Schneeradar – Eric Frenzels Kolumne gettyimages.de -- Lena Gerke und Eric Frenzel bei der Präsentation des deutschen Olympia-Outfits in Düsseldorf

Schneeradar – Eric Frenzels Kolumne

  • geschrieben von  Eric Frenzel
Der Takt, in dem Eric Frenzels Kolumne erscheint, erhöht sich. Kein Wunder, rückt der Saisonstart der Nordischen Kombinierer doch immer näher. Am 24. November geht es im finnischen Ruka los. Bis dahin bleibt aber auch Zeit für die Familie, die ihn auch bei der Suche nach Neuschnee unterstützt.
Philipp, Laura und ich liegen im Wohnzimmer vor dem Fernsehgerät in Erwartung der Wettervorhersage; jeder von uns ist zudem mit einem Laptop ausgestattet. Dann beginnt das Spiel: wer innerhalb von 15 Minuten den Ort in Europa identifiziert hat, der in den nächsten zwei Tagen die höchste Schneeerwartung ausweist, der ist Tagessieger im familiären Schneeradar-Spiel. Das ist auch der Grund, warum unser ältester Sohn sämtliche Wetterportale verinnerlicht hat. Während andere Kinder in seinem Alter nur Kenntnis darüber haben, wie man im Computer Moorhühner abschießt, könnte man bei Philipp meinen, dass er sich auf einen späteren Leistungskurs „Meteorologie“ schon bestens vorbereitet hat. Wetter.com, wetter.de, wetteronline sind in diesen Tagen die meist besuchten Internetseiten innerhalb der Familie Frenzel.

Jedes Spiel hat seinen ernsten Hintergrund. Auch wie in vorangegangenen Wintern haben wir in den Höhenlagen in Mitteleuropa derzeit so wenig Schnee, dass die Planungen des Deutschen Skiverbandes turbulent werden. Wir benötigen Schnee, um uns auf die Saison, die in gut zwei Wochen beginnt, ordentlich vorzubereiten. Schnee für die Loipen, um das Gefühl für den Laufstil zu entwickeln und Schnee für die Schanzen, damit diese präpariert und winterfest gemacht werden können. Gerade das letztere Anliegen ist das, was uns am meisten Kopfzerbrechen macht.

Über die Schanzenhügel werden Netze ausgelegt, in denen sich der Schnee festsetzt und nicht abrutschen kann. Langsam und gleichmäßig baut sich dann am Schanzenhang der Schneebelag auf; während dieser Phase können die Schanzen natürlich nicht besprungen werden und sind für den Trainingsbetrieb gesperrt. Im Normalfall hat man im Alpenraum immer Regionen, in denen zu dieser Zeit Anfang November der Schneefall einsetzt. Unsere Mannschaft sucht dann in den Frühschneefall-Regionen die dann auch früh präparierten Schanzen auf, während andere Regionen entsprechend später aufgesucht werden.
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Gegenwärtig lässt der Schnee überall auf sich warten und das ist das Problem. Die Trainerstäbe beobachten das Wetter und müssen schnell Planungen entwickeln, Trainingsorte identifizieren, Hotels reservieren, Anreisen planen, Logistik entwickeln und dies mit entsprechenden Alternativen absichern. Das Planungsfieber überträgt sich auch auf uns Athleten nebst Familien. Alle wollen wissen, wie es weitergeht bei diesem planerischen Blindflug.

Daher schauen wir kräftig mit und hoffen als Familie natürlich, dass sich die Rahmenbedingungen in Mitteleuropa schnellstens dahingehend wandeln, dass wir Athleten in unseren Breiten trainieren können. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. „Lillehammer in Norwegen“ schreit Philipp am Ende des heutigen Schneeradars und gibt damit offensichtlich vor, mit was wir uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden.

Herzlichst
Eric

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