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Eric Frenzels Kolumne

Kleine Schanze, große Erinnerungen

  • geschrieben von  Eric Frenzel
Angesichts der harten Konkurrenz in der anstehenden Weltcupsaison und im olympischen Winter will unser Kolumnist Eric Frenzel nichts dem Zufall überlassen. Aktuell holt er sich in Oslo den letzten Feinschliff.
Airport Berlin-Tegel am frühen Abend, das Einchecken an diesem Flughafen macht mir immer wieder Vergnügen. Wenige Schritte vom Taxi zum Check-In-Desk, wenige Schritte zur Sicherheit, wenige Schritte zum Gate und dann steht man schon an den großen Fenstern zur Startbahn hin. „Die Flugzeuge stehen an nach Himmel“ heißt es in einem Gedicht von Reiner Kunze, der wie ich aus dem Erzgebirge stammt - ich habe das Bild zum Vers vor Augen.

18:27 Take-off, die Lichter der Hauptstadt bleiben zurück und werden kleiner. Vor mir liegt die letzte Etappe der Vorbereitung auf den olympischen Winter - das Ziel: Oslo. Um genauer zu sein das Holmenkollen-Areal mit einer der schönsten Schanzenanlagen der Welt. Dort schlage ich sozusagen meine Trainingszelte auf, um mir den letzten Schliff beim Springen zu holen, bevor eine Woche später dann der Weltcup in Finnland startet.

Warum dieses Spezialtraining?

In der nächsten Saison erwarte ich einen harten Kampf um die große Kristallkugel, aber auch um olympisches Edelmetall. Es wird in der Weltspitze Hundertstel- und Zentimeter-Wettkämpfe geben, wie selten zuvor. Da lohnt es sich, jedes noch so kleine Detail ins Kalkül zu ziehen. Besonders auf kleinen Schanzen lässt sich für mich noch Potential ausreizen und von derartigen Anlagen werden wir in dieser Saison einige bespringen. So ziehe ich mich nun eine Woche nach Norwegen zurück, um auf der kleinen Schanze am Holmenkollen zu trainieren…

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…die kleine Schanze am Holmenkollen hat eine besondere Bedeutung in meinem Sportlerleben, nicht nur dass der Berg über Oslo so etwas wie ein Skiheiligtum vor allem für die Norweger, aber auch für den Rest der Wintersport-Welt ist, nein, es ist vor allem die Schanze, auf der ich 2011 zum ersten Mal Weltmeister werden konnte.

Hierher zurückzukehren, ist für mich immer wieder ein bewegender Moment, in dem alle Bilder von damals wie ein Film vor dem geistigen Auge ablaufen. Der Aufenthalt in Norwegens Kapitale soll mir auch Inspiration für die kommende Saison geben, die eine große Herausforderung werden wird. Ich möchte meinen olympischen Titel verteidigen, ich möchte unser Team in Südkorea auf das oberste Siegerpodest laufen und ich möchte zum sechsten Mal hintereinander den Gesamtweltcup gewinnen, die Aufgaben und die Erwartungen an einen selbst könnten nicht größer sein und das bei einer dicht beieinanderliegenden Weltspitze, in der die größten Konkurrenten auch noch aus dem eigenen Team kommen werden.

Der Airbus fliegt eine langgezogene Schleife über den Holmenkollen, da ist sie: meine Schanze!

Wir landen sanft. Ab Morgen werde ich hier fliegen…

Herzlichst
Eric

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