Bettgeschichten - Eric Frenzels Kolumne getty images; In der Loipe Konkurrenten, im Zimmer ein Team: Björn Kircheisen (li) und Eric Frenzel (re). (Archivbild von 2013)
Nordische Kombination

Bettgeschichten - Eric Frenzels Kolumne

  • Eric Frenzel
In seiner aktuellen Kolumne gibt Eric Frenzel einen Einblick in sein Zusammenleben mit Zimmerkamerad Björn Kircheisen. Und er verrät, warum der Weltcup in Chaux Neuve ihm besonders gefällt.
Der Wecker klingelt, das Ritual beginnt – nachdem der dritte Ton verstummt ist, zähle ich im Geiste drei Sekunden ab, bevor ich das Geräusch höre, das dem Wecker folgt, wenn ich mir mit Björn Kircheisen, meinem langjährigen Mannschaftskameraden und Freund, das Doppelbett auf der Weltcupreise teile: Bomm!

Was sich je nach Bodenbelag und Deckenbeschaffenheit des Hotelzimmers wie der Faustschlag gegen eine Holzwand oder ein Auffahrunfall im dichten Stadtverkehr anhört, ist nichts anderes als der morgendliche Sprung von Björn aus dem Bett, der immer exakt nach dem dritten Klingeln des Weckers ertönt. Ich habe es ja noch nie gesehen, weil ich in diesem Moment erst erwache, aber es hört sich doch stark nach einem verunglückten Telemark an. Danach beginnt ein kurzer Dialog, den wir beide wie der Butler in Dinner for One langjährig verinnerlicht haben: „ Guten Morgen, Eric, wer geht zuerst ins Bad?“ – „Guten Morgen, Björn, geh` Du ruhig zuerst, Du stehst ja schon!“ Wie jedes Mal, stelle ich den Alarm meines Weckers aus, drehe mich auf die Seite, denke halbschlafend über die Vorteile eines Einzelzimmers nach und vertraue darauf, dass ich spätestens dann wieder wach werde, wenn Björn aus dem Badezimmer tritt und mir mit einem kurzen, klaren und sehr lauten „Frei!“ signalisiert, dass ich nun an der Reihe bin.

Das Aufstehen fällt mir im Ergebnis nicht schwer, als ich realisiere, dass es draußen herrlichsten Sonnenschein und einen blauen Himmel gibt. Ich möchte gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich ein notorischer Langschläfer bin, aber ich achte darauf, ausreichend Schlaf und Ruhe zu bekommen -quasi als Gegenpol zu Wettkampf, Training und Reisen. Vor allem nach strapaziösen Anreisen, wie der gestrigen, als wir von Flossenbürg nach Chaux Neuve (Frankreich) fast 1000km mit dem Auto zu fahren hatten.

Obwohl unser Co-Trainer Ronny Ackermann am Steuer saß und uns ein wenig Fahrstress damit abgenommen hat, schlaucht einen das bloße Sitzen im Auto- und dies ja über Stunden. Spät in der Nacht waren wir dann in Frankreich angekommen und in einem solchen Fall bin ich dann über jede Minute froh, die ich länger im Bett ausruhen kann.

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Hier in Frankreich sind beste Schneebedingungen und das Wettkampfareal gefällt mir seit Jahren sehr gut. Die Loipenführung breitet sich in einer großen Ebene aus und wird vom Veranstalter jährlich anders entwickelt. Das bringt Abwechslung und macht so besonders neugierig und motiviert auf den Wettkampf. Auch die taktischen Planungen fallen auf einer gänzlich neuen Strecke magerer aus, als bei bekannten Führungen.
Ich freue mich auf das Wettkampfwochenende sehr, mit dem ich meine Position in der Gesamtweltcupwertung weiterausbauen möchte.

Herzlichst
Eric

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