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Massage - Die Hände sind entscheidend!

  • geschrieben von  Anne Nyhuis, citysports.de
Ob kneten, zirkeln oder drücken – eine therapeutische Massage löst Verspannungen, regt die Blutzirkulation an, hilft zur Regeneration, ist aber auch als Vorsorge geeignet, erklärt Harald Windler, Physiotherapeut und ehemaliger Profi-Eishockeyspieler im Interview mit unserer Partnerseite citysports.de.
citysports.de: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Wellnessmassage und einer therapeutischen Massage?
Harald Windler: Bei einer therapeutischen Massage geht es um die Ursachenforschung von Schmerzen. Der Therapeut muss den Schmerzpunkt finden, ihn gezielt bearbeiten, um dann die Blockaden zu lösen. Bei einer therapeutischen Massage geht man in die Tiefe, Wellness ist eher oberflächlich.

Demnach klingt eine therapeutische Massage schmerzhaft.
Das ist tatsächlich manchmal der Fall. Bei Belastung entstehen Stoffwechselprodukte (so genannte Myogelosen), die sich am Muskel anlagern und auf den Nerv drücken. Das verursacht Schmerzen. Durch Drücken, Zirkeln, Kneten und Verschieben kann man die Spannung lösen. Die Blutzirkulation wird angeregt, die Regeneration beschleunigt. Das Drücken auf den Schmerz tut sozusagen richtig gut.

Oft werden bei Marathon-Läufen im Anschluss kostenlos Massagen angeboten, sollte man das Angebot nutzen?
Nach jeder sportlicher Betätigung sind sowohl Massagen als auch Wärme wie z.B. Sauna oder warme Bäder gut. Durch eine Massage nach der sportlichen Betätigung kann man die klassischen Muskelschmerzen, die durch das Laktat, das sich angelagert hat, entstehen, am darauffolgenden Tag verringern. Aber auch bei einer ganz normalen sitzenden Tätigkeit entstehen Ablagerungsprodukte. Diese werden durch eine Behandlung schneller wieder abgebaut.

Welche Schwierigkeiten könnten denn zum Beispiel bei der klassischen Bürotätigkeit auftreten?
Das Typische sind Fehlhaltungen durch krummes Sitzen. Es entstehen Verhärtungen der Muskeln, die Schmerzen auslösen. Durch einseitige Überlastungen entstehen zudem Dysbalancen im ganzen Körper. Wenn man schief sitzt, versucht der Körper es auf anderer Ebene wieder auszugleichen. Es kann sein, dass man eigentlich Nackenprobleme hat, diese sich sogar in der Lendenwirbelsäule widerspiegeln. Verschiedene Massagetechniken lockern die Muskulatur und helfen dabei die Bewegungsfreiheit wieder herzustellen. Aber Massage kann dem auch vorbeugend entgegenwirken.

Dann wären regelmäßige, therapeutische Massagen als Vorsorge sinnvoll?
Ideal für Sporttreibende wäre einmal wöchentlich. Bei Bürotätigkeiten ist einmal im Monat schon eine gute Basis, verbunden mit eigenen Dehnübungen. Jede Massage sollte zudem mit körperlicher Tätigkeit verbunden werden, um die Muskeln zu kräftigen.

Und wann sollte man sich auf keinen Fall massieren lassen?
Bei Fieber, Verletzungen wie Prellungen, Schwellungen, Entzündungen – aber auch nicht bei Erkrankungen wie Krebs. Am Besten hält man in solchen Fällen Rücksprache mit dem Arzt.

Übernimmt eigentlich die Krankenkasse die Kosten für so eine Massage?
Grundsätzlich gibt es noch Leistungen von der Krankenkasse, diese werden aber immer mehr gekürzt. Doch als Vorsorge sind Massagen eine sehr sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit.

Mit welchem Preis muss man für eine therapeutische Massage rechnen?
Ein Richtwert ist 1,- Euro pro Minute. Für eine einstündige Massage kann man somit zwischen 60 bis 80 Euro ausgeben.

Was halten Sie von den Massage-Sesseln, die in einigen Einkaufszentren stehen?
Um kurz die Seele baumeln zu lassen, wunderbar. Aber kein Roboter ersetzt die therapeutische Hand eines Masseurs.

Eigentlich muss ein therapeutischer Masseur ein Arzt sein.
Jeder Therapeut hat eine qualifizierte Ausbildung. Er muss sowohl Fachkenntnisse über den äußeren als auch inneren Körper besitzen. Die Ausbildung eines Masseurs zum Beispiel dauert sechs bis zwölf Monate, die eines Physiotherapeuten drei Jahre.

Anhand der Qualifikation kann man sicherlich einen guten Massage-Anbieter finden, aber worauf sollte man zusätzlich achten?
Das Zertifikat allein macht noch keinen guten Masseur, sondern seine Hände: Das, was er ertastet, ist wichtig. Als Kunde sollte man darauf achten, dass der Therapeut ein Eingangsgespräch mit Anamnese-Bogen durchführt. Zudem muss er auf den Patienten eingehen. Ob ein Masseur, also seine Hände, zu einem Patienten passen, weiß man aber erst nach der ersten Sitzung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: citysports.de, Anne Nyhuis, 11 / 2015

Interviewpartner Harald Windler!
Harald Windler ist Eigentümer von Windler Krankengymnastik und ehemaliger Profi-Eishockeyspieler. Er selbst ist ein renommierter Physio- und Manualtherapeut, der sich auf die Behandlung von Sportverletzungen spezialisiert hat.

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