Gewinnbringende Investitionen – Armin Kraaz über den Jugendfußball in Deutschland gettyimages.de und Derk Hoberg

Gewinnbringende Investitionen – Armin Kraaz über den Jugendfußball in Deutschland

Mit dem WM-Titel haben sich die enormen Investitionen des DFB und der Vereine in die Nachwuchsarbeit im vergangen Jahr in Brasilien endgültig bezahlt gemacht. Armin Kraaz, der selbst aus der Jugend von Eintracht Frankfurt kam und nun das Jugend-Leistungszentrum der Hessen leitet, sprach mit uns über die Bedeutung des WM-Titels für den Nachwuchsbereich und die Zukunft des deutschen Fußballs.
KraazArmin Kraaznetzathleten.de: Wie wichtig war der WM-Titel im vergangenen Jahr für den deutschen Fußballer-Nachwuchs?
Armin Kraaz: Bei aller direkten Freude über einen solchen Erfolg, am Ende des Tages ist die Langzeitwirkung der wichtigere Aspekt für uns. Der WM-Titel sorgt dafür, dass noch mehr Kinder, Mädchen wie Jungs, dazu motiviert werden, überhaupt mit dem Fußballspielen anzufangen. Das spiegelt sich natürlich nicht direkt in unseren Nachwuchsmannschaften bei der Eintracht wider, aber durch die zu erwartenden höheren Anmeldezahlen in den kleinen Vereinen profitiert in der Folge auch unser Leistungszentrum davon. Je mehr Neue sich anmelden, umso mehr Bewegungstalente sind auch dabei, die nicht bei anderen Sportarten landen. 

netzathleten.de: Spüren Sie inzwischen auch eine größere Wertschätzung gegenüber Ihrer, respektive der Arbeit Ihrer Kollegen im Nachwuchsbereich?
Armin Kraaz: Akzeptanz und die Wertigkeit des Jugendfußballs haben hier bei Eintracht Frankfurt, aber auch insgesamt, enorm zugenommen. Alleine unser Gespräch jetzt hätte so vor 10 Jahren wahrscheinlich  nicht stattgefunden. Natürlich erscheinen wir nicht jeden Tag in den großen Medien, aber das Interesse steigt stetig. Und auch international genießt unsere Arbeit spätestens seit dem EM-Titel der U 21 im Jahr 2009, bei dem ja viele jetzige Weltmeister mit auf dem Platz standen, großen Respekt. Durch die WM im vergangenen Jahr erreichte das Interesse seinen Höhepunkt. Vor dem WM-Finale in Rio hatte ich beispielsweise Interview-Anfragen von englischen Radiosendern. Da hat offenbar auch der letzte gemerkt, dass sich hier in Deutschland viel getan hat.

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netzathleten.de: Hat sich dadurch auch Ihr Aufgabenbereich vergrößert?
Armin Kraaz: Es gibt mehr Anfragen von Seiten der Medien. Dazu fragen Universitäten wegen Vorträgen an und nicht zuletzt schicken immer mehr ausländische Fußballverbände Delegationen, die sich über unsere Nachwuchsarbeit informieren wollen.

netzathleten.de: Da wird inzwischen also schon „Werksspionage“ betrieben?
Armin Kraaz: Es ist ja nur logisch, sich da zu informieren, wo es gut läuft. Das machen wir bei der Eintracht und der DFB aber genauso. Was sich bei uns als Eintracht Frankfurt zudem bemerkbar macht, ist die räumliche Nähe zur DFL, die ja auch hier in Frankfurt sitzt. Wenn dort ein ausländisches TV-Team zu Gast ist, landet das häufig ebenfalls bei uns, um Bilder von der Nachwuchsarbeit zu drehen. Und natürlich sind auch immer wieder Verbandsvertreter aus dem Ausland dabei, die die DFL gewissermaßen zu uns schickt, um sie über die Konzeption und die infrastrukturellen Bedingungen des Jugendfußballs hierzulande zu informieren. Das macht auch mir Spaß, wenn wir koreanische, japanische oder afrikanische Delegationen hier zu Gast haben und wir können unser Leistungszentrum ja auch vorzeigen. Durch die internationalen Kontakte ergeben sich aber ebenso für uns immer wieder neue Blickwinkel und auch Kooperationsmöglichkeiten wie Testspiele für unseren Nachwuchs. Insofern haben beide Seiten etwas davon.

Leistungszentrum-Eintracht FrankfurtDas moderne Leistungszentrum von Eintracht Frankfurt

netzathleten.de: Blicken Sie abschließend für uns doch einmal in die Zukunft des deutschen Fußballs…
Armin Kraaz: Dafür muss ich in der Vergangenheit anfangen: Die Reform der Nachwuchsarbeit des DFB um das Jahr 2000 war dringend nötig. Damals investierten die wenigsten Vereine in die Jugendarbeit – die Eintracht, aber auch Leverkusen, Stuttgart und ein paar andere mal ausgenommen – weshalb Erfolge in der Nachwuchsarbeit früher eher zufällig waren. Die meisten Vereine zahlten lieber für einen fertigen Spieler, anstatt selbst auszubilden. Insofern waren die flächendeckenden Stützpunkte, die der DFB damals schuf, und auch die Auflagen an die Vereine, die Nachwuchsarbeit zu intensivieren, die entscheidenden Faktoren. Man muss schon sagen, wenn dieser riesige Verband DFB in Bewegung kommt und etwas umsetzt, kommt immer etwas Gutes dabei heraus. Der DFB hat sämtliche Möglichkeiten, solche Maßnahmen sehr gründlich durchzusetzen. Dadurch arbeiten die Nachwuchszentren heute professioneller als viele Profivereine vor zehn Jahren und deshalb ist der deutsche Fußball heute auf einem tollen Weg.

Marc StenderaMarc Stenderanetzathleten.de: Dann dürfen wir auch künftig mit großen Titeln rechnen?
Armin Kraaz: Deutschland wird mit Sicherheit eine gewichtige Rolle in der Zukunft des Weltfußballs spielen. Ob dann letztlich Titel dabei herausspringen, hängt aber von zu vielen Faktoren ab. Aber die Bundesliga boomt seit Jahren, die Nationalmannschaft ist eine echte Marke geworden und wird inzwischen sogar für ihren guten Fußball geschätzt. Der Jugendfußball an sich und die U-Mannschaften des DFB im speziellen sind ebenfalls erfolgreich. Nehmen wir Marc Stendera, den wir hier in Frankfurt seit seinem 14. Lebensjahr ausbilden. Marc ist letztlich aber nur ein Beispiel unserer erfolgreichen Jugendarbeit. Er wurde im vergangenen Jahr mit der U-19 Europameister und ist inzwischen feste Kraft in der Bundesliga unter Thomas Schaaf. Deshalb sind Investitionen in die Jugend für uns immer auch gewinnbringend in der Zukunft.

netzathleten.de: Vielen Dank, Herr Kraaz.