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Ski-Slopestyle: Szene-Lifestyle meets Olympia

  • geschrieben von  Alexandra Grauvogl
Lässig und stylisch kommen sie daher, die Slopestyler: knallbunte Klamotten, die Halstücher wie Bankräuber ins Gesicht gezogen, XXL-Jacken, die Hose locker im Schritt hängend. Der Wortschatz steuert sein Übriges zum coolen Auftritt bei: „Switch Double Misty 1440“, „Truckdriver“ oder „Double Cork 1080 Mute Grab“ heißen die „performten“ (vorgeführten) Tricks. Legt ein TV-Kommentator einen solchen Fachjargon an den Tag, steigen nicht nur Ü-50-Zuschauer aus!

Olympia 2014 in Sotschi: Slopestyle ist dabei!

Doch dran bleiben lohnt sich, das hat auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannt. 2014 werden in Sotschi zum ersten Mal olympische Medaillen im Slopestyle (Ski und Snowboard) vergeben. Eine ungewohnte Bühne für den jungen Sport, dessen größtes Wettkampf-Highlight bisher die jährlich ausgetragenen Winter X-Games in Aspen, Colorado, waren. Nachdem bereits zuvor Sportarten wie Snowboardcross, Snowboardhalfpipe (beide 2006) und Ski Cross (2010) mit hohen Zuschauerzahlen erfolgreich ins olympische Programm aufgenommen wurden, treibt das IOC seine Verjüngungskur weiter voran, um auch für ein junges Publikum spannende und spektakuläre Wettkämpfe bieten zu können. Gleich neun neue Disziplinen werden in Sotschi ausgetragen – der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Freestyle, wie eben Slopestyle oder Ski Halfpipe.

Slopestyle: mutige Bewegungstalente gesucht!

Ski Slopestyle ist eine junge Extremsportart die sich aus Freeski und Snowboard Slopestyle entwickelt hat. Die Athleten befahren dabei einen Parcours mit Sprüngen und anderen Hindernissen. Eine Jury bewertet die gezeigten Tricks nach Schwierigkeit und Style.

Hinter der Fassade einer verrückten Clique von Halbstarken stecken –zugegebenermaßen manchmal sehr waghalsige – Bewegungstalente. Um in der Spitze der Slopestyler zu bestehen, werden, wie bei anderen Profi-Wintersportlern, die Grundlagen im Sommer gelegt. Vor allem Elemente aus dem Kunstturnen und Trampolinspringen müssen beherrscht werden, um schwierige Tricks mit Drehungen und Salti auf Ski stehen zu können.

Mit diesen körperlichen Voraussetzungen geht es auf Schnee in den Slopestyle Park. Der muss eigens mit Pistenraupen und anderen Maschinen präpariert oder per Hand gebaut (Fachterminus: „geshaped“) werden. Elemente eines Parks sind zum Beispiel Sprünge (auch Kicker oder Jumps genannt), Rails oder andere Hindernisse, auf die die Skifahrer springen und „grinden“, also seitlich entlang schliddern. Ziel beim Slopestyle ist es, möglichst viele Elemente in seinen Lauf (Run) einzubauen beziehungsweise unterschiedliche Elemente zu kombinieren, schwierige Tricks sowie hohe/weite Sprünge zu zeigen und dabei gleichzeitig spielerisch und stylisch zu wirken. Variantenreichtum wirkt sich ebenfalls positiv auf die Bewertung der Jury aus, die Punkte für den gesamten Run vergibt und so den Sieger ermittelt.

Slopestyle Tricks

Slopestyle-Tricks können grob in vier Kategorien eingeteilt werden: Spins (Drehungen um die vertikale Körperachse), Grabs (Griff an den Ski), Grinds (Trick auf dem Rail) und Flips (Drehungen um die horizontale Achse, wie z.B. Salti). Die weite Skibekleidung wird also nicht nur aus optischen Gründen getragen, sondern auch, um sich gut bewegen zu können. Gefahren wird im Slopestyle mit sogenannten „Twintip“ Ski. Diese sind sowohl vorne als auch hinten aufgebogen, um Sprünge auch rückwärts anfahren oder landen zu können. Die Zahlen in den Sprung-Bezeichnungen sind Angaben, um wie viel Grad sich der Athlet um die eigene Achse dreht. Ein Beispiel:„360“ bedeutet eine komplette Drehung, 720 zwei, 1080 demnach drei Drehungen.

Einfache Slopestyle-Tricks können von geübten Skifahrern schnell erlernt werden. Auf dem Weg zu spielerisch wirkenden Spins und Flips muss man sich allerdings auf viele Übungsstunden und einige harte Landungen einstellen! Nicht selten kommt es zum „Faceplant to disaster“! Aber nur Mut – auf eurem Weg zum Slopestyle-König oder zur Slopestyle-Königin hilft euch vielleicht das folgende Lexikon.

Kleines Slopestyle-Vokabular-Lexikon:

 

back flip – Rückwärtssalto

cork, misty – Varianten des seitlichen Flips

double – es wird ein Trickelement doppelt ausgeführt

Double Mute – gleich wie Mute Grab, zusätzlich die linke Hand an die gleiche Stelle wie die rechte

Double Saftety Grab – rechte Hand unter die Bindung des rechten Skis, gleichzeitig linke Hand unter die Bindung des linken Skis

faky – rückwärts gelandeter Sprung

front flip – Vorwärtssalto

grab – von engl. „greifen“: der Athlet greift während des Sprunges an seine Ski (einige Varianten finden Sie in diesem Lexikon)

grind – von engl. „reiben, abschleifen“: der Athlet rutscht/schlittert seitlich oder mit Drehungen über Hindernisse

Mute Grab – Ski vor der Bindung überkreuzen, z.B. linker Ski über den rechten Ski, rechte Hand greift linken Ski kurz vor der Bindung

nose – das vordere Ende des Skis

Nose Grab – Ski wird am vorderen Teil, sprich vor der Bindung, gegriffen

Octo Grab – Ski überkreuzen, linken Ski mit der rechten Hand vor der Bindung greifen und mit der linken Hand hinter der Bindung

rail – auf der Strecke installierte Metallschienen, manchmal auch aus Hartplastik

Safety Grab – rechte Hand greift auf Höhe der Bindung unter den rechten Ski

switch – rückwärts angefahrener Sprung

tail – das hintere Ende des Skis

Tail Grab – der Griff erfolgt am hinteren Teil des Skis, also hinter der Bindung

Truckdriver – beide Ski vor der Bindung greifen, Beine sind dabei durchgestreckt

True Tail Grab – Griff erfolgt am hintersten Teil des Skis, am „wahren Ende“

Einen wahren Slopestyle-Künstler könnt ihr in folgendem Video bewundern: Sammy Carlson auf dem Weg zum Winter X-Games Gold 2011!

 

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hatte sich ein Rechenfehler eingeschlichen. Dieser ist nun korrigiert.