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Eingebürgerte Fußballer

  • geschrieben von  Marco Heibel
Bayern-Neuzugang Luiz Gustavo hat kürzlich verlauten lassen, dass er sich durchaus vorstellen kann, das deutsche Nationaltrikot überzustreifen. Die netzathleten nehmen dies zum Anlass, um noch einmal auf eingebürgerte Fußballer zurückzublicken – und solche, die es gerne geworden wären.

Zwei Mal hat der Deutsche Fußball-Bund bislang zur „ultima ratio“ gegriffen und Ausländer eingebürgert, um damit die Nationalmannschaft zu verstärken. Das Prozedere ist ganz leicht: Sobald der Gesetzgeber dem Plan ein „öffentliches Interesse“ zugesteht, kann eine Einbürgerung theoretisch binnen weniger Wochen über die Bühne gehen.

Die tatsächlich eingebürgerten Fußballer


Sean Dundee
Der gebürtige Südafrikaner Sean Dundee war im Jahr 1997 der Vorreiter in Sachen beschleunigte Einbürgerung. In der Tat war „Crocodile Dundee“ damals auch kein Schlechter: Zwischen 1995 und 1997 traf der Stürmer des Karlsruher SC in der Bundesliga 33-mal in Schwarze.

Doch kaum hatte Sean Dundee den deutschen Pass, ging nichts mehr. Das „Torkrokodil“ erzielte in der Saison 1997/98 nur noch drei Treffer, stieg mit dem KSC aus der Bundesliga ab und machte vor allem Schlagzeilen mit privaten Querelen und einem erzwungenen Wechsel zum FC Liverpool.



In England kam Dundee nur sporadisch zum Zuge und kehrte 1999 als Gescheiterter nach Deutschland zurück. Nach den Stationen VfB Stuttgart, Austria Wien, Karlsruher SC und Stuttgarter Kickers beendete Dundee 2008 als Reservist in Offenbach seine Karriere.

Für Deutschland gespielt hat Sean Dundee im Übrigen nie. Berti Vogts nominierte ihn zwar ein paar Mal, setzte ihn aber nie ein. Zumindest an der Identifikation hat es nie gehapert: Dundee war ein sympathischer Typ, der hervorragend Deutsch sprach und sich nach seiner Einbürgerung auch nicht um seinen Wehrdienst drückte.

Heute lebt Sean Dundee wieder in Südafrika. Während der Fußball-WM 2010 war er netzathleten-Kolumnist und berichtete über die Stimmung im Land und gab seine Einschätzung zu den Spielen ab.

Paulo Rink

Bei Paulo Rink war das beschleunigte Einbürgerungsverfahren gar nicht einmal nötig: Der gebürtige Brasilianer konnte einen Urgroßvater vorweisen, der 1904 von Deutschland nach Brasilien ausgewandert war.

Eben dieser Urgroßvater sowie 10 Tore in der Saison 1999/2000 für Bayer Leverkusen brachten Rink die Nominierung für die Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden ein, wo er beim Vorrunden-Aus in allen drei Spielen zum Einsatz kam.

Danach ging es mit Rinks Karriere steil bergab: Im August 2000 absolvierte er sein 13. und letztes Länderspiel (0 Tore). Auch seine Zeit bei Bayer Leverkusen war bald abgelaufen. Bis zu seinem Karriereende 2007 folgten u.a. die Stationen Nürnberg, Cottbus, Nikosia, Arnheim und Jeonju (Südkorea).

Verhinderte Nationalspieler


Es gab aber auch ein paar Fußballer, die sich beim DFB selbst ins Gespräch gebracht haben, mit ihrem Anliegen jedoch scheiterten. Beispielhaft seinen zwei genannt:

Ailton
Der Bremer Stürmer hätte 2004 nur zu gerne die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Mit dem Selbstvertrauen eines frisch gebackenen Doublesiegers und Bundesliga-Torschützenkönigs ausgestattet, wäre der „Kugelblitz“ sicher auch eine Verstärkung für die Europameisterschaft 2004 in Portugal gewesen.

Doch Ailtons Motive waren ähnlich wie die von Luiz Gustavo: wenn schon nicht brasilianischer, dann wenigstens deutscher Nationalspieler werden. Das wusste auch Teamchef Rudi Völler und signalisierte Ailton frühzeitig, dass er ihn nicht für die Euro nominieren würde. Ailton wollte daraufhin für Katar spielen, um sich ein paar Extra-Dollar zu verdienen. Doch auch dieser Wechsel kam letztlich nicht zustande, weil die FIFA intervenierte.

Lincoln
Noch so ein divenhafter Brasilianer, der am liebsten für Brasilien gespielt hätte. Doch als die deutsche Nationalmannschaft vor der WM 2006 ein Kreativproblem hatte, bot der damalige Schalker Spielmacher dem DFB seine Dienste an. Bundestrainer Jürgen Klinsmann lehnte ebenso dankend ab, wie Vorgänger Völler das Ansinnen von Ailton abgelehnt hatte. 2008, mittlerweile bei Galatasaray Istanbul spielend, bot Lincoln dann auch dem türkischen Verband seine Dienste an. Ergebnis: Na was wohl?!

Es geht auch anders - Vorbild Cacau


Der gebürtige Brasilianer Cacau hat gezeigt, dass es auch anders geht. Cacau kam als 18-jähriger aus Brasilien nach Deutschland, spielte sich von der fünften Liga in die Bundesliga hoch und erhielt mit 28 Lenzen den deutschen Pass – und zwar ohne den Sonderpassus vom „öffentlichen Interesse“. Erst danach kam er zu seinem Nationalmannschaftsdebüt für Deutschland, obwohl seine Leistungen schon vorher Anlass zu einer Nominierung gegeben hätten.

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