Carina Vogt im Interview: Hopp oder Top gettyimages.de -- Carina Vogt beim Gewinn der Goldmedaille in Sotschi 2014

Carina Vogt im Interview: Hopp oder Top

Vier WM-Titel und eine olympische Goldmedaille – so liest sich die beeindruckende Bilanz von Skispringerin Carina Vogt bei Großereignissen. Vor dem Abflug nach PyeongChang haben wir mit der 25-Jährigen über ihre Ambitionen in Südkorea gesprochen.
netzathleten: Carina, gehen Sie die Olympischen Spiele nach Ihrer bereits in Sotschi gewonnen Goldmedaille diesmal entspannter an?

Carina Vogt: Tatsächlich würde ich nicht sagen, dass ich nervös sein müsste, schließlich habe ich diesen großen Erfolg bereits errungen. Natürlich möchte ich wieder um eine Medaille mitspringen, aber ich kann auch am Tag darauf ohne allzu große Enttäuschung aufstehen, wenn ich keine Medaille gewinne. Ich habe in den letzten Wochen versucht, meine Form in Ruhe aufzubauen und schaue vor Ort, zu was es letztlich reichen wird – bei den beiden Sprüngen, die wir haben, entscheidet sich ja alles in nur etwa zehn Sekunden. Da gibt es nur Hopp oder Top.

netzathleten: Sie sprechen es an, Sie haben nur den Wettbewerb von der Normalschanze bei den Frauen. Kein Team- und kein Mixed-Wettbewerb, keine Großschanze…

Carina Vogt: Ja, das finde ich ärgerlich und traurig, dass das noch nicht geklappt hat, zumindest den Mixed-Wettbewerb bei einem solchen Großereignis einzuführen. Eine zweite Medaillenchance für uns Frauen wäre schön, zumal unsere Wettbewerbe auch vom Publikum toll angenommen werden. Ich hoffe, 2022 wird es soweit sein.

netzathleten: Es scheint aufgrund Ihrer bisherigen Erfolge aber eine Ihrer Spezialitäten zu sein, bei eben solchen Wettkämpfen in Topform zu sein.

Carina Vogt: Es ist ja nicht so, dass ich nur an diesen Tagen in Form bin, sondern ich hatte sie immer zuvor aufgebaut. Die jeweiligen Wettbewerbe vor Olympia und WM bin ich also auch schon aufs Podest gesprungen und die Erfolge kamen nicht aus dem Nichts. Bisher konnte ich diese Form dann auch immer gut abrufen, wenn es drauf ankam und heute profitiere ich wie gesagt davon, dass ich schon große Siege erreicht habe.

netzathleten: Wer hat Sie denn auf dem Weg zu diesen Erfolgen am meisten geprägt?

Carina Vogt: Das hängt von den einzelnen Abschnitten meiner Karriere ab. Meine Mutter war natürlich immer dabei, aber auch mein Jugendtrainer Thomas Aubele, der auch dann an mich geglaubt hat, wenn es mal nicht so lief, war ungemein wichtig für meine Karriere. Während meiner Ausbildung bei der Bundespolizei habe ich täglich mit Christian Bruder gearbeitet, der einen super Job gemacht hat. Und aktuell natürlich Andreas Bauer, der tolle Rahmenbedingungen als Nationaltrainer für unser gesamtes Team geschaffen hat.

netzathleten: Nun sind die Olympischen Spiele ein Erlebnis für jeden Sportler. Welche Wettkämpfe möchten Sie sich dort unbedingt noch anschauen?

Carina Vogt: Ich kenne den Zeitplan noch gar nicht genau, aber wenn es sich mit meinem eigenen Wettkampf ausgeht, würde ich gerne zu den Bob-Wettkämpfen gehen. Aber natürlich würde ich auch gerne unsere Jungs beim Skispringen und der Nordischen Kombination unterstützen. Das eine oder andere Eishockey-Spiel sollte sich aber auch ausgehen.

netzathleten: In Deutschland genießt Olympia an sich derzeit nicht den besten Ruf, Volksabstimmungen hatten das Ergebnis, dass Olympia-Bewerbungen zuletzt abgelehnt wurden. Nun geht die Reise ins weit entfernte Südkorea – finden Sie es schade, dass auf absehbare Zeit wohl keine Olympischen Spiele in Deutschland stattfinden werden?

Carina Vogt: Ja, natürlich, das hätte ich mir gewünscht. Man hat ja gesehen, was ein Ereignis wie die Fußball WM hier in Deutschland ausgelöst hat, welch tolle Stimmung herrschte. Ich hoffe, da findet bald wieder ein Umdenken in der Bevölkerung statt.

netzathleten: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg in PyeongChang!

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