Studie zum Frauenfußball: Was machen Frauen anders als Männer? picture alliance

Studie zum Frauenfußball: Was machen Frauen anders als Männer?

  • geschrieben von  Redaktion
Auch im Frauenfußball fallen die Tore – je nach Blickwinkel – natürlich vorne bzw. hinten. Doch dank einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) kann man genau festmachen, welche Schussposition im Frauenfußball die größten Erfolgsaussichten verspricht.

Unter der Leitung von Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, Dr. Erich Kollath und Gerd Merheim vom Institut für Kognitions- und Sportspielforschung nahm die Deutsche Sporthochschule Köln sämtliche Spiele der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2007 in China in einer Videoanalyse unter die Lupe. Die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert.

Frauenfußball: Flach spielen, hoch gewinnen


Im Gegensatz zum Männerfußball hat das Flügelspiel bei den Frauen auch auf internationalem Top-Niveau allem Anschein nach (noch) keinen allzu hohen Stellenwert. Vielmehr werden bei den Damen die meisten Tore nicht nur aus zentraler Position innerhalb des Strafraums erzielt, sondern auch aus zentraler Position vorbereitet. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick:

  • Die meisten Torchancen werden zentral vor dem Strafraum vorbereitet
  • Nach flachen Vertikalpässen ergeben sich die meisten Torerfolge
  • Nahezu jedes zweite Tor erfolgt nach einem Dribbling mit anschließendem Pass
  • Über 80 Prozent aller Tore werden von innerhalb des Strafraums erzielt
  • Bei etwa jedem fünften Tor befand sich die Zuspielerin selbst im Strafraum
  • Kopfballtore unmittelbar nach Flanken sind zwar eine Seltenheit, allerdings resultieren mehr als 20 Prozent aller Tore aus Kopfballverlängerungen
  • Jeder 15. Eckball führt zu einem Torerfolg (bei den Männern auf Top-Niveau etwa jeder 10.)

    Quintessenz: Luft nach oben in der Luft und am Boden

Der Frauenfußball muss mit dem ständigen Vergleich mit den Männern leben. Nimmt man diese Studie als Referenz, werden die Unterschiede schnell deutlich: Weitschuss- und Kopfballtore sind im Frauenfußball eher eine Rarität. Das Flügelspiel ist weniger stark ausgeprägt, weil man auch über die Mitte häufig zum Abschluss kommt.

Hier wird deutlich, dass der Frauenfußball sowohl im Angriffs- als auch im Abwehrverhalten noch Luft nach oben hat. Schließlich sind Kombinationen in des Gegners Strafraum nicht allein als Zeichen der Offensivstärke zu werten, sondern auch ein Indiz dafür, dass die Abwehrreihen relativ viel zulassen.

Anders ausgedrückt: Solange man noch relativ „leicht“ zu Torchancen kommt, wird sich das Angriffsspiel nicht weiterentwickeln (müssen). Bei den Männern, wo in der Mitte kaum Räume vorhanden sind, geht dagegen nichts über Tempo und das Ausnutzen des gesamten Spielfeldes.

Potenzial liegt für die Offensivspielerinnen sicherlich auch im Verbessern des Kopfballspiels – sowohl aus dem Spiel heraus als auch nach Standards. Weitschüsse stellen eine weitere, bislang kaum ausgeschöpfte Möglichkeit dar, zum Torerfolg zu kommen. Allerdings werden viele Trainer/-innen (zu Recht) eine spielerische Lösung bevorzugen.

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