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Das Runner’s High – Wie entsteht das Läuferglück?

  • geschrieben von  Redaktion
Das Runner's High ist so etwas wie der Heilige Gral für Läufer. Jeder will dieses Gefühl der Euphorie einmal erleben, doch die meisten suchen ihr Leben lang vergeblich danach. Eine „Schatzkarte“ gibt es nach wie vor nicht. Doch zumindest scheint nun gelüftet zu sein, wie das Runner’s High entsteht.

Der „tote Punkt“ ist fast erreicht. Die Oberschenkel schmerzen, und die Lunge brennt. An diesem Punkt kämpfen viele Läufer gegen die Versuchung an, einfach stehen zu bleiben oder zumindest das Tempo etwas zu drosseln. Wenn man sich zum Durchhalten quält, geschieht es allerdings hin und wieder, dass plötzlich alle Schmerzen verflogen sind. Man fühlt sich, als würde man mit konstantem Rückenwind eine leicht abschüssige Strecke laufen. Die Beine sind wieder leicht, es könnte immer weiter so gehen. Wer dieses Gefühl kennt, der hatte es schon einmal: das begehrte Runner's High.

Studie: Endorphine erzeugen Runner‘s High


Lange Zeit war umstritten, wie das Runner's High entsteht. Nuklearmediziner und Neurologen der TU München und der Universität Bonn glauben, diese Frage nun beantwortet zu haben. Die Untersuchungsergebnisse ihrer Gemeinschaftsstudie untermauern die Theorie, dass tatsächlich Endorphine (körpereigene Glückshormone) für das Hochgefühl verantwortlich sind.

Bei der Studie injizierten die Forscher zwanzig Läufern eine radioaktive Substanz, die im Gehirn an den gleichen Stellen andockt wie ansonsten nur die Endorphine. Die Probanden liefen zwei Stunden am Stück in zügigem Tempo. Davor und danach führten die Wissenschaftler mit den Probanden eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) durch, anhand der sie den radioaktiven Stoff lokalisieren und seine Konzentration messen konnten.

Das Ergebnis: Nach dem Lauf war bei allen Testpersonen viel weniger von der radioaktiven Substanz im Gehirn angelagert als vor dem Experiment. Das Mittel wurde von den Endorphinen schlicht und einfach weggespült. Dies erklärt auch, warum beim Runner's High das Schmerzempfinden gegen Null tendiert: Denn die die Gehirnareale, in denen besonders viele Endorphine freigesetzt werden, sind auch für die Unterdrückung von Schmerzen zuständig.

Untermauert wird die Endorphin-These zusätzlich dadurch, dass die Probanden mit der geringsten radioaktiven Restsubstanz im Gehirn nach dem Lauf auch diejenigen waren, die nach eigener Einschätzung das größte Glücksempfinden hatten. Kurzum: Endorphine werden beim Laufen immer freigesetzt. Die Frage ist nur: wie viele; und reichen Sie, um ein Runner’s High zu erzeugen.


Unverhofft kommt selten: das Runner’s High


Das Runner's High kann nämlich nicht auf Knopfdruck herbeigeführt werden. Wer beim Training immer ans Limit geht, in der Hoffnung dann von Glücksgefühlen durchströmt zu werden, wird meistens enttäuscht werden.

Einig ist sich die Wissenschaft zumindest darin, dass ein guter Trainingszustand in Kombination mit einer hohen Belastung über einen längeren Zeitraum (mindestens eine Stunde bei etwa 80 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit) die Wahrscheinlichkeit eines Runner’s High erhöht.

Suchtgefahr - Alarmsignale des Körpers?

Wie bei jedem Rausch, ist auch beim Runner's High Vorsicht geboten. Läufer, die einmal dieses Hochgefühl erlebt haben, können sich auf der Suche nach einer weiteren „Dosis“ auch in eine regelrechte Lauf-Sucht hineinsteigern. Schmerzen und Ermüdungserscheinungen werden dabei häufig ignoriert. Oder sie werden als Zeichen gewertet, auf dem richtigen Weg zu sein.

Hinzu kommt die Theorie, dass die Ausschüttung von Glückshormonen beim Laufen nicht wirklich etwas Positives sein muss. Workout-Bulimiker etwa sind – neben dem Bestreben, ihren Körperfettanteil zu reduzieren – fast versessen darauf, durch Sport Selbstbestätigung zu erlangen, Endorphinschübe inklusive. Allerdings wird schon seit Längerem vermutet, dass diese Endorphinschübe eine Art Alarmsignal des Körpers sind: Demnach werden sie ausgeschüttet, um die letzten Kräfte auf der Suche nach etwas Essbarem zu mobilisieren… Dann sich doch lieber von einem unerwarteten Endorphinschub überraschen lassen.

Marco Heibel