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Sport und freie Radikale – Ist Sport ungesund?

  • geschrieben von  Derk Hoberg
Anscheinend entstehen beim Sport mehr schädliche freie Radikale als üblich. Diese sind laut gängiger Meinung für Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs mitverantwortlich. Ist Sport also ungesund und sind die Radikale wirklich so schädlich wie man bisher dachte? Eine Studie sorgt für neue Erkenntnisse.

Radikalkur durch Sport


Ausgerechnet Sportler sollen einem höheren Risiko durch freie Radikale ausgesetzt sein als unsportliche Menschen? Betrachtet man den menschlichen Stoffwechsel etwas genauer, wird zunächst einmal deutlich, warum die Belastung durch freie Radikale beim Sport zunimmt: In den Körperzellen werden die Grundstoffe unserer Nahrung, wie Fett, Eiweiß und Zucker, mit Hilfe des eingeatmeten Sauerstoffs in Energie umgewandelt. Während dieses Prozesses entstehen auch Abfallprodukte. So werden etwa fünf Prozent des Sauerstoffs in freie Radikale umgewandelt. Dies sind reaktionsfreudige Moleküle, die sich ihr fehlendes Elektron von anderen Körperzellen „klauen“ und diese damit schädigen. Sie sorgen damit unter anderem für einen frühzeitigen Alterungsprozess der Zellen.

Normalerweise schafft es der Körper, diese Sauerstoffradikale selbst zu bekämpfen. Durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr beim Sport allerdings setzt man sich einem „oxidativen Stress“ aus. Es werden mehr freie Radikale produziert als üblich. Da der Körper von sich aus nicht über genügend Antioxidantien (wir berichteten) verfügt, um die Vielzahl der freien Radikale unschädlich zu machen, ist es vor allem für Leistungssportler ratsam, sich zusätzliche „Radikalfänger“ in Form von Antioxidantien (Vitamin C, E, A, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren) mit der Nahrung zuzuführen.

Freie Radikale gar nicht so schädlich?


Mehrere Studien haben diese Theorie über die Gefährlichkeit der freien Radikalen nun aber teilweise relativiert. Sie besagen, dass eine gewisse Übermenge an freien Radikalen die Körperzellen für den Umgang mit oxidativem Stress „trainiert“.

Prof. Trey Ideker von der University of California in San Diego hat lebende Hefezellen im Labor gezielt Wasserstoffperoxid ausgesetzt - dem häufigsten freien Radikal im Körper. Das Ergebnis: Zellen, die zunächst nur mit kleinen Dosen dieser aggressiven Substanz behandelt wurden, überstanden im Anschluss eine größere Dosierung überraschend gut.

Schlecht erging es hingegen jenen Zellen, die sofort mit der Maximaldosierung konfrontiert wurden. Wenn die Dosis nicht zu hoch ist, lernen die Zellen scheinbar, sich vor den freien Radikalen zu schützen, erklärte der Wissenschaftler das Phänomen. Dies sei vergleichbar mit Hautzellen, die sich gegen Sonnenstrahlung schützen können. Zumindest solange sie Melanin produzieren können, was die Haut schützen soll.

Ideker bringt seine Theorie folgendermaßen auf den Punkt: Freie Radikale funktionieren offenbar wie die meisten Gifte. In geringen Dosen stimulieren sie, erst in höheren Konzentrationen richten sie Schaden an.

Das sagt die Expertin

Dem stimmt auch netzathleten-Expertin Nina Schaller zu: „Wie bei so vielen „Giften“ macht die Dosis die Gefahr aus. Es scheint, als ob freie Radikale in geringen Mengen eine Art Trainingseffekt für die Körperzellen haben. Solche, die also leichten Dosen an freien Radikalen ausgesetzt sind, können sich besser vor diesen schützen und sich anpassen als wenn eine völlig „untrainierte“ Zelle eine hohe Dosis an freien Radikalen abbekommt. Dies könnte auch eine Erklärung sein, warum viele Pillen mit Antioxidantien und Vitaminpräparate gar nicht so gesund sind, ja sogar die gesundheitsförderlichen Effekte des Sporttreibens noch blockieren (vgl. Prinzip der Mitohormesis, dazu hier eine interessante Studie von Ristow)

Besser ist es, auf frisches Obst und Gemüse zurückzugreifen, in dem Antioxidantien in ihrem natürlichen Verbund weitaus effektiver wirken.“

 

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