team, sieht das anders: „Es sind eigentlich nur zwei Sprints und jetzt, nach der vierten Etappe, beginnt die Tour eigentlich neu. Es kommen lange Kanten, erst 35km, danach ein Lauf gegen die Uhr über 10km und dann ein 20km Massenstart. Und auch der letzte Anstieg ist im Grunde nichts für Sprinter. Insofern sehe ich die Einteilung eher positiv und ausgeglichen.“

Jens Filbrich über Positionswechsel bei den Rennen

Das Rennen in Toblach wird im Skating-Stil gelaufen. Im Vergleich zum klassischen Stil, wo in einer gespurten Loipe gefahren wird, wird hier das Rennen ohne vorgegebene Spur ausgetragen. Plätze gut zu machen, ist bei beiden Stilen nicht ganz einfach. Im klassischen Stil kommt es gerade bei Spurwechseln immer wieder zu Stürzen. Dennoch sieht Filbrich die größeren Schwierigkeiten beim Skating-Stil. „Im Klassischen ist es einfacher Positionen gut zu machen, da durch die vorgegebenen Spuren alles etwas geordneter abläuft. Jeder wählt sich seine Spur und es gibt weniger Rangeleien als beim Skaten.“ Das Ausstellen der Ski beim Skating ist für ihn das Problem. „Dadurch passiert es viel leichter, dass man sich mit einem Gegner verhakt oder sich gegenseitig auf die Ski tritt und dadurch zu Fall kommt.“

Jens Filbrich über die Olympiavorbereitung

Sein erstes großes Ziel, die Qualifikation für Olympia, hat Filbrich bereits in der Tasche. Nach der Tour de Ski, die am 10. Januar zu Ende gehen wird, richtet er den ganzen Fokus auf Vancouver. „Ich werde die kompletten nächsten Weltcup-Veranstaltungen nicht bestreiten, weil ich denke, dass es vom Programm her ziemlich schwierig ist, die Tour de Ski zu laufen und danach dann im Wettkampfprogramm weiter zu machen.“ Vielmehr wird der Frankenhainer sich individuell auf Olympia vorbereiten. Ein erneuter Formaufbau, mit dem Ziel in Kanada in Topform zu sein, wird seine Wochen vor den Spielen prägen. „Zudem werden wir relativ frühzeitig nach Kanada fliegen, um genügend Zeit zu haben, uns zu akklimatisieren – besonders im Hinblick auf die Zeitverschiebung.“


„Wir sind mit fünf Mann bei der Tour dabei und haben alle noch die Chance, in die Top Ten zu laufen oder uns noch weiter oben zu platzieren“, sagt der WM-Dritte von 2007. „Da ist die Stimmung natürlich gut.“ Gemeinsam sind wir stark, könnte man die Aussagen Filbrichs zusammenfassen, der grade das Team in den Vordergrund stellt: „Es ist natürlich schön, wenn man zusammen kämpft, das schweißt zusammen; gerade bei der Tour oder auch im Hinblick auf die Olympia-Staffel.“

Die Herren erfüllen bei der Tour im Großen und Ganzen die Erwartungen. Anders sieht es bei den Damen aus. Nach desolaten Leistungen sind sie bis auf Katrin Zeller aus der Tour zurückgetreten und schieben Sonderschichten. Dennoch brauchen wir uns auch hier vor Olympia keine Sorgen zu machen. „Natürlich bekommen wir auch mit, wie es im Damenlager aussieht“, erzählt Filbrich. Die Situation ist nicht einfach, bei ausbleibenden Erfolgen kommt neben den eigenen Ansprüchen ein großer medialer Druck auf die Athletinnen hinzu. „Doch ich kann auch hier Entwarnung geben“, beruhigt der Routinier. „Die Stimmung bei den Damen ist nicht so schlecht, dass man sich gleich die Köpfe einschlägt. Es wird in der Öffentlichkeit dramatischer dargestellt, als es in Wirklichkeit ist. Dennoch finde ich den Schritt aus dem Wettkampf auszutreten und sich nochmal neu zu sammeln und vorzubereiten richtig.“

Nils Borgstedt

Weitere Informationen

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  • Star Vita: Jens Filbrich wurde 1979 in Suhl (Thüringen) geboren. Jens gewann in seiner Laufbahn bei Olympischen Winterspielen Bronze (2002) und Silber (2006) mit der 4x10km Staffel. Bei Weltmeisterschaften konnte er ebenfalls mit der Staffel Silber- und Bronzemedaillen erringen. Sein größter Einzelerfolg war die Bronzemedaille über 50 km im klassischen Stil bei der Weltmeisterschaft 2007 in Sapporo.
  • Star Erfolge: Bronzemedaille WM 2007, Silbermedaille Olympia 2006,

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