Tauchen, Taktik, Teamgeist – das ist Unterwasserhockey Unterwasserhockey München e.V.

Tauchen, Taktik, Teamgeist – das ist Unterwasserhockey

  • geschrieben von  Nils Borgstedt
Unterwasserhockey – davon dürften die wenigsten von Euch bereits etwas gehört haben. Ein Grund mehr, diese Randsportart genauer vorzustellen. Mit Hockey hat sie im Grunde aber nur noch eines gemein: Den Namen.

Wenn Synchronschwimmen eine Randsportart ist, ist Unterwasserhockey eine Rand-Randsportart. „Es gibt nur zwei Vereine in Deutschland, die Unterwasserhockey spielen.“, erklärt Jens Schuberth, aktiver Spieler und Vorstandsmitglied im Münchener Verein Unterwasserhockey München e.V. Die zweite aktive Mannschaft kommt aus Elmshorn und ist dort als Untergruppe eines Tauchvereins aktiv. Dass ein geregelter Ligabetrieb da nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Man misst sich daher bei internationalen Turnieren. Leider zu selten, wie Schuberth verrät. Ein Grund: Das Geld. In der Regel kommen die Vereinsmitglieder für Fahrtkosten und Verpflegung selbst auf. Bei einer Mannschaftsgröße von sechs Spielern plus Auswechselspieler kommt da einiges zusammen.

 

Unterwasserhockey – Tauchen

Zentral beim Unterwasserhockey ist das Tauchen. Logisch, schließlich kann man über Wasser keinen Unterwassersport betreiben. Die Luft anhalten zu können ist wichtig, allerdings nicht spielentscheidend. „Natürlich ist es hilfreich, wenn man gut tauchen kann“, erläutert Schuberth. Das Timing ist aber oftmals wichtiger, als die Länge des Luftanhaltens. „Wenn man lange unter Wasser bleibt, fehlt einem oftmals die Luft, für den nächsten Tauchgang.“, erklärt der Nationalspieler. Koordination und Taktik innerhalb der Mannschaft sind daher zentral.

Unterwasserhockey – Taktik

In einem Match treten zwei Mannschaften mit je sechs Spielern gegeneinander an, drei Angreifer, drei Verteidiger. Einen Torwart gibt es nicht. Jeder Spieler ist mit Schläger, Taucherbrille, Schnorchel und Flossen ausgestattet. „Außerdem trägt man in der Regel einen Schutzhandschuh an der Schlaghand, um sich nicht zu verletzen, wenn man doch mal einen Schlag oder den Puck abbekommt.“, erklärt Schuberth.

Als Tore dienen zwei Metallrinnen mit drei Metern Länge an jedem Beckenrand. Der Puck ähnelt einem Eishockeypuck, ist aus Blei und mit Gummi ummantelt, damit die Kacheln des Beckens nicht beschädigt werden. Das Schießen des Pucks, das so genannte Flicken, erfolgt mit einem kleinen Schläger, der mit einem Eishockeyschläger ungefähr so viel gemein hat, wie ein Tischtennis- mit einem Tennisschläger. Ähnliche Form, anderer Maßstab. Er ist aus Holz oder Kunststoff, etwa 20 bis 30 Zentimeter groß und extrem leicht. Nur so kann man im Wasser überhaupt flicken. Andernfalls wäre der Wasserwiderstand zu groß.

Um Unterwasserhockey erfolgreich spielen zu können, gehören Koordination sowie Kraft- und Lufteinteilung zu den zentralen taktischen Voraussetzungen. Das Schwierigste in der Umsetzung ist die richtige Einteilung der Tauchgänge, schließlich agiert man im dreidimensionalen Raum. „Anders als beim Fußball besetzt man nicht nur eine Position. Ich muss auch noch zur richtigen Zeit am Beckenboden sein. Mir hilft das beste Positionsspiel nicht, wenn ich nicht rechtzeitig abgetaucht bin.“ Da man aber auch nicht immer Luft hat, ist man sehr auf seine Mannschaftskollegen angewiesen. „Im Grunde muss jede Position mit zwei Spielern besetzt sein“, sagt Schuberth. „Taucht einer auf, muss der andere dessen Position einnehmen.“

Abstimmung ist zudem wichtig, da man immer seine Mitspieler in maximal zwei bis drei Meter Entfernung benötigt. Warum? Weit kann der Puck nicht geflickt werden. Ein eleganter 20-Meter-Pass auf den anderen Flügel ist einfach nicht drin. Das Geschehen ist also zwangsläufig immer auf einen sehr engen Raum konzentriert.

Da ist es umso erstaunlicher, dass die Kommunikation während des Spiels praktisch nicht stattfindet. „Wirklich sprechen miteinander kann man nur in Spielpausen, ansonsten ist zu viel Betrieb und Geplätscher. Außerdem hat man ja den Schnorchel im Mund.“, sagt der Nationalspieler. Und auch Zeichen sind kaum möglich. „Durch die Maske ist das Blickfeld sehr eingeschränkt. Man erkennt seine Mitspieler nur an der Farbe der Kappe oder des Schlägers. Allein die Unterscheidung zwischen Freund und Feind fordert schon einige Konzentration.“, erklärt er weiter. Und die Folge? Eine gute taktische Vorbereitung muss her. „Man muss sich extrem aufeinander verlassen. Jeder muss vorher wissen, welche Taktik gespielt wird und wo er wann sein muss. Darauf muss man sich jeder im Team verlassen können.“

 

Unterwasserhockey – Teamgeist

Diese gegenseitige Verantwortung für ein erfolgreiches Spiel macht Unterwasserhockey zu einem Mannschaftssport, der enorm viel Teamgeist im Becken verlangt. Anders als beim Fußball oder Hockey werden beim Unterwasserhockey Spiele praktisch nie durch Einzelaktionen gewonnen. Zu groß ist die Rolle der limitierenden Faktoren Sauerstoffversorgung und Wasserwiderstand. Ein Bonmot das Berti Vogts einst für die Fußballnationalmannschaft zum Besten gab, trifft hier – etwas zweckentfremdet – noch besser zu: Das Team ist der Star.

 

Unterwasserhockey – Tipps für Einsteiger

Für alle die diesen Teamgeist einmal erleben wollen, hat Schuberth folgende Tipps: „Wenn man anfangen möchte, sollte man gut schwimmen können und schon ein bisschen Schnorchelerfahrung haben, damit man mit Schnorchel und Flossen schwimmen kann. Außerdem sollte man den Druckausgleich beherrschen und gut und schnell abtauchen können.“ Wer das sicher beherrscht, wird nach etwa zwei Monaten aktiv am Spielbetrieb teilnehmen können. Für alle anderen dauert es länger. Bis es in Deutschland allerdings einen geregelten Spielbetrieb geben wird, hat man voraussichtlich noch ausreichend Zeit, um sich in Form zu bringen.

Ganz anders sieht es da übrigens in Frankreich, England, den Niederlanden, Neuseeland, Südafrika oder Australien aus. „Teilweise gibt es in diesen Ländern bis zu vier oder fünf Ligen.“, sagt Schuberth. Bis in Deutschland ähnliche Strukturen herrschen, wird er noch oft ins Wasser steigen müssen und auf internationalen Turnieren die deutschen Farben vertreten. Und die Reisekosten selbst tragen.

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